Jonathan Annel, Geschäftsführer der TSG Balingen, gibt die Richtung vor. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Mit einem jungen Team bestreitet die Regionalliga-Fußballer der TSG Balingen am Samstag die letzte Generalprobe vor der Rückrunde.

Während sich die Mannschaft der Fußball-Regionalligisten TSG Balingen in den letzten Zügen der Wintervorbereitung befindet, richtet sich der Blick bereits auf den Start in die Rückrunde am 21. Februar in Homburg.

 

Kurz vor dem Wiederbeginn der Saison sprachen wir mit Geschäftsführer Jonathan Annel über den bisherigen Verlauf, sportliche Ziele und die langfristige Ausrichtung des Vereins.

Der Rückblick auf die vergangenen Monate fällt für Annel differenziert aus. Nach dem Abstieg aus der Regionalliga in der Saison 2023/24 stand der Verein vor einem großen Umbruch. 18 Spieler verließen den Club, ein neues Team musste nahezu von Grund auf aufgebaut werden.

Ging alles zu schnell?

Unter Trainer Murat Isik entstand eine junge Mannschaft, die in der Oberliga überraschend schnell erfolgreich war und über die Aufstiegsrelegation den direkten Wiederaufstieg schaffte – früher als ursprünglich geplant. Intern hatte man mit einem Aufbauprozess von zwei bis drei Jahren gerechnet. Vor diesem Hintergrund müsse man auch die aktuelle Situation bewerten.

Mit einem Kader, der größtenteils über wenig Regionalliga-Erfahrung verfügt, startete die TSG in die Saison. Diese Unerfahrenheit machte sich in einigen Partien bemerkbar. Zwar zeigte Balingen in vielen Spielen über weite Strecken gute Leistungen und war häufig auf Augenhöhe mit den Gegnern, doch fehlte es oft an der nötigen Effizienz. Der große Aufwand wurde nicht immer belohnt, während die Konkurrenz mit weniger Einsatz häufig die Punkte mitnahm. Gerade in entscheidenden Momenten fehlte es dem jungen Team noch an Routine.

Für die Rückrunde formuliert Annel klare, aber realistische Ziele. Im Mittelpunkt steht weiterhin die Entwicklung der Mannschaft und die konsequente Umsetzung der eigenen Spielidee. Die sportliche Handschrift soll deutlicher erkennbar werden. Gleichzeitig ist der Klassenerhalt das erklärte Ziel. Dabei ist sich der Verein bewusst, dass viele Konkurrenten über deutlich bessere finanzielle und strukturelle Voraussetzungen verfügen. Dennoch ist der sportliche Ehrgeiz groß, sich zu behaupten und eine erfolgreiche zweite Saisonhälfte zu spielen.

Im Kampf um den Ligaverbleib sieht Annel mehrere direkte Konkurrenten. Mannschaften wie Schott Mainz, Berliner SC und Bayern Alzenau sollen möglichst hinter sich gelassen werden. Darüber hinaus gibt es Teams, die zwar aktuell vor Balingen stehen, gegen die aber durchaus gepunktet werden kann. Diese jedoch noch zu überholen, erscheint derzeit schwierig. Dennoch verweist Annel auf die eigene Erfahrung: Auch der direkte Wiederaufstieg wurde dem Verein im Vorfeld kaum zugetraut – und dennoch gelang er.

Langfristig verfolgt die TSG Balingen klare Ziele. Der Verein möchte sich dauerhaft in der Regionalliga etablieren und dort ein fester Bestandteil werden. Dafür werden die infrastrukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen kontinuierlich verbessert.

Alles wird professioneller

In den vergangenen Jahren wurden unter anderem eine medizinische Abteilung in Kooperation mit einem Klinikum aufgebaut, neue VIP-Räumlichkeiten mit der Mahl-Alm geschaffen sowie moderne Trainings- und Analyseformen eingeführt. Dazu zählen ein Trainerbüro mit Analysemöglichkeiten und der Einsatz von Drohnentechnik.

Bodenständig und familiär

Die TSG möchte ihre Rolle als sympathischer, bodenständiger Verein bewahren, gleichzeitig aber sportlich ernst genommen werden. Ein Weg in Richtung Großverein oder Proficlub nach dem Vorbild Sandhausens oder der Stuttgarter Kickers ist dabei nicht angestrebt. Balingen soll ein familiärer Verein bleiben.

