Noah Weißhaupt war einer von fünf Spielern des Profikaders des SC Freiburg beim 2:1 gegen den SGV Freiberg. Foto: Eibner/Thomas Hess

Fünf Spieler des Profikaders des SC Freiburg waren beim 2:1 gegen den SGV Freiberg dabei. Ist dies gerecht? Profi-U-Mannschaften sollten eigene Staffeln bilden, meint Sportredakteur Gunter Wiedemann.

17. Mai 2025, der 34. und letzte Spieltag der Regionalliga-Saison 2024/25 ist Geschichte. Der Frust in Freiberg ist kurz nach 16 Uhr groß, der Sport- und Gesangsverein hat um zwei Punkte die Regionalliga-Meisterschaft und damit den Sprung in die Dritte Liga verpasst.

 

Unwahrscheinlich, aber möglich. Sollte es aber so kommen, dann werden sich nicht nur viele Freiberger an den fünften Spieltag erinnern.

Abhaken?

Beim SC Freiburg II, der U23 der Breisgauer, hieß es da am Sonntag 1:2. Drei wichtige Punkte – vielleicht am Ende entscheidende – waren weg. Abhaken und nach vorne schauen? Nein, denn beim Sportclub waren mit Kenneth Schmidt, Jordy Makengo, Nicolas Höfler, Eren Dinkci und Noah Weißhaupt gleich fünf Spieler aus dem Bundesligakader dabei.

Gut möglich, dass in Homburg, dort spielt die Freiburger U23 am Freitagabend, weniger oder gar keine SC-Profi-Kaderspieler auflaufen. Dies ist laut Regionalliga-Spielordnung natürlich absolut legitim, deshalb keine Wettbewerbsverzerrung! Ist dies aber auch gerecht?

Spielpraxis

Nein! Natürlich ist die Regionalliga für Bundesligisten der perfekte „Spielplatz“, um die eigenen Talente, oft gerade von den U19-Teams gekommen, an den vor allem körperlich viel härteren Männerfußball heranzuführen. Auch zuvor verletzte Profis oder Spieler, die in ersten Mannschaften kaum Einsatzzeiten bekommen, erhalten in der vierten Liga gerne Spielpraxis.

„Ungleiche Waffen“

Dies ist gut für die Bundesligisten, schlecht für die restlichen Regionalliga-Clubs. Vor allem finanziell und infrastrukturell können die „normalen“ Viertligisten nicht mit dem SC Freiburg II, Eintracht Frankfurt II (am Samstag Gegner des FC 08 Villingen) oder dem 1. FSV Mainz 05 II mithalten.

Am Samstag kommt Eintracht Frankfurt II in die MS Technologie-Arena. Foto: Marc Eich

Dies gilt selbst für sehr professionell organisierte Teams wie die Stuttgarter Kickers – ausgerechnet der VfB Stuttgart II feierte in der vergangenen Runde vor den Blauen die Meisterschaft – oder Kickers Offenbach.

Im Norden schaffte mit Hannover 96 II eine weitere Reserve den Sprung in die Drittklassigkeit. Kein Wunder, dass Regionalliga-Bosse schon von der „Ungleichheit der Waffen“ sprachen.

Die Dominanz

Auch vor der aktuellen Saison hatten die meisten Südwest-Trainer die U-Mannschaften der Bundesligisten auf ihrer Meisterrechnung – allen voran wurde Drittliga-Absteiger SC Freiburg II genannt. Es wird also für die Kickers, die Offenbacher, die Homburger und Co., wohl schwer, die Dominanz der Reserveteams zu beenden.

Die Coaches der anderen Viertligisten wissen nie, welche – oder eben ob überhaupt – Kicker des Profikaders auf dem Spielberichtsbogen auftauchen. Chancengleichheit sieht anders aus. Natürlich geht es den Teams, die – wie der FC 08 Villingen – um den Klassenerhalt kämpfen, genauso.

Die Lösung

Die Lösung wäre eigentlich einfach. Die U-Mannschaften der Bundesligisten bilden mittelfristig eigene Staffeln. Auch dort könnten Talente den nächsten Schritt machen, auch dort könnten zuvor verletzte Profis und Co. die gewollte Spielpraxis sammeln. In Sachen Wettbewerbshärte müsste der DFB für die U-Teams für neue Anreize sorgen. Nur „um die goldene Ananas“ zu spielen, bringt für die Entwicklung der Youngster wenig.

Dies würde auch die meisten Schatzmeister der Dritt- und Viertligisten freuen. Spiele mit Zweitvertretungen, bei der TSG Hoffenheim II waren jüngst keine 250 Fans dabei, sind selten echte Gassenhauer.