Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Region Mangelware Hebamme: Hilft Ausbildungsreform?

Von
Die Ausbildung zur Hebamme soll akademisiert werden. (Symbolbild) Foto: shutterstock

Region/Freudenstadt/Calw - Eine Hebamme, die einem während und nach der Schwangerschaft zur Seite steht - auch in der Region ist dies längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Hebammen sind Mangelware. Dafür gibt es Gründe: Teure Haftpflichtprämien für freiberufliche Geburtenhelferinnen, hohe Arbeitsbelastung bei mäßiger Bezahlung und unattraktive Arbeitszeiten. Nun soll das Ausbildungssystem refomiert werden. Ein Schritt in die richtige Richtung?

Rückblick: Anfang Juni vergangenen Jahres verkündet das Calwer Krankenhaus schlechte Nachrichten. Fast zwei Monate bleibt der Kreißsaal der Klinik samstags geschlossen. Es fehlen Hebammen. Mitte Juni zieht das Freudenstädter Krankenhaus nach. Für den Rest des Monats bleibt der Kreißsaal nachts geschlossen. Auch dort herrscht Personalmangel. In den Monaten September und Oktober müssen sich werdende Eltern im Kreis Calw auf weiteres Umgemach einstellen: An den Wochenenden werden die Öffnungszeiten der Entbindungsstation eingeschränkt.

Doch solche Einschränkungen sind nur die Spitze des Eisberges. Die unbequeme Wahrheit lautet: Landauf, landab fehlen Hebammen. Und das längst nicht nur in der Fläche. Auch in Ballungszentren ist der Mangel an Geburtshelferinnen längst angekommen. "Im Schnitt findet jede fünfte Frau nach der Entbindung in der Klinik keine Hebamme", sagt Christel Scheichenbauer. In Stuttgart, berichtet die zweite Vorsitzende des Hebammen Verbands Baden-Württemberg, sei es sogar jede Dritte.

Besser bezahlt dank Studium?

Könnte die von der EU verordnete Akademisierung Abhilfe schaffen? "Langfristig hilft uns das sicher weiter. Die Ausbildung, aber auch der Beruf an sich bekommen einen anderen Stellenwert. Das ist schon lange überfällig", ist Scheichenbauer überzeugt. Das Hebammen-Studium könnte also dafür sorgen, dass der Beruf besser bezahlt und somit wieder attraktiver wird.

Doch Scheichenbauer sieht weitere Vorteile: Die Arbeit in den Kliniken werde sich verändern. "Durch das Studium lernen unsere Hebammen wissenschaftliches Arbeiten. Dann können Arzt und Hebamme auf Augenhöhe zusammenarbeiten."  Bislang, so Scheichenbauer, könnten Hebammen in Behandlungsfragen nur ihre - teils jahrzehntelange - Erfahrung in die Waagschale werfen. Das Problem: Erfahrungswerte sind nicht evidenzbasiert, nicht empirisch belegbar. Eine medizinische Studie "zählt da im Klinik-Alltag einfach mehr".

Und noch ein Problem könnte das Hebammen-Studium lösen: Der Abschluss wäre international anerkannt. Momentan ist dies nicht der Fall. Genauer gesagt, nicht mehr. Wer seine Hebammenausbildung 2017 oder später begonnen hat, braucht eine Zusatzqualifikation um im Ausland arbeiten zu können.

Baden-Württemberg bietet Studiengang bereits an

Innerhalb der EU ist Deutschland, was die Umsetzung der Verordnung zur Akademisierung des Hebammenberufs angeht, im Übrigen ziemliches Schlusslicht. Vorsichtig formuliert. Mit Ausnahme von Estland, Lettland und eben Deutschland haben alle Länder die Umstellung geschafft. Allerdings hinkt nicht ganz Deutschland gnadenlos hinterher. Baden-Württemberg hat sich bereits auf den Weg gemacht. An den Dualen Hoschschulen in Mannheim, Heidenheim, Stuttgart und Karlsruhe gibt es den Studiengang "Angewandte Hebammenwissenschaften" bereits, in Tübingen wird er derzeit eingerichtet.

Das Interesse der landesweit aktuell 490 Hebammenschülerinnen am Studium sei groß, versichert Scheichenbauer. Es gebe deutlich mehr Bewerber als Studienplätze. Für Scheichenbauer ist diese Entwicklung eine echte Chance. "Den Hebammenmangel können wir nur durch mehr Ausbildung bekämpfen", ist sie sich sicher. "Deswegen brauchen wir mehr Studienplätze als wir jetzt Ausbildungsplätze haben."

Doch damit dies gelingt, "muss noch ganz viel, ganz schnell passieren", meint Scheichenbauer. Wo können weitere Studienplätze entstehen? Wird es auch für den Studiengang eine Ausbildungsvergütung geben? Und wer bezahlt das Ganze? In Kürze steht ein Gespräch im Wissenschaftsministerium an, bei dem Fragen wie diese beantwortet werden sollen.

Artikel bewerten
2
loading

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.