Aufgrund der eisigen Bedingungen ist die TSG Balingen für ihre erste Trainingseinheit nach Derendingen ausgewichen. Im Hintergrund laufen Personalgespräche.
Schnee und Eis sind zurück auf der Schwäbischen Alb. Die Verantwortlichen der TSG Balingen aber haben vorgesorgt – und das erste Training der Wintervorbereitung nach Derendingen verlegt. Auf dem dortigen Kunstrasen also hat Trainer Murat Isik seine Regionalliga-Fußballer am Montagabend zur Auftakteinheit empfangen. Und dort soll auch die zweite Einheit am Dienstag stattfinden, ehe die Rückkehr in heimische Gefilde für Donnerstag geplant ist, wie Jonathan Annel berichtete. Man sei den Verantwortlichen des TV Derendingen dankbar dafür, auf deren Flächen auszuweichen zu dürfen, erklärte der Balinger Manager.
Isiks Abschied kommt für TSG-Führung überraschend
Für Geschäftsführer Annel und Eugen Straubinger, den Vorsitzenden des Balinger Fußballvereins, hat das neue Jahr alles andere als entspannt begonnen. Denn während sich die TSG-Entscheider vom abermaligen Wintereinbruch nicht überraschen ließen, kam eine andere Angelegenheit durchaus überraschend: der nahende Abschied von Murat Isik. Der Nürtinger, der die TSG vor zwei Jahren übernahm, wird seinen Vertrag in Balingen zum Saisonende auslaufen lassen. Die Vereinsführung hätte Isik gerne gehalten und hatten ihm in der Vergangenheit auch einen Zwei-Jahres-Vertrag angeboten. Der 49-Jährige wollte jedoch erst mal nur bis zum Saisonende verlängern und wird nun auch nicht darüber hinausgehen. Das, und die sportlich schwierige Lage, in der es für den Regionalliga-16. eher nach Abstieg denn nach Klassenerhalt aussieht, machen die Planungen für Annel und Straubinger kompliziert. So ist es kein Geheimnis, dass nach dem Regionalliga-Abstieg 2023/2024 und dem massiven personellen Umbruch, der sich anschloss, sich nicht wenige, damals noch neue Spieler auch deswegen für die TSG entschieden hatten, weil dort Isik trainiert. Ihren Verbleib dürften die Balinger Fußballer daher teilweise auch davon abhängig machen, wer auf Isik folgt.
Kein Druck bei der Suche nach einem neuen Trainer
Doch genau in dieser Frage wollen sich Annel und Kollegen keinen Druck machen – und auch nicht machen lassen, wie der TSG-Manager erklärt. „Wir wissen um die enge Verzahnung der Mannschaft mit unserem Trainer“, sagt Annel. Schnellschüsse in der Trainerfrage, die sowohl externe wie interne Kandidaten berücksichtige, seien dennoch unangebracht. Man werde sich zwei, drei Monate für die Trainersuche Zeit lassen und parallel mit den Co-Trainern sowie mit jenen Spielern das Gespräch suchen, deren Vertrag im Sommer ausläuft. Und das ist der Großteil des Kaders. In einer ersten Runde wollen die Funktionäre bis Ende Januar von ihren Spielern zunächst eine generelle Einschätzung zu ihrer Zukunft einholen, Bedingungen und Bedarfe erfragen und erste Tendenzen in Erfahrung bringen, ob eine Vertragsverlängerung überhaupt eine Option darstellt. Klar sei aber, so Annel, dass die Ligazugehörigkeit dabei keine Rolle spielen dürfe. „Wir wollen Spieler, die sich für unser Projekt entscheiden und nicht für eine Spielklasse.“
Großer Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze
Für die TSG Balingen ist der Rückstand auf die vermutlichen Nicht-Abstiegsplätze mit nun schon zehn Punkten derart groß geworden, dass der Amateurclub wohl nur noch zu retten ist, wenn der akut abstiegsbedrohte SSV Ulm sich wider Erwarten in der 3. Liga halten kann. Dann nämlich würde der Isik-Elf auch Platz 15 zum Viertliga-Verbleib reichen. Und den besetzt derzeit der punktgleiche FC Bayern Alzenau. Zwar räumte Isik medial selbst ein, dass die Chancen des Wiederaufsteigers auf ein weiteres Regionalliga-Jahr „eher gering“ seien. Dennoch werde er alles dafür tun, den Verein mit dem bestmöglichen Ergebnis zu verlassen. Annel und Co. haben den Klassenerhalt ebenfalls noch nicht abgehakt. Auch sind die Balinger Funktionäre überzeugt davon, dass Isik weiterhin der richtige Mann ist.
Keine „Lame Duck“ Situation
In der Politik spricht man von einer „Lame Duck“, wenn das Ende der Amtszeit eines Politikers naht, dieser aber noch in entscheidender Position verbleibt. In politischen Gefilden führt dies zuweilen zu einem Autoritätsverlust und auch zu einem Entscheidungsvakuum, das Prozesse lähmen und Fortschritt verhindern kann. Isik selbst ist überzeugt davon, dass Mannschaft und Kabine gefestigt genug wären, um nun nicht einzubrechen. Auch die Balinger Spitze sieht das so. „Wir wollen das kommende halbe Jahr nun so positiv wie möglich gestalten“, sagt Annel. Der Auftakt ist am Montag erfolgt.