Rainer Lorz ist bereit, sich stärker für die Belange der Regionalligisten einzusetzen. Der Chef der Stuttgarter Kickers kandidiert für den Aufsichtsrat, dem Matthias Schöck vorsteht.
Bei der Mitgliederversammlung hatte es Rainer Lorz angekündigt: Der 62-Jährige möchte sich als Präsident der Stuttgarter Kickers auch stärker für die Belange aller Fußball-Regionalligisten einsetzen. Damit die Stimme des Chefs der Blauen (seit 2010 im Amt) auch formal mehr Gewicht bekommt, plant er eine Kandidatur für den Aufsichtsrat der RLSW Regionalliga Südwest GmbH.
Schöck Aufsichtsratschef
Dieser ist noch bis zum Saisonende gewählt und setzt sich aus insgesamt fünf Mitgliedern zusammen, darunter sind drei Verbandsmitglieder und zwei Vertreter der Vereine. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Matthias Schöck (Präsident des Württembergischen Fußballverbands), ihm stehen Silke Sinning (Hessischer Fußballverband) und Hans-Jörg Hoch (Südwestdeutscher Fußballverband) zur Seite, von Vereinsseite Patrick Spengler (FSV Frankfurt) und Rafael Kowollik (FC 08 Homburg), der die Regionalliga Südwest auch in der 13-köpfigen Arbeitsgruppe Regionalliga-Reform vertritt.
Rainer Lorz würde bei einer erfolgreichen Wahl einen der beiden Plätze der Vereinsvertreter einnehmen, wahrscheinlich den von Spengler. Gewählt wird im Drei-Jahres-Turnus – das nächste Mal am 14. Januar 2026 bei der Ligaversammlung in Karlsruhe. WFV-Chef Schöck wird nach Informationen unserer Redaktion für eine weitere Amtsperiode als Aufsichtsrats-Vorsitzender zur Verfügung stehen – trotz seiner Wahl zum DFB-Vizepräsidenten auf dem Bundestag im vergangenen November.
Die Aufgaben des Regionalliga-Aufsichtsrats sind vielschichtig. Ein gewichtiges Wort mitzureden hat das Gremium, wenn es um die Weiterentwicklung der Liga geht, um Themen wie Vermarktung und Finanzierung. So werden etwa alle Arbeitsverträge der hauptamtlichen Mitarbeiter vom Aufsichtsrat abgesegnet.
Schere immer weiter auseinander
Lorz hatte zuletzt bei der Mitgliederversammlung der Blauen auch Kritik an strukturellen Problemen im deutschen Fußball geäußert, insbesondere an Zweitmannschaften und der Umverteilung von TV-Geldern. „ Die Schere zwischen Profi- und Amateurfußball geht immer weiter auf. Zweitmannschaften haben enorme Vorteile: bessere Trainingsbedingungen, Reha, Scouting, Kaderqualität. Das verzerrt den Wettbewerb in den Regionalligen massiv.“
Der Kickers-Präsident weiter: „Wenn ein Fan künftig sieben verschiedene Streaming-Abos braucht, um Fußball zu sehen, zeigt das, wie weit sich der Profifußball von seiner Basis entfernt hat. Vielleicht kommt irgendwann der Moment, an dem die Menschen wieder bewusst zu ,ihrem’ Verein zurückkehren. Zu einem echten Stadion, zu echter Nähe.“