Nachwuchs im Fokus

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Nachwuchsarbeit. Der Unterbau mit U23 und Jugendmannschaften wird konsequent weiterentwickelt. Die Jugendarbeit gilt als Fundament des sportlichen Erfolgs. Ziel ist es, regelmäßig Spieler aus der U19 in die U23 zu integrieren und talentierten Akteuren aus der zweiten Mannschaft den Sprung in den Regionalliga-Kader zu ermöglichen. Bereits im kommenden Sommer sollen mehrere Nachwuchsspieler diesen Weg gehen. Für diese Entwicklung wurden bewusst Kaderplätze frei gehalten – ein Schritt, auf den lange hingearbeitet wurde.

Besondere Events

Neben dem sportlichen Bereich laufen zahlreiche Projekte im Hintergrund. Der Verein plant auch in Zukunft besondere Events für die Region. Nach dem erfolgreichen Testspiel gegen Al-Hilal aus der Saudi Pro League im vergangenen Jahr mit rund 3700 Zuschauern soll im Sommer erneut ein spektakuläres Highlight-Spiel organisiert werden, auch wenn Details noch offen sind. Hinzu kommen Turniere und Veranstaltungen wie der MEY-Generalbau-Cup, der Sülzle-Cup, der Sparkassen-Indoor-Cup oder das TSG-Erlebniswochenende. Parallel dazu arbeitet der Verein an Vermarktungskonzepten, Sponsorenkontakten und der Lizenzierung.

Ein wichtiges Thema ist zudem die Nachfolge von Cheftrainer Murat Isik, der den Verein im Sommer verlassen wird. Aus rund 50 Bewerbern und vorgeschlagenen Kandidaten wurden acht ernsthafte Aspiranten ausgewählt, mit denen derzeit Gespräche geführt werden.

Acht heiße Kandidaten für den Trainerjob

Ziel ist es, einen Trainer zu finden, der unabhängig von der Ligazugehörigkeit zur Philosophie des Vereins passt. Eine feste Deadline gibt es nicht, doch im Laufe des Februars soll eine Entscheidung fallen. Die Stimmung im Verein ist dabei positiv, viele Spieler fühlen sich in Balingen wohl und blicken optimistisch in die Zukunft.

Regionales Netzwerk

Von großer Bedeutung bleibt die enge Verbindung zwischen Verein, Fans und Region. Annel betont die Wichtigkeit eines starken regionalen Netzwerks. Zahlreiche Sponsoren aus der Umgebung sind dem Verein auch nach dem Abstieg treu geblieben, wofür die TSG sehr dankbar ist. Der Club lebt von dieser regionalen Verwurzelung. Zwar verfügt Balingen nicht über eine große Fanbasis wie Traditionsvereine, doch das Verhältnis zu den Anhängern ist eng. Besonders stolz ist man auf eine Gruppe von rund 40 Fans, die die Mannschaft regelmäßig zu Auswärtsspielen begleitet.

Eine klare Botschaft an die Fans

Zum Abschluss richtet Annel eine klare Botschaft an die Anhänger: Dank für die bisherige Unterstützung und die Bitte, auch in der Rückrunde weiter zusammenzuhalten. Mannschaft und Verein werden alles daransetzen, die sportliche Situation zu verbessern. Jeder, der ins Stadion kommt, soll spüren, dass hier mit Leidenschaft und Einsatz für den Klassenerhalt gekämpft wird – und den Besuch nicht bereuen.

Mit Geduld und Spucke

Mit Realismus, Geduld und regionaler Verbundenheit geht die TSG Balingen in die zweite Saisonhälfte. Der Weg ist anspruchsvoll, doch der Verein ist überzeugt, mit seiner Philosophie und dem eingeschlagenen Kurs langfristig bestehen zu können.

Der letzte Härtetest

Das letzte Testspiel der TSG Balingen in der Wintervorbereitung findet am Samstag (12 Uhr) in Empfingen gegen den Bayern-Viertligisten FV Illertissen statt.

Die Niederlage

Am Mittwoch unterlag die TSG beim Verbandsligisten Young Boys Reutlingen mit 1:2. In einem intensiven, temporeichen Duell hatten beide Teams zahlreiche Chancen, doch nach der Pause tat sich die TSG sichtbar schwerer. „Das Ergebnis war zweitrangig, insgesamt war ich aber nicht zufrieden. Es war unser schlechtestes Testspiel. Gegen Illertissen werden wir nicht mehr durchmischen“, sagt Cheftrainer Murat Isik. Zuvor hatte Balingen bereits starke Testspiele abgeliefert: SSV Reutlingen (3:0), TSG Tübingen (5:0), Pforzheim (3:1), Normannia Gmünd (2:2) und Backnang (5:3).