Sie hoffen auf neue Mitstreiter für die „Region der Lebensretter“ (von links): Marcus Frank, Manuela Rühle und Thomas Seeger. Foto: Araldi

Damit es schnelle Hilfe bei einem Herzstillstand geben kann, wurde auch in Calw ein Programm für ehrenamtliche Helfer eingeführt.

„Was ist das für ein Gefühl, wenn es in der eigenen Familie zu einem Herzstillstand kommt und ich nichts machen kann?“. Diese Frage stellt Calws Stadtbrandmeister Marcus Frank und bringt damit auf den Punkt, worum es bei dem Termin geht, zu dem er sowie Thomas Seeger, Geschäftsführer des DRK Calw, und Manuela Rühle, ebenfalls vom DRK Calw, geladen haben.

 

„Region der Lebensretter“ ist ein Programm, für das die drei werben wollen, damit Situationen, wie die von Frank beschriebene nicht eintreten. Sei es nicht besser, man wisse, wie eine Reanimation funktioniert, fragt Frank, „damit man sich später keine Vorwürfe machen muss?“

„Viele fühlen sich sicher“

Nicht wie im Film Rühle, die das Programm für den Kreis Calw koordiniert, ergänzt: „Viele fühlen sich sicher, weil sie vor 30 Jahren mal einen Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein gemacht haben. Doch eine Reanimation dauere oft, wenn es dann wirklich dazu kommt, viel länger als im Film, fügt Frank hinzu. Und er spricht aus langjähriger Erfahrung. Bereits seit 1993 ist er bei der Feuerwehr, 1995 musste er das erste mal reanimieren.

Anlass für das Redaktionsgespräch war aber ein Erlebnis in diesem Jahr, dass Frank den Wert des Programms vor Augen führte. Er selbst ist als Ehrenamtlicher Helfer in der „Region der Lebensretter“ registriert. Anfang des Jahres dann „wurde ich innerhalb von 14 Tagen vier Mal zur Reanimation gerufen. Bei zwei der Fälle hat es geklappt. Beim vierten Fall habe ich direkt neben dem Haus gestanden als ich alarmiert wurde. Das zeigt die Erfolge des Programms. Es muss bekannter werden.“

Rettungsdienst ist oft zu spät da

Fünf Minuten Seeger erklärt, was dahinter steckt. Komme es zum Herzstillstand müsse der Mensch innerhalb von fünf Minuten wiederbelebt werden. Im Widerspruch dazu stehe, dass ein Rettungsdienst bis zu 15 Minuten für die Anfahrt hat. Im Kreis liege die Anfahrtszeit im Schnitt bei achteinhalb Minuten. „Das ist zu lang“, so Seeger knapp.

Bei der Leitstelle werde jeden zweiten Tag ein Herzstillstand gemeldet. Mit genügend ehrenamtliche Helfern vor Ort könnte der Anteil der Fälle in denen das Leben gerettet werden kann um ein Vielfaches erhöhen, ist er sich sicher. Die aktuellen Zahlen sprächen dafür, erklärt Seeger. Bevor das Programm in Calw und Landkreis 2022 gestartet hatte, lieferte der Rettungsdienst nur zehn Prozent der gemeldeten Herzstillstände ins Krankenhaus ein. Seit die Helfer vor Ort zum Einsatz kämen, sind seien es doppelt so viele.

Bis zu vier Helfer werden per App „First AED“ alarmiert, wenn sie sich in der Nähe von dem gemeldeten Herzstillstand befinden, so Rühle. Im Idealfall können die ersten zwei mit der Herzdruckmassage beginnen. Die dritte Person den Defibrillator holen und die vierte den Rettungsdienst einweisen.

Nicht alle Defibrillatoren sind gemeldet

Defibrillatoren Die „Defis“ sind in der App verzeichnet. Aktuell sind 16 Stück in der Hermann-Hesse-Stadt registriert. Doch Rühle ist sich sicher, es gibt noch einige mehr, etwa in Geschäften. Sie bittet alle Läden mit Defibrillatoren, die Geräte und die Öffnungszeiten, zu denen sie zugänglich sind, zu melden. Das Programm „Region der Lebensretter“ ist übrigens laut DRK Calw deutschlandweit aktiv mit aktuell 9000 Helfern, 321 davon im Kreis Calw. Das heißt, auch ein Tourist in Calw, der Helfer ist, kann etwa vor Ort alarmiert werden und Leben retten.

Ausbildung Wie wird man ehrenamtlicher Lebensretter? Besonders geworben hat das DRK Calw bisher bei Fachkräften aus dem medizinischen Bereich und der Feuerwehr. Doch „alle können mitmachen“, so Seeger. Voraussetzung sind eine 48-Stündige Sanitätsausbildung sowie 16 Stunden Weiterbildung innerhalb von zwei Jahren – beides vom DRK-Kreisverband finanziert.

„Man unterschätzt den Tod“

„Eine regelmäßige Beschäftigung mit dem Thema sei notwendig, so Seeger. Es brauche Helfer, die aktiv dabei sind und nicht nur „aus einer Laune heraus mitmachen“, ergänzt Rühle. Dann sagt sie ernst: „Man unterschätzt den Tod. Es braucht Routine und regelmäßigen Austausch.“

Wer Interesse hat, Lebensretter zu werden oder einfach mal einfach seinen Erste-Hilfe-Kurs auffrischen möchte, kann sich bei Manuela Rühle melden, telefonisch unter 07051/70 09 32 10 oder per Mail an manuela.ruehle@drk-kv-calw.de.