Louis Potye darf sich berechtigte Hoffnungen machen, in der kommenden Saison in der Oberliga die neue Nummer eins bei der TSG Balingen zu werden. Foto: IMAGO/Pressefoto Baumann

Am Samstag um 14 Uhr trifft die TSG Balingen auf den Bahlinger SC. Abgestiegen sind schon beide. Bei den Eyachstädtern schreitet der Umbruch voran. Er fällt groß aus.

Im Grunde ist die Saison für die TSG Balingen gelaufen. Abgestiegen sind die Schwaben schon. Und so geht es für die noch von Murat Isik (wird Sportdirektor in Ulm) trainierten Amateurfußballer in ihren vorerst letzten drei Regionalliga-Spielen nur noch darum, wo sie am Ende einlaufen werden: zwischen dem viertletzten und dem letzten Tabellenplatz. Zwischen Bayern Alzenau (26 Punkte) auf Rang 16 und Schlusslicht Bahlinger SC (18) passen nur acht Zähler. Die TSG weist derer 22 auf und Schott Mainz, die die Balinger zuletzt erstmals auf Platz 17 verdrängt haben, ebenso. Am Samstag (14 Uhr) kommt es in der Bizerba-Arena zum Duell des Tabellenletzten aus Bahlingen und der TSG, die nun Vorletzte ist. Keines der vier Teams kann den Klassenerhalt noch schaffen.

 

Ein entspanntes Auslaufen werde es auf der Ziellinie der Saison aber nicht geben, versichert Louis Potye. „Jeder Spieler muss sich beweisen, egal wohin sein Weg führt. Jeder muss auch für den Verein alles geben“, sagt der TSG-Keeper. „Mit dieser Einstellung sind wir schon in die vergangenen Spiele gegangen.“ Und daran werde sich auch in den offenen Partien gegen den BSC, bei Schott Mainz und gegen Walldorf nichts ändern.

Beim 2:2 vor Wochenfrist bei Hessen Kassel stand Potye im Tor wie eine Mauer – und damit nicht nur einmal im Zentrum des Geschehens. Immer wieder bissen sich die Kasseler „Löwen“ am überragenden Balinger Schlussmann die Zähne aus. Potye – der „Löwenbändiger“. Auch für ihn sei das Spiel der Höhepunkt seiner jungen Aktivenkarriere gewesen, erklärt der 23-Jährige. „An diesem Tag hat alles gepasst.“

Dass Potye überhaupt von Beginn an im Tor stand, war derweil keineswegs selbstverständlich. Als Ersatzkeeper war er 2024 vom SSV Reutlingen nach Balingen gewechselt, damals hinter Dennis Klose. Nachdem sich Klose zu Beginn der laufenden Saison allerdings den ein oder anderen Ausrutscher geleistet hatte, bekam Potye seine Chance. 

“Kampf um den Stammplatz hat uns gepusht“

Seine Leistungen: teils überragend, aber auch bei ihm schlichen sich Fehler ein. Und so kam es, dass die Verantwortlichen nochmals nachbesserten und Elvin Kovac (14 Spiele, 36 Gegentore) verpflichteten. „Der Kampf um den Stammplatz nahm zu, aber das hat uns alle gepusht“, blickt Potye (14/29) zurück. „Trotzdem hatten wir immer eine gute Zeit zusammen.“ Aus einem Dreikampf wurde schließlich dennoch ein Zweikampf: Klose wurde ausgebootet, wechselte zum BSC, wird also am Samstag eine kurze Rückkehr feiern. Und Kovac wurde zwischenzeitlich die gefühlte Nummer 1. Doch auch der Ex-Pforzheimer reihte sich ein in jenes schon zum Muster gewordene Fehlerfestival der Balinger Hintermannschaft. Und wann immer sich der eine Torhüter einen Fauxpas leistete, durfte fortan sein Konkurrent von Beginn an ran. 

Zuletzt traf es Kovac. Bei Kickers Offenbach (0:5) vertändelte er vor drei Wochen das Leder, seither steht wieder Potye im Kasten. Und er dankte es mit guten Leistungen – oder sogar mit glanzvollen wie im Kasseler Auestadion. „Ich habe, egal, in welcher Situation, immer weiter Gas gegeben und es hat sich ausgezahlt“, sagt Potye, der derzeit eine Ausbildung zum Automatisierungstechniker macht. „Jetzt gilt es, genau so weiterzumachen.“

Zur neuen Saison, die die TSG mit dem neuen Chef- Michael Schilling (noch Rielasingen-Arlen) und wohl auch neuem Co-Trainer (Daniel Güney geht, die Zukunft von Fabian Fecker ist noch ungeklärt) in der Oberliga bestreiten wird, darf sich Potye berechtigte Hoffnungen darauf machen, die echte Nummer 1 zu werden.

Kovac muss wohl gehen

Wie bekannt wurde, werden die Württemberger nicht mit Kovac verlängern. Potye aber hat seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert. Er scheint das Torwart-Karussell also vorerst gewonnen zu haben. Als zweiter Torwart ist der 18-jährige Tom Gerlach eingeplant, er kommt aus der U19 der Stuttgarter Kickers.

Zehn Abgänge stehen fest

Der Kovac-Abgang nun ist Teil eines Balinger Umbruchs, der doch größer ausfallen wird als zunächst gedacht. So müssen oder werden neben Kovac auch Amnay Moutassime (mit sieben Treffern bester Torschütze), Halim Eroglu (6), Ole Deininger, Kike, Pedro Morais, Görkem Koca, Luca Battista, Tim Hannak und David Girmann (Leihe aus Freiberg) den Verein mit unbekannten Zielen verlassen. Das sind satte zehn Abgänge, elf könnten es noch werden, weil die Zukunft von Marko Pilic noch offen ist. Im Grunde kehrt damit die gesamte Offensivachse dem Eyach-Klub den Rücken. Und nicht nur das: Von den sechs Neuzugängen dieser Saison (Battista, Girmann, Koca, Kovac, Hannak, Fionouke, der nur fünf Monate blieb) bleibt der TSG nur einer treu (Brändle).

Abgänge, die die Schwaben mit bewährten Kräften und in Sachen Transfers vornehmlich mit jungen, entsprechend unerfahrenen Zugängen auffangen möchten, sechs davon kommen aus der eigenen U23. 

Der Noch-Villinger Christian Derflinger – als einziger Neuzugang mit Erfahrung im höherklassigen Fußball – soll der „neuen Balinger Jugendlichkeit“ die nötige Routine entgegenstellen.

Trotz großem Umbruch ist der Grundstein gelegt

Derlei Umbrüche sind nach einem Abstieg nicht ungewöhnlich, die TSG hatte einen solchen schon nach dem Regionalliga-Abstieg von 2024 durchlebt und teils auch forciert. Damals ging nahezu der gesamte Kader von dannen. Und während die Verantwortlichen es bewusst meiden, vom direkten Wieder-Wieder-Aufstieg zu sprechen, sieht Potye den designierten Wieder-Absteiger durchaus gut aufgestellt, um kommende Runde im Oberliga-Titelkampf mitzumischen.

„Ich denke, dass wir schon Ambitionen dazu haben“, sagt er. „Ein großer Teil der Mannschaft bleibt zusammen, somit ist ein Grundstein schon mal gelegt.“ Potye würde dann gerne wieder zwischen den Pfosten stehen. Diesmal als Stammkeeper, versteht sich.