Hat eine lange Tradition: Das Aufstellen von Maibäumen. Foto: dpa

Symbol des Frühlings, aber auch der Liebe. Junge Männer "stecken" Angebeter geschmückten Baum.

Region - Der Maibaum - Das Symbol des Frühlings steht für Glück und Segen.

Er gilt als Symbol des Wonnemonats: der Maibaum. Am 1. Mai auf dem Dorfanger, dem Markt- oder Festplatz oder im Garten einer Gastwirtschaft aufgestellt, ist der hohe geschälte und geschmückte Baumstamm Mittelpunkt von Maifesten in Deutschland.

Bereits in vorchristlicher Zeit wurden Bäume als Symbol der Fruchtbarkeit und des wiederkehrenden Frühlings verehrt. Zum Frühlingsfest wählte man einen bestimmten Baum aus und versammelte sich um ihn, um gemeinsam zu feiern und zu tanzen.

In christlicher Zeit wurde dieser Kult zunächst bei Strafe verboten. Erst im 16. Jahrhundert entwickelte sich dann in Deutschland der Brauch, zum 1. Mai einen mit Kränzen, Bändern und Girlanden geschmückten Stamm, meist eine Fichte, aufzustellen.

Seither gehört der Maibaum zu den Lebensbäumen, die für Wachstum und Gedeihen, für Glück und Segen stehen. Als größte Form der sogenannten Lebensrute reihte er sich zwischen Weihnachtsbaum und Fitzelrute, zwischen Palmbüschen und Palmstangen, zwischen Prangstangen und Richtmaien beim Hausbau ein.

"Liebsmai" besonders begehrt

Während der große Dorfmaien für alle da war, gab es auch kleine Bäumchen für bestimmte Personen: So erhielten Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer je einen eigenen Maien. Auch einem jungen Ehepaar, das Nachwuchs erwartete, setzte ein Mai- oder Glücksbäumchen vor die Tür. Besonders begehrt war der "Liebesmai", den der Bursche seiner Liebsten an die Tür oder den Fensterladen steckte. Je schöner geschmückt er war, desto größer sollte wohl auch die Liebe sein.

Zum "Maibaumsetzen" gehörte auch Schabernack. Mädchen, deren Lebenswandel zu wünschen übrig ließ, erhielten einen Schandmaien gepflanzt - meist ein dürrer Stecken oder das kahle Gerippe eines Weihnachtsbaumes. Ähnlich erging es den "alten Jungfern". Wenig schmeichelhaft war es, wenn ein Mädchen einen Kirschzweig am Fenster fand. Das galt als Symbol für Klatschsucht, während ein Weißdornast alle Junggesellen des Ortes vor der Heiratslust des Mädchens warnte.

Verbot scheitert

Das Maibaumbringen wurde selbstverständlich gebührend gefeiert: Tanz und eine angemessene Bewirtung gehörten dazu. So wurde dann im 18. Jahrhundert - allerdings mit wenig Erfolg - von der weltlichen und der kirchlichen Obrigkeit versucht, das Setzen der Maibäume erneut zu verbieten.

Etwa zur gleichen Zeit tauchten in Süddeutschland erstmals Maibäume auf, die nicht nur glatt geschält und mit Bändern umwunden oder bemalt waren, sondern auch Querleisten hatten. Darauf waren die im Ort ansässigen Handwerks- und Gewerbezweige ebenso dargestellt wie die Schule, das Schloß oder die Burg, das Rathaus und die Kirche. Die kunstvollen Maibäume sind längst eine Touristenattraktion.

Auch das traditionelle Maibaumstehlen in der Nacht zum 1. Mai ist seit langem eine allgemeine Belustigung. Gilt es doch, den Maibaum eines benachbarten Dorfes möglichst unbemerkt zu entwenden, um ihn als "Siegestrophäe" im eigenen Ort aufzurichten oder am nächsten Tag den Besitzern gegen ein angemessenes Lösegeld - meist einen Umtrunk - wieder zurückzubringen.

Die sozialdemokratische Arbeiterbewegung machte sich in ihren Anfängen den Maibaum als Glücks- und Erfolgssymbol zu eigen. Der Pfingstbaum wandelte sich zum Arbeitssymbol am 1. Mai. Im Dritten Reich versuchten die Nationalsozialisten den Maibaum zu propagandistischen Zwecken für sich zu vereinnahmen.