Unruhe durch eine (nicht abgesprochene) Initiative des Nordostens: Aus fünf Regionalligen mach’ vier, alle Meister sollen dafür direkt aufsteigen. Nicht nur beim FC 08 Villingen sorgt diese Idee für Diskussionen.
Die Fußball-Vereine aus der Regionalliga Nordost haben erneut eine Reform der Aufstiegsregelung in die 3. Liga gefordert. Verantwortliche des Halleschen FC, des FSV Zwickau, des Chemnitzer FC, von Carl Zeiss Jena sowie von Rot-Weiß Erfurt vertraten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Chemnitz die Interessen von insgesamt 17 Clubs aus dem Nordosten und präsentierten Lösungsvorschläge unter dem Motto „Aufstiegsreform 2025".
Die Forderung
„Meister müssen aufsteigen – alles andere widerspricht dem Fairplay-Gedanken", wird Jena-Präsident Ralph Grillitsch in einer Mitteilung zitiert. Die Vereine würden sich in dem Prozess konstruktiv einbringen wollen: „Die Aufstiegsreform muss auf die Agenda des DFB-Bundestages 2025. Dort muss endlich eine gerechte und mehrheitsfähige Lösung geschaffen werden."
Im Mittelpunkt der drei Vorschläge der Initiative steht eine Reduzierung der derzeit fünf Regionalligen (Nord, Nordost, West, Südwest, Bayern) auf vier Staffeln (Nord, Ost, Süd, West), die auf jeweils 20 Teams aufgestockt werden sollen. Jeder Staffelmeister würde demnach direkt aufsteigen.
Play-offs, 22 Teams, U23-Teams
Ein weiterer Ansatz der Vereine sind Meister-Play-offs „mit gerechter finanzieller Verteilung" bei denen die fünf Regionalliga-Meister in einem „Jeder gegen jeden"-Format um den Aufstieg spielen und die vier besten Clubs aufsteigen. Einnahmen aus der TV-Vermarktung sollen unter den Play-off-Teilnehmern gleichmäßig aufgeteilt werden.
Der dritte Vorschlag sieht sowohl eine Aufstockung der 3. Liga von derzeit 20 auf 22 Teams sowie eine viergleisige Regionalliga vor, in der jeder Meister aufsteigt. Zudem sollen die zweiten Mannschaften aus beiden Spielklassen in einer eigenen U23-Liga zusammengefasst werden.
Die Ost-Interessen
In einer gemeinsamen Mitteilung forderten die Vereine, dass sich der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) um Präsident Hermann Winkler „endlich konsequent" für die Interessen der Clubs aus dem Osten mit Blick auf eine Neuregelung des Aufstiegs einsetze.
Aus Sicht der Clubs sei in der Vergangenheit bei diesem Thema zu wenig passiert. Die Vereine hätten sich für einen Gang an die Öffentlichkeit entschieden, um rechtzeitig vor dem DFB-Bundestag im September mit anderen Regional- und Landesverbänden zu einer Einigung in der Frage einer Aufstiegsreform zu kommen.
Die aktuelle Lage
Derzeit steigen nur die Meister der Regionalligen West und Südwest jedes Jahr direkt auf. Die beiden übrigen Plätze verteilen sich auf die Staffeln Nord, Nordost und Bayern. Nach einem jährlich rotierenden System steigt ein Vertreter dieser drei Ligen ebenfalls direkt auf, der letzte Platz wird unter den verbliebenen Staffeln ausgespielt.
FC 08 Villingen
08-Trainer Adam Adamos meint dazu: „Wenn die Ligen größer werden, dann werden auf die Teams längere Fahrten, mehr Übernachtungen sowie mehr Spiele und dadurch wohl größere Kader zukommen. Dies würde insgesamt die Kosten erhöhen“, könnte so die Schere zwischen den finanzstarken Vereinen und den Noch-nicht-Proficlubs noch weiter aufgehen.
Marcel Yahyaijan, der Villinger Geschäftsführer, sagt: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man als Meister auch ein Aufstiegsrecht haben sollte. Wenn man jetzt aber auf vier Regionalligen gehen würde, hätte das eine komplizierte Auswirkung auf die Einteilung der Regionalligen und auch auf die unteren Ligen, wie die Oberliga. Ich denke, dass es die einfachste Lösung wäre, die Anzahl der Absteiger in der 3. Liga zu erhöhen. Anstatt vier auf fünf. Somit könnte jeder Meister aufsteigen.“
Der Südwesten
Auf unsere Nachfrage teilt Adam Salman, Manager Marketing & Kommunikation der RLSW Regionalliga Südwest GmbH, dazu mit: „Von der Initiative der Regionalliga-Nordost-Vereine haben wir bislang ausschließlich aus der öffentlichen Berichterstattung erfahren. Eine direkte Kontaktaufnahme mit der Regionalliga Südwest hat es diesbezüglich nicht gegeben. Uns liegt zum aktuellen Zeitpunkt daher auch kein detaillierter Vorschlag vor, zu dem wir Stellung nehmen könnten. Weitere Entwicklungen werden wir aber aufmerksam begleiten und mit Blick auf die Auswirkungen für unsere Vereine einordnen.“
Bayern und Norden
Auf kicker-Nachfrage vermeldete der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV), „dass es zurzeit keine Notwendigkeit“ gebe , „sich erneut mit diesem Thema zu beschäftigen“. Etwas differenzierter, so der kicker weiter, beurteile der Bayerische Fußball-Verband (BFV) den Vorstoß des Nordens. Der BFV würde aber klarstellen, dass auch seine Position unverändert bleibe. Man sei „stets gesprächsbereit“ gewesen und habe in der Vergangenheit bereits bei diversen Treffen mit am Tisch gesessen.