Der Umwelt- und Technikausschuss des Zollernalbkreises hat sich mit dem Stand der Regionalstadtbahn Neckar-Alb befasst. Dabei ging es vor allem um Zeitplanung.
Wären die Auswirkungen nicht so drastisch, könnte man dem Ganzen etwas Humoristisches abgewinnen. Ein flüchtiges Schmunzeln huschte jedenfalls bei der Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses über Dietmar Foths (FDP) Gesicht. Er übernahm am Montagabend die Moderation der Sitzung anstelle des abwesenden Landrats Günther-Martin Pauli.
Auf der Tagesordnung stand ein Milliardenprojekt mit offenen Zeitfragen: Bei der Regionalstadtbahn Neckar-Alb spielt der Zollernalbkreis bekanntlich eine tragende Rolle. Protagonist dieser Geschichte zu sein, heißt in diesem Fall aber vor allem: der teuerste Teilabschnitt der Strecke.
Die drei Teilprojekte im Zollernalbkreis summieren sich auf ein Gesamtvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro – davon entfällt der größte Teil mit gut einer Milliarde auf die Zollern-Alb-Bahn, hinzu kommen rund 153 Millionen Euro für die Talgangbahn und etwa 36 Millionen Euro für die Hohenzollernbahn. Durch Fördermittel von Bund und Land liegt der kommunale Eigenanteil deutlich darunter.
Das Vorhaben besteht aus einem Zusammenspiel mehrerer Strecken im Landkreis: der Zollern-Alb-Bahn, der Talgangbahn sowie der Hohenzollernbahn. Sie alle sollen besser verknüpft, technisch modernisiert und in Teilen elektrifiziert werden – als Grundlage für einen dichteren und verlässlicheren Nahverkehr in der Region.
Umfangreich fallen die Planungen bei der Zollern-Alb-Bahn aus. Der Abschnitt zwischen Tübingen und Albstadt-Ebingen gilt derweil als zentrales Teilprojekt der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Neben dem Ausbau einzelner Streckenabschnitte und Bahnhöfe sind dort Doppelspurabschnitte, umfangreiche Bauarbeiten sowie mehrere Tunnel- und Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen. Gleichzeitig steht das Projekt in engem Zusammenhang mit der Elektrifizierung des südlichen Abschnitts bis Sigmaringen. „Es wird eine wandelnde Baustelle geben“, schickte Tobias Bernecker, Geschäftsführer des Zweckverbands Regional-Stadtbahn, vorweg. Einen finalen Zeitplan könne man voraussichtlich vor der Sommerpause vorlegen. Als Zielmarke für die Inbetriebnahme galt bislang das Jahr 2034.
Verschiebung bis in die 2040er?
Zuletzt war jedoch Unruhe um den Zeitplan entstanden. Medienberichte über eine mögliche Verschiebung in den 2040er-Jahren hatten zuletzt für Irritationen gesorgt. Der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb weist diese Darstellung nun zurück.
Vielmehr dauerten die Abstimmungen zwischen Zweckverband, Land und DB InfraGO an. Fest steht bislang lediglich: Die Finanzierungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn ist nicht abgeschlossen. Sie soll nach Angaben des Zweckverbands in der nächsten Sitzungsrunde beraten werden – am 24. Juli in Dußlingen.
Sperrungen und Ersatzverkehr
Bernecker macht in der Sitzung zugleich deutlich, warum sich die Arbeiten kaum mit gewöhnlichen Infrastrukturprojekten vergleichen lassen. Der aufwendige Abschnitt zwischen Tübingen und Mössingen müsse zuerst umgesetzt werden, weil die Stromversorgung der Strecke zunächst nur aus Richtung Tübingen erfolgen könne. Hinzu komme eine teils jahrzehntealte Infrastruktur entlang der Zollern-Alb-Bahn. „Teile der Leit- und Sicherungstechnik sind mehr als 80 Jahre alt.“ Diese müssten grundlegend modernisiert werden.
Schnittstellen seien die Bahnhöfe in Hechingen und Albstadt, so Bernecker. Während gebaut wird, soll der Bahnbetrieb möglichst weiterlaufen. Deshalb ist vorgesehen, nur an zwei Bahnabschnitten unter Vollsperrung zu arbeiten. In den gesperrten Bereichen ist ein Schienenersatzverkehr geplant. Bevor es für die Fahrgäste einfacher wird und die Züge pünktlicher fahren sollen, steht zunächst also eine Phase erheblicher Einschränkungen bevor. Auch die Hohenzollernbahn zwischen Hechingen und Burladingen ist in die Planungen eingebunden. Die Strecke soll elektrifiziert werden, der Strom dafür kommt von Richtung Hechingen, wo die Anbindung an die Zollern-Alb-Bahn erfolgt.
Die Fahrplanabstimmung zwischen den Linien soll bessere Anschlüsse auch aus dem Killertal ermöglichen. Aus und in Richtung Burladingen soll stündlich ein schneller Anschluss an die Regionalexpresszüge von und nach Stuttgart entstehen. Dafür wird der Bahnhof Hechingen umfassend umgebaut und erweitert.
Parallel dazu soll die Zollern-Alb-Bahn auf digitale Stellwerkstechnik und ein modernes Zugsicherungssystem umgestellt werden. Der Bahnhof Hechingen wird zu einem zentralen Knotenpunkt ausgebaut. Wann genau das sein wird, ist noch offen. „Dann hoffen wir mal, die Züge halten noch so lange“, bemerkte Dietmar Foth abschließend mit einem Augenzwinkern.