285 Meter hoch, ein Hektar Flächenverbrauch: Über Windräder in Süddeutschland kursieren viele Gerüchte. Daniel Wagner von den Teckwerken Bürgerenergie, die auch in Hechingen eine Regionalgruppe unterhalten, äußert sich zu fünf umstrittenen Thesen.
Das Thema Windkraft erhitzt weiter die Gemüter. Kürzlich machten die Windkraftgegner von den Bürgerinitiativen „Gegenwind Hohenzollern“ und „Pro Natur Starzach“ mit Veranstaltungen in Rangendingen, Grosselfingen und Haigerloch auf sich aufmerksam. Thematisiert wurden dabei verschiedene Aspekte, die gegen Windräder in Hechingen und Umgebung sprechen.
Auf der anderen Seite stehen Windkraft-Befürworte wie die Bürgerenergie-Genossenschaft Teckwerke, die Windkraft und Freiflächen-PV durch Bürgerbeteiligung attraktiv machen wollen und in Hechingen eine Regionalgruppe unterhalten. Unsere Redaktion hat fünf Thesen zu erneuerbaren Energien aufgestellt. Daniel Wagner von den Teckwerken antwortet.
These 1: Windräder, in welche die Teckwerke investieren, sind 285 Meter hoch.
„Die meisten Anlagen sind kleiner“, so Wagners Rückmeldung. Doch fest steht auch: „Die zur Zeit höchsten verfügbaren Anlagen kommen auf bis zu 285 Meter an der Oberkante der Blattspitze.“ Wagner nennt als Beispiel eine Anlage des Typs „Vestas V172“ mit einer Nabenhöhe von 199 Metern. Wagner verweist für die Teckwerke auf den Windpark „Länge“, an welchem die Bürgerenergiegenossenschaft beteiligt ist. „Dort werden sechs Anlagen von Nordex N163 mit 164 Metern Nabenhöhe gebaut. Die Oberkante der Blattspitze liegt bei 245 Metern.“ Höhere Anlagen bringen eben auch mehr Ertrag. „Der Stromertrag aus einer solchen Anlage ist um mehr als das Zehnfache höher als von alten Anlagen, die nur halb so hoch sind.“
These 2: Durch den Bau eines Windrads wird bis zu einem Hektar an Fläche verbraucht.
Dieser These widerspricht Wagner. „Langfristig werden rund 0,4 Hektar benötigt.“ Die meisten der Flächen werden laut Wagner nur temporär benötigt und in der Regel mit Baumarten, welche die Klimaerwärmung besser vertragen, aufgeforstet. Der Experte erklärt weiter: „Sichtbar versiegelt ist bei derzeit üblichen Anlagentypen eine Sockelfläche von circa 100 Quadratmetern als Teil des Fundamentes, auf dem der Turm steht.“ Der gesamte Fundamentbereich mit dauerhafter Beeinträchtigung der Bodenfunktionen umfasse je nach Anlagentyp ungefähr 500 Quadratmeter, also 0,05 Hektar.
Der Bereich des Fundamentes, der über den Sockel hinausgeht, sei in der Betriebsphase größtenteils wieder mit Oberboden respektive Schotter überdeckt. Dauerhaft teilversiegelt bleibe die ebenfalls zumeist geschotterte Kranstellfläche für die Errichtung der Anlage und für etwaige Reparaturen. Auf diese entfallen durchschnittlich 0,15 Hektar pro Anlage und auf die Zuwegung durchschnittlich weitere 0,25 Hektar.
These 3: Die Energieausbeute von Anlagen in Baden-Württemberg entspricht nur 40 Prozent im Vergleich zu Anlagen in Schleswig-Holstein.
Wagner gibt zu bedenken, dass es im Norden zwar ein höheres Windangebot gebe, die Stromtrassen in den Süden aber oft überlastet seien. „In Süddeutschland können die Strommengen viel besser aufgenommen werden und der Wind weht auch oft zeitlich versetzt zu Anlagen im Norden, daher hat Windstrom aus dem Süden auch einen höheren Strompreis an der Strombörse“, nennt der Teckwerke-Sprecher Vorteile. Weiterhin seien die heutige Anlagen für die entsprechenden Windklassen ausgelegt, so haben diese im Süden oft einen größeren Rotordurchmesser und somit eine größere Winderntefläche.
These 4: Durch die vorangetriebene Energiewende ist der Strom in Deutschland im europäischen Vergleich am teuersten.
Nein, ganz im Gegenteil. Das betreffe laut Wagner insbesondere die Großhandelspreise für Strom an der Börse. „Da war 2023 nur Dänemark günstiger.“ Was Privatkunden angeht, sieht die Situation anders aus: „Die erneuerbaren Energien sind zwar die günstigste Art Strom zu erzeugen. Durch hohe Abgaben, Umlagen, Steuern, liegen wir beim Strompreis für den Haushaltskunden in Deutschland aber preislich oben im Vergleich, haben dafür aber auch eines der sichersten Stromnetze mit den geringsten Ausfallzeiten.“
These 5: Der Infraschall, den Windrädern erzeugen, ist gesundheitsschädlich.
Wagner antwortet mit Bezug zu Forschungen der Landesanstalt Baden-Württemberg. Diese haben ergeben, dass der Infraschall einer Windkraftanlage ab 200 Metern nicht mehr wahrgenommen wird und messtechnisch ab 700 Metern nicht mehr von den Hintergrundgeräuschen unterschieden werden kann. „Wissenschaftliche Studien haben bislang keinen Nachweis erbracht, dass der von Windrädern ausgehende Infraschall schädliche Wirkungen auf die Gesundheit hat.“ Bekannt sei Wagner aber das sogenannte „Wind Turbine Syndrome“ (WTS). Betroffene hätten leiden aus Angst vor Infraschall und dem daraus resultierenden Stressfaktor gesundheitliche Beeinträchtigungen, beispielsweise Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Schwindel.
Regionalgruppe der Teckwerke in Hechingen
Energiewende
Im Oktober vergangenen Jahres haben sich die Teckwerke auf Initiative von Almut Petersen in Hechingen vorgestellt. Kurz darauf gründete sich eine Regionalgruppe in der Zollernstadt. Die Regionalgruppe Hechingen hat ihren Schwerpunkt auf dem Ausbau der Windenergie und will die Energiewende – profitabel für die Bürger, die sich an den Anlagen beteiligen – vorantreiben. Jüngst hat de Gruppe mit zehn Personen an der Bürger PV-Beraterausbildung der Teckwerke teilgenommen, die Nachwuchsberater sind aktuell in der Coachingphase und machen ihre ersten Beratungen mit Begleitung.