Zehn Jahre lang war Klaus Tappeser Regierungspräsident, davor unter anderem Landtagsabgeordneter der CDU und Oberbürgermeister von Rottenburg. Nun geht er in den Ruhestand.
An der Spitze des Regierungspräsidiums Tübingen steht ein Wechsel an. Nach zehnjähriger Amtszeit wird Regierungspräsident Klaus Tappeser (CDU) in den Ruhestand treten. Wann genau der politische Beamte aufhört, steht noch nicht fest. Sein Arbeitsvertrag endet auf jeden Fall am 31. Juli – fünf Tage später wird der Rottenburger 69 Jahre alt. Möglicherweise lässt er sich noch einige Wochen früher ablösen.
Tappeser ist dreimal in die Verlängerung gegangen. Politische Spitzenbeamte können ab ihrem 66. Lebensjahr eine Fortsetzung ihrer Amtszeit um jeweils ein Jahr beantragen. Jedes Mal genehmigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Antrag. Doch nach der letzten Verlängerung im Jahr 2025 ließ Tappeser nach eigener Aussage die Regierungszentrale wissen, dass er danach nicht weitermachen werde.
Wer auf Tappeser folgt, ist noch nicht bekannt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es wieder ein Mitglied der CDU sein. Seit Jahrzehnten ist die Position des Regierungspräsidenten im Bezirk Südwürttemberg-Hohenzollern in christdemokratischer Hand. Jörg Schmidt (SPD), Präsident zwischen 2015 und 2016, bildete eine Ausnahme.
Pädagogik-Studium
Der frühere Rottenburger OB – von 1995 bis 2008 – empfindet die Zeit im Regierungspräsidium (RP) als „schönen Abschluss“ seines Berufslebens. Tappeser wurde am 1. Juni 2016 zum Regierungspräsidenten bestellt. Er trat sein Amt aber erst am 11. Oktober 2016 an, weil sein Vorgänger Jörg Schmidt (SPD) vor Gericht Widerspruch gegen seine Ablösung eingelegt hatte. Schmidt verlor sein Amt, weil nach dem Ausscheiden der Sozialdemokraten aus der Koalition mit den Grünen die CDU Anspruch auf den Posten erhoben hatte. Politische Beamte können jederzeit in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden.
Das Land hatte zum Amtsantritt von Tappeser noch mit der Unterbringung von Geflüchteten als Folge des Syrien-Kriegs zu kämpfen. Die nächste Herausforderung hatte der Präsident mit seinem Personal in der Corona-Krise zu meistern. Und auch der Ukraine-Krieg machte der Mittelbehörde gehörig zu schaffen. Durch all diese schwierigen Aufgabenstellungen ist die Behörde nach Tappesers Einschätzung jedoch „einen Riesenschritt weitergekommen“.
Stolz auf seine Leute
Er sei stolz auf seine Leute, sagte Tappeser, und es erfülle ihn mit Befriedigung, dass er in der Koalitionsvereinbarung der Özdemir/Hagel-Regierung vieles wiederfinde, was im RP Tübingen an Verwaltungs-Optimierung erarbeitet worden sei. Er habe im Amt „durchgängig gute Erfahrungen gemacht“, sagt Tappeser.
Mit dem Ausscheiden vermutlich im Frühsommer endet eine bemerkenswerte politische Karriere. Tappeser wuchs in Bad Saulgau auf, wurde Berufssoldat und schloss das Pädagogik-Studium an der Bundeswehr-Universität in München mit dem Diplom ab.
Zurück im Zivilleben arbeitete Tappeser von 1992 bis 1995 als Sozialdezernent am Landratsamt Ravensburg und bewarb sich von dort aus erfolgreich bei der OB-Wahl in Rottenburg. 2003 bestätigten ihn die Bürger mit 89,58 Prozent der Stimmen. Einige Jahre, von 2006 bis 2008, war Tappeser gleichzeitig Mitglied des Landtags. Unter Ministerpräsident Günther Oettinger, dem Tappeser stets freundschaftlich verbunden war, stieg er zum Ministerialdirektor und Amtschef des Wissenschaftsministeriums auf.
Rückschläge müssen verkraftet werden
Doch Tappeser musste erleben, dass in der Politik auch Rückschläge verkraftet werden müssen. 2011, als die Grünen mit der SPD koalierten, wurde er als Ministerialdirektor abgelöst. Danach bemühte er sich erfolglos um den OB-Posten in Lindau und um ein Mandat im Europaparlament. Bei der Landtagswahl 2016 scheiterte er im Wahlkreis Tübingen-Rottenburg an Daniel Lede Abal (Grüne). Doch dann, nach dem Wiedereinstieg der CDU in die Landesregierung 2016, kam seine Zeit als Regierungspräsident, die er als sehr positiv empfindet.
Nun wird er demnächst den Präsidentenflügel im Behördenbau an der Konrad-Adenauer-Straße verlassen