Beliebt sind sie nicht wirklich, teilweise nicht einmal bei den eigenen Fans. Doch sportlich und finanziell mischen die Bundesliga-Reserven oft die Ligen auf. So ist es auch in der Regionalliga Südwest. Die Villinger Kontrahenten Kickers Offenbach und FSV Frankfurt ärgern sich.
REGIONALLIGA: „Alles andere als der Hoffenheimer Aufstieg wäre für mich eine Überraschung. Die TSG ist definitiv die beste Mannschaft, die ich dieses Jahr in der Regionalliga gesehen habe. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie über 30 Spieler eingesetzt haben und überhaupt kein Bruch oder Qualitätsverlust in ihrem Spiel zu erkennen ist“, sagte vor wenigen Tagen Matthias Born in einem Kicker-Interview.
Nicht nur der Coach des Regionalliga-Tabellenzwölften FC Astoria Walldorf ist also fest davon überzeugt, dass die U23 der Hoffenheimer, die zur Winterpause das Tableau mit sechs Punkten Vorsprung auf Kickers Offenbach anführt, in der Saison 2025/26 in der Dritten Liga spielen wird. Dabei verfolgten bisher ganze 1985 Zuschauer die neun Heimspiele des Spitzenreiters im schmucken Dietmar Hopp-Stadion. 221 Fans ergibt dies im Schnitt.
Mehr Unterstützung „wäre wünschenswert. Wir spielen ja einen echt guten Fußball“, hoffte TSG-Teammanager vor dem Spiel gegen die Nullachter, die Hoffenheimer gewannen Mitte November gegen das Schlusslicht mit 3:1, dass sich die fußballerische hohe Qualität der Youngster auch am Kassenhäuschen bezahlt macht.
Mit dem SC Freiburg II (6.), dem FSV Mainz II (11.), dem ersten Gegner des FC 08 Villingen am 22. Februar (14 Uhr), und Eintracht Frankfurt II (16.) spielen weitere Reserveteams von Bundesliga-Teams in der Regionalliga Südwest mit.
Bundesliga-Spieler
Alle Zweitvertretungen haben vor allem die Entwicklung ihrer großen Talente im Blick, doch auch immer wieder werden Spieler des Bundesliga-Kaders eingesetzt. Profis sollen sich über die Reserve wieder für höhere Aufgaben empfehlen. Klar, dass dies regelmäßig für Kritik sorgt.
„Zweite Mannschaften in der Regionalliga. Ist das Wettbewerb oder kann das weg?“ Unter dem Titel nahm nun auch hessenschau.de die Rolle der Bundesliga-Reserven in der Regionalliga Südwest zum Jahreswechsel unter die Lupe.
Kickers und DFB
„Es gibt dort (bei den Bundesliga-Reserven, Anm. d. Red.) Spieler, die teilweise mit der ersten Mannschaft trainieren. Generell sind die finanziellen Möglichkeiten ganz anders. Wenn du gegen sie spielst, weißt du nie, was du bekommst“, lässt sich Christian Hock, Geschäftsführer der Offenbacher Kickers, auf hessenschau.de zitieren. Zudem würden die zweiten Mannschaften kaum Zuschauer zu ihren Auswärtsspielen mitbringen. Dies würde sich bei den eigenen Einnahmen bemerkbar machen.
Diese Kritik kennen natürlich auch die Regionalliga-Verantwortlichen. Maximilian Ziegler-Freisinger, der Geschäftsführer der RLSW Regionalliga Südwest GmbH, verwies gegenüber unserer Redaktion mehrfach auf die bestehenden Regeln.
Maximal sieben Bundesliga-Reserven dürfen eben in einer Regionalliga-Staffel spielen. Pro Partie dürfen außerdem drei Ü23-Spieler oberhalb dieser Altersgrenze eingesetzt werden.
Eine eigene Liga?
Immer wieder bringen Nicht-Bundesliga-Vertreter eine eigene Liga für die Talentschuppen der Bundesliga-Clubs ins Spiel. Auf die hr-Anfrage hätte der DFB einer eigenen Liga für U21- oder U23-Mannschaften eine klare Absage erteilt. Es sei „unumstrittene Expertenmeinung“, dass der Wettkampf gegen Ältere für Spieler im Übergangsbereich unerlässlich sei. Eine eigene U23-Liga für Profiteams sei deshalb „aus sportlicher Sicht kontraproduktiv“.
Der Konter der Nicht-Bundesliga-Clubs kommt im gleichen Artikel von Michael Görner, dem Präsidenten des Überraschungstabellendritten FSV Frankfurt. „Wenn Bundesligateams wollen, dass ihre Zweitmannschaft aufsteigt, dann können sie das mit hoher Sicherheit auch bewerkstelligen.“
Das perfekte Sprungbrett für Talente von Bundesligisten, mögliche Wettbewerbsverzerrung, finanzielle Möglichkeiten, fehlende Fans – die Rolle der Reserveteams wird auch in Zukunft weiter für Diskussionen sorgen.
Ein Torhüter bleibt
Unterdessen hat Südwest-Regionalligist TSV Steinbach Haiger den Vertrag mit seinem Torhüter Mike Dreier verlängert. Dreier spielt seit September 2024 für den TSV Steinbach Haiger.