Trotz erschwerter Anreise siegt die TSG Balingen am 33. Spieltag der Fußball-Regionalliga beim TSV Schott Mainz mit 3:2.
Die Regionalliga Südwest befindet sich auf den letzten Metern ihrer Schlussetappe. Und auf diesen hatten die Fußballer der TSG Balingen zuletzt den ein oder anderen Stau zu überwinden, im buchstäblichen Sinne: Vor zwei Wochen waren die Schwaben, deren Abstieg in die Oberliga BaWü bereits feststeht, mit der Bahn zum Auswärtsspiel beim KSV Hessen Kassel angereist, das erste Mal überhaupt auf der Schiene. Doch dann klemmte eine Waggontür, die Fahrgäste mussten den Zug tauschen und so kamen die Balinger zwar mit rund halbstündiger Verspätung, aber gerade noch rechtzeitig zum Anpfiff an. In Kassel sprintete die Mannschaft von Trainer Murat Isik zunächst zu zwei Führungen, spielte am Ende allerdings nur 2:2.
Am Samstag reisten die Balinger nun wieder mit dem Mannschaftsbus zu ihrem vorerst Auswärtsspiel in der 4. Liga. Und wieder klemmte es auf der Strecke: mehrere Staus, ein zähes Stop-and-go und die gesetzlich vorgeschriebene 20-minütige Pause des Busfahrers machten die Anreise zu einer Geduldsprobe. Erst um 14.10 Uhr traf die Isik-Truppe im Otto-Schott-Sportzentrum des TSV Schott Mainz ein. Um 14 Uhr hätte die Partie des vorletzten Regionalliga-Spieltags eigentlich angepfiffen worden sollen. Also, schnell umziehen, kurzes Warm-up – und schließlich ertönte der Anpfiff eine Stunde später als geplant.
Beeindruckend dann jedoch, wie gut die Württemberger die zähe Anreise zunächst wegsteckten. Gerade im ersten Durchgang zeigte sich die personal geschwächte Isik-Elf in bester Spiellaune und dominierte den TSV Schott im Duell der designierten Absteiger. Gleichwohl geriet die TSG abermals früh in Rückstand (Jacob Roden, 8. Minute). Doch auch diesen verdauten die Balinger mühelos und drehten das Verfolgerduell noch vor der Pause: Erst traf Amney Moutassime (wird Verein verlassen, Ziel unbekannt) zum 1:1 (11.), dann staubte Tim Hannak zur 2:1-Führung (29.) ab. Nach dem Seitenwechsel nahmen dann die Mainz-Mombacher Fahrt auf, kamen zum verdienten Ausgleich (Jan Just, 69.), ehe erneut Hannak kurz vor Schluss der 3:2-Siegtreffer gelang. Dieser, in der 89. Minute gefallen, war am Ende nicht unverdient, aber ob des späten Zeitpunktes schon etwas glücklich.
Auch, weil der Tabellen-16. aus Mainz im zweiten Durchgang das bessere Team stellte und das Balinger Siegtor reichlich kurios zustande kam. Hannak, der die TSG in Richtung seines Heimatvereins FC Esslingen (Oberliga BaWü) verlassen wird, stellte sich im Rückraum des „Sechzehners“ einer etwas verunglückten Ecke entgegen. Der Ball prallte wuchtig auf dem Kunstrasen auf, Hannak schob irgendwie den Kopf dagegen – halb zum Schutze, halb mit Absicht. Und sein Ping-Pong-Kopfball entwickelte sich zur Bogenlampe, die den Mainzer Keeper überflügelte.
Potye bewahrt TSG vor Rückstand
„Es war wichtig, dass wir nochmal gewonnen haben“, sagte derweil TSG-Torwart Louis Potye, der die Schwaben in der zweiten Hälfte mit guten Paraden vor einem Rückstand bewahrte. „Ich denke, dass wir uns den Sieg schon verdient haben“, so der 23-Jährige. „Wir haben gerade in der ersten Halbzeit ein echt gutes Spiel hingelegt, haben uns vom frühen Gegentor nicht beirren lassen, weiter unser Spiel gespielt, gute Spielzüge gezeigt und viel Kontrolle ausgeübt“, sagte Potye, der mit dem Kreisstadtklub in die Oberliga gehen wird. „In der zweiten Halbzeit mussten wir das Ergebnis dann über den Kampf absichern.“
Für das Team um Murat Isik, der die TSG in Richtung SSV Ulm 1846 (wird Sportchef) verlassen und von Michael Schilling (noch FC Rielasingen-Arlen) ersetzt wird, war es erst der zweite „Dreier“ in diesem Jahr, der erste nach zuvor zehn sieglosen Spielen in Serie. „Entsprechend gut gelaunt waren wir auf der Rückfahrt“, berichtete Potye. Die Busfahrt gen Balingen war auch so etwas wie eine Abschiedstour. Schließlich werden mindestens zehn Spieler den Verein verlassen.
Letztes Spiel gegen Walldorf
Noch ein letztes Mal werden die Württemberger in der aktuellen Konstellation auftreten. Diesen Samstag (14 Uhr) erwartet der designierte Absteiger mit dem FC Astoria Walldorf den Tabellenzwölften. Die TSG, derzeit Regionalliga-17., kann dann den punktgleichen TSV Schott (in Trier) überholen, aber auch noch von Schlusslicht Bahlinger SC (in Steinbach) abgefangen werden. „Wir wollen die Saison noch so gut wie möglich abschließen“, sagte Potye. Das wäre Platz 16. Immerhin: In Mainz hat die TSG schon mal Fahrt aufgenommen. Und ein Stau ist auf dem Weg zur Balinger Bizerba-Arena nun kaum zu erwarten.