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Region Handwerk ächzt unter Coronakrise

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Nur auf dem Bau läuft es rund. (Symbolfoto) Foto: Adobe Stock/Countrypixel

Region - Die Corona-Krise macht den Handwerksbetrieben in der Region zu schaffen. Nach einer Umfrage der Handwerkskammer Reutlingen verzeichneten rund 40 Prozent der Unternehmen in den vergangenen Wochen einen Auftragsrückgang.

Besonders getroffen sind die Gesundheitshandwerker, die Kfz-Branche und die gewerblichen Zulieferer, teilt die Kammer mit, die auch für den Landkreis Freudenstadt zuständig ist. Nur noch knapp die Hälfte der Betriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb sei mit der Geschäftslage im zweiten Quartal zufrieden (Vorjahresquartal: 74,1 Prozent).

Unzufriedenheit steigt

Stark gestiegen sei hingegen die Zahl der Unzufriedenen. Jeder vierte Handwerksunternehmer bewerte die Lage sogar mit der Note mangelhaft (Vorjahresquartal: 3,6 Prozent). "Dass sich die Stimmung eintrübt, war angesichts der pandemiebedingten Maßnahmen, von der zahlreiche Unternehmen direkt und mittelbar betroffen waren, nicht anders zu erwarten. Auch nach der Öffnung sind diese Betriebe noch ein ganzes Stück vom Normalbetrieb entfernt", kommentiert Präsident Harald Herrmann die Ergebnisse. Allerdings sei nicht jeder Betrieb gleich stark betroffen. Die Entwicklung falle je nach Branche unterschiedlich aus.

So verzeichnet das Bauhauptgewerbe nach wie vor einen positiven Auftragssaldo, auch wenn die Zuwächse geringer als im Vorjahr ausgefallen seien. Deutlich schlechter sei es zuletzt für die Kfz-Werkstätten gelaufen, bei denen 54 Prozent der Befragten weniger Bestellungen und Aufträge meldeten. Bei den Metall- und Elektrobetrieben liege dieser Wert bei knapp 60 Prozent, im Gesundheitshandwerk sogar bei 75 Prozent.

Auftragsbestand schmilzt

Über alle Branchen hinweg sei der Auftragsbestand gesunken. Dieser betrage nunmehr durchschnittlich 8,8 Wochen (Vorjahresquartal: 10,2 Wochen). Während die Maurer, Dachdecker und Zimmerer gegenüber dem Vorjahr nochmals um zwei Wochen hätten zulegen können (17,6 Wochen; 2019: 15,7 Wochen), habe das Auftragspolster der Zulieferer stark abgenommen. In deren Bücher befinde sich zurzeit ein Auftragsvolumen von sieben Wochen (Vorjahresquartal: 12,5 Wochen).

Shutdown, Stornierungen und eine geringere Nachfrage wirkten sich auch auf die Auslastung der Unternehmen aus. Die Zahl der Betriebe mit einer Auslastung von bis zu 60 Prozent habe sich im Jahresvergleich verdreifacht (35,9 Prozent; 2019: 11,1 Prozent). Bei den von der Schließung betroffenen Friseuren und Kosmetikern steige dieser Anteil sogar auf 75 Prozent.

Angst vor zweiter Welle

Im Vergleich zu den Dienstleistern arbeitet das Bau- und Ausbaugewerbe nach wie vor unter Volldampf. Jeder zweite Betrieb melde hier volle Auslastung. Sieben Prozent der Bauunternehmen gingen zuletzt über die 100-Prozent-Marke hinaus, so die Kammer. Bei den Stuckateuren, Malern und Lackierern seien es sogar 14 Prozent.

In den vergangenen Wochen dürfte sich auch die Beschäftigtenzahl im regionalen Handwerk verringert haben. 9,5 Prozent der Betriebe meldeten Einstellungen, 10,7 Prozent reduzierten ihre Belegschaften. Jeder Zehnte wolle zwar im Sommer zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Ebenso viele wollten jedoch Personal abbauen. Mehr als drei Viertel der Befragten planen derzeit keine Veränderungen.

"Bei den Investitionen und Einstellungen fahren die Betriebe zurzeit auf Sicht", sagt Herrmann. Dies sei angesichts der unsicheren Aussichten auch nicht anders möglich. "Niemand kann sicher vorhersagen, ob wir das Schlimmste der Pandemie bereits hinter uns haben oder ob doch eine zweite Welle mit entsprechenden Einschränkungen ansteht."

Investitionen "auf Sicht"

Wie stark das Handwerk von der Coronakrise betroffen sei, sagt Herrmann, zeige die Soforthilfe des Bundes und des Landes. "Mehr als 3600 Betriebe haben eine finanzielle Unterstützung erhalten, die ihnen geholfen hat, die Folgen der Schließung oder Auftragseinbußen abzumildern." Das Konjunkturpaket des Bundes, das steuerliche Entlastungen für Betriebe vorsieht, und die Landesprogramme seien wichtige Maßnahmen, um die Liquidität der Betriebe zu sichern, so Herrmann.

Teils neue Zuversicht

Die Betriebe blicken jedenfalls schon wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft, als sie es zum Ende des ersten Quartals getan haben. Lag der Erwartungsindex vor drei Monaten noch bei minus 4,0 Punkten, stieg er auf nunmehr plus 7,8 Punkte (Vorjahresquartal: plus 8,2 Punkte). Bei den Gesundheitshandwerkern, dem Nahrungsmittelgewerbe, den Kfz-Betrieben und den Dienstleistern falle die Prognose besser als im Vorjahr aus.

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