Seit mehr als 60 Jahren brennt die Familie Broch in Wachendorf Schnaps, zuerst hauptsächlich für den Eigenbedarf des "Adlers". Eugen Broch hat die Wirtschaft 1958 gekauft und damit die dazugehörige Brennerei übernommen. Enkel Rainer Broch setzt mit seiner Frau Eva die Familientradition fort.
Starzach-Wachendorf - Der "Adler" unterhalb der Kirche war eine typische Dorfwirtschaft. Nach dem Abbruch in den 1970er-Jahren sollte eigentlich im Neubau an gleicher Stelle der "Adler" wiedereröffnet werden, doch es kam anders. Statt eines Gastronomiebetriebs zog die Kreissparkasse ins Erdgeschoss ein. 2015 wurde die Filiale geschlossen, ein Jahr später richtete die Familie Broch ihren Laden zur Direktvermarktung ihrer Destillate ein. Momentan sind Eva und Rainer Broch dabei, den Betrieb zu erweitern. In einem Anbau entsteht ein Lager. Auch soll hier künftig, was bisher nur im Freien auf dem Hof möglich war, das Obst eingemaischt werden. Zudem gibt es weitere Pläne für die Zukunft als Direktvermarkter.
Das Brennrecht blieb nach Aufgabe des Lokals weiterhin im Besitz der Familie. Rudi Broch hat sich zum Brenner ausbilden lassen, obwohl er das Handwerk schon 30 Jahre ausübte. Sein Sohn Rainer, gelernter Zimmermann, wollte das Metier ebenfalls von Grund auf erlernen. An der landwirtschaftlichen Versuchsanstalt für Obst- und Weinanbau in Weinsberg absolvierte er von 2007 bis 2009 den Ausbildungslehrgang zum Brenner. Nötig wäre es nicht gewesen: Erforderlich seien zum Schnapsbrennen neben der Lizenz lediglich landwirtschaftliche Flächen. Rainer Broch nahm danach erfolgreich an Prämierungen seiner Erzeugnisse teil und weitete die Produktpalette erheblich aus.
Ging es seinem Großvater in erster Linie um die Gewinnung von Alkohol und die Deckung des Eigenbedarfs, so stellt der Enkel inzwischen feine, sortenreine Brände, aber auch Liköre und Geiste her. Im Sortiment befinden sich rund 40 verschiedene Produkte. Den "Obstler" gibt es nach wie vor, aber der werde heute am schwächsten nachgefragt. Die Kunden kauften gezielt bestimmte Äpfel- oder Birnenbrände, sagt Eva Broch. Beispielsweise den "Gelbmöstler": Die Birnensorte ist in der Region weit verbreitet.
Obst von eigenen Bäumen
Überhaupt legen die Brochs großen Wert auf Regionalität. Das Obst stammt zu einem Großteil von den eigenen Streuobstbäumen. Um Ertrag zu haben, müssen die Bestände gepflegt werden – eine aufwendige Arbeit. Jährlich schneidet Broch im Winter rund 60 Obstbäume. Damit trägt er nicht nur zum Erhalt der Kulturlandschaft bei, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag für die Natur. Streuobstwiesen gelten als wertvoller Lebensraum für Pflanzen, Vögel und Insekten.
"Wir haben tolle Obstsorten zum Mosten", versichert Broch. Damit hat er vor 17 Jahren mit einer mobilen Presse begonnen. "Wir waren auch die ersten, die im Landkreis Tübingen Apfelsaft pasteurisiert und in Beutel abgefüllt haben", erzählt seine Frau. Die Leute waren skeptisch, ob das überhaupt funktioniert und angenommen wird. "Sie lachten uns aus", erinnert sich Eva Broch. Das Angebot fand nichtsdestoweniger Anklang. Der Vorteil war nämlich, dass die Obstbaumbesitzer eine Möglichkeit hatten, ihr eigenes Obst zu nutzen. Da konnten sie sicher sein, dass die Äpfel und Birnen unbehandelt in haltbaren Apfelsaft umgewandelt wurden.
Rainer Broch hält sich mit einer Prognose, wie die Obsternte in diesem Jahr ausfallen könnte, zurück. Teilweise hat der schwere Hagel am 23. Juni für einen Totalausfall gesorgt, so etwa in der Wachendorfer Anlage des Obst- und Gartenbauvereins, die direkt in der Schneise des Unwetters lag. Viele Bäume hängen zwar voll, jedoch könnte etliches Obst, geschädigt durch die Hagelkörner, vor der Ernte abfallen. Sonne hätte es auch mehr sein können. Die Obsternte werde sich aufgrund der Witterung obendrein um zwei Wochen verzögern. "Es ist ein komisches Jahr für die Natur", stellt Broch fest. Noch rechnet er damit, dass er genug Äpfel und Birnen fürs Mosten und seine Brennerei bekommt. Wenn nicht, würde es der Betrieb verkraften: "Wir arbeiten auch auf Vorrat."
Familie im Einsatz
Von September bis Weihnachten sind alle Familienmitglieder im Einsatz. Nach der Ernte wird eingemaischt. Die vergorene Maische wird anschließend in der Brennerei destilliert. Der Alkoholdampf steigt auf, durchläuft in der "Kolonne" – einem Kupferzylinder – mehrere Kochböden und gelangt anschließend in den Kühler, in dem der Dampf kondensiert und in flüssiger Form in einem Behälter aufgefangen wird. Mit seiner Anlage werde ein Alkoholgehalt von maximal 86 Prozentvolumen erreicht, erklärt Broch. Für die Schnäpse muss er den Alkohol dann aber noch auf trinkbare 40 bis 42 Prozentvolumen reduzieren. Das Brennrecht erlaubt pro Jahr und Anlage 300 Liter reinen Alkohol. Seit 2015 hat der Familienbetrieb eine zweite Lizenz, die den gewachsenen Bedarf deckt.
Rainer Broch bezeichnet seinen Brennereibetrieb als Manufaktur. Von der Ernte bis zur Abfüllung der Brände in Flaschen und Etikettierung ist alles handgemacht. Das ist auch eine Qualitätsmarke der Brennerei in Wachendorf. Die Kundschaft will und soll auch wissen, woher das Obst stammt und wie es verarbeitet wird. Das sei sogar noch wichtiger als ein Biosiegel, weiß Eva Broch. Gerne zeigt sie Besuchern die Brennerei und bietet Verkostungen an – nicht nur im Laden, sondern auch bei Streuobstwanderungen. Erst kürzlich waren die Brochs mit einer elfköpfigen Gruppe aus dem Raum Stuttgart rund um Wachendorf unterwegs. Die Teilnehmer genossen die Landschaft und vor allem den schönen Blick auf die Schwäbische Alb. Unter den Obstbäumen probierten sie die jeweiligen Schnapssorten.
Keine Laufkundschaft
Die Laufkundschaft fehlt in Wachendorf natürlich. Aber die Manufaktur Broch hat inzwischen einen Bekanntheitsgrad weit über Starzach hinaus, sodass der Laden mittlerweile gezielt aufgesucht wird. Besucht werden außerdem Märkte und Messen. "Man muss raus und auf sich aufmerksam machen", erklärt Eva Broch. Neben Privatkunden beliefert der Direktvermarkter die Gastronomie und Wiederverkäufer in ganz Deutschland. Der nördlichste Händler habe seinen Sitz in Oldenburg.
Der Lockdown ließ zuletzt eigene Veranstaltungen nicht zu. Die Gastronomie fiel pandemiebedingt als Kundschaft ganz aus. Als Direktvermarkter konnte jedoch der Laden geöffnet bleiben. Nun wird der Betrieb erweitert: Eva und Rainer Broch setzen neue Ideen um. Sie wollen künftig auch Whiskey und Rum selber herstellen und ins Ladensortiment aufnehmen. Geplant ist zudem der Ausbau der Mosterei. "Most ist ein salonfähiges Getränk, wenn es entsprechend produziert wird", ist Broch überzeugt. "Das Thema wird spannend", fügt er hinzu.