Voll elektrifiziert soll die Regionalstadtbahn ein neues Kapitel Bahngeschichte schreiben. Die Vorplanung neigt sich dem Ende entgegen. Das sind die Pläne am Bahnstandort Hechingen.
Komplex zu planen, teuer zu bauen, aber eine ungemeine Bereicherung für eine zukunftsfähige Mobilität in der Region: Das millionenschwere Großprojekt Regionalstadtbahn Neckar-Alb wird den Bahnstandort Hechingen massiv verändern. Umgesetzt sein soll die Vollelektrisierung des Schienenverkehrs spätestens in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre, informierte Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands Regionalstadtbahn Neckar-Alb, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats.
Derzeit befindet sich das Großprojekt im Übergang der Vorplanung in die Entwurfsplanung. Wie der „Bahnknoten Hechingen“, dieses Stichwort nannte Bernecker in seinem Vortrag mehrfach, künftig aussehen soll, steht schon weitestgehend fest. Verkehren werden am Hechinger Bahnhof künftig die elektrifizierten Züge der Zollern-Alb-Bahn zwischen Aulendorf und Stuttgart beziehungsweise Albstadt und Tübingen sowie die Hohenzollernbahn, die in Richtung Burladingen fährt.
Umbau im Bahnhof
Der Bahnhof in Hechingen wird hierzu barrierefrei umgestaltet, ein zusätzliches Gleis 4 mit Rampenbauwerk als Zugang angebaut. Die weiteren Bahnsteige werden allesamt neu, als sogenannte Kombibahnsteige, hergestellt. Das heißt, sie erhalten jeweils einen Abschnitt mit 55 Zentimetern Bahnsteighöhe für die Züge der Regional-Stadtbahn und einen mit 76 Zentimetern Bahnsteighöhe für die Züge des überregionalen Verkehrs Richtung Stuttgart und Aulendorf.
Zwei neue Bahnhalte
Dazu wird die Personenunterführung verlängert, künftig ist ein Zugang auch von der Tübinger Straße möglich. „Dringend nötig“, nannte Almut Petersen, Fraktionschefin der Bunten Liste, diese Maßnahme. Bevor die Regionalstadtbahn kommt, wird zudem die Eisenbahnbrücke in der Tübinger Straße erneuert. Laut Tobias Bernecker sei diese Maßnahme für Anfang der 2030er-Jahre vorgesehen.
Damit die Bahnanbindung attraktiver wird, bekommt Hechingen neben dem bestehenden Bahnhof zwei weitere Haltepunkte – einer in Stetten im Bereich Brünnlestraße sowie einen in „Hechingen-Süd“, nahe der Domäne. Beide zusätzlichen Haltepunkte sehen die Planer als Kreuzungsbahnhöfe vor. Heißt: Züge können sich dort begegnen, Verspätungen sollen so verhindert werden. Petersen gab jedoch zu Bedenken, dass kein Bahnhof nahe der Stadtmitte geplant sei. „Das ist ein kleiner Wermutstropfen.“ Hier müssten Lösungen gefunden werden, wie die Fahrgäste in das Hechinger Zentrum gelangen.
Mehr Abfahrten insgesamt
Die Pläne klingen vielversprechend. Die Kreuzungsbahnhöfe und der zweigleisige Ausbau zwischen Tübingen und Mössingen sowie zwischen Bisingen bis kurz vor Balingen sollen Verspätungen weniger Chancen geben. Ein vollständiger zweigleisiger Ausbau sei wirtschaftlich indes nicht machbar, antwortet Bernecker auf eine Frage aus den Reihen der Gemeinderäte.
Ein weiterer Vorteil: Durch den Ausbau wird sich die Zahl der Abfahrten am Bahnhof Hechingen verdoppeln. Bernecker präsentierte den Gemeinderäten einen Musterfahrplan. Darauf zu sehen: Statt wie bisher alle zwei Stunden, soll künftig stündlich ein schneller Regionalexpress in Hechingen abfahren, dazu halbstündlich ein Zug nach Tübingen beziehungsweise Albstadt.
Immense Kosten
Parallel soll die Hohenzollernbahn mit der Regionalstadtbahn kompatibel gemacht werden. Es laufe derzeit die Ausschreibung einer Machbarkeitsstudie für die Elektrifizierung der Strecke, so Bernecker.
Die Pläne stießen im Gemeinderat auf positive Resonanz. Doch was kostet das Mobilitätsprojekt? Allein die Zollern-Alb-Bahn – Stand 2022 – 652 Millionen Euro an Bau- und 163 Millionen Euro an Planungskosten. Auf den ersten Blick eine stolze Summe. Der kommunale Anteil beträgt hingegen „nur“ 128 Millionen Euro, wovon der Zollernalbkreis circa 50 Prozent trägt. Die Landkreise Tübingen und Reutlingen sowie die Stadt Tübingen teilen den Rest unter sich auf. Die Ertüchtigung der Hohenzollernbahn ist da deutlich günstiger – veranschlagt sind 4,5 Millionen Euro bezüglich des kommunalen Anteils.
Der Zeitplan für die Elektrifizierung der Zollern-Alb-Bahn
Aktueller Stand
Aktuell befindet sich der Zweckverband in der Übergabephase des Projekts an die DB InfraGO. Die derzeit in der Abstimmung befindliche Finanzierungsvereinbarung umfasst auch die Festlegung des voraussichtlichen Baubeginns, der in den 2030er Jahren liegen wird, und die Grundzüge des Bauablaufs, das heißt Beginn und Dauer der für den Ausbau erforderlichen Streckensperrung.
Bürger können sich melden
Es folgt die Entwurfs- und Genehmigungsplanung bis zum Jahr 2029. In dieser Phase werden detaillierte Planwerke zur Planfeststellung erstellt, anschließend werden die Unterlagen der Planfeststellungsbehörde eingereicht. Daran schließt sich das Planfeststellungsverfahren an. Das bedeutet, die Pläne werden öffentlich ausgelegt, Privatpersonen und Verbände können Einwände einreichen. Im Anschluss werden die Pläne nachgebessert.
Bauphase
Ab 2030 folgt die Ausführungsplanung, dazu werden die Aufträge für die Bauarbeiten vergeben. Daraufhin soll gebaut werden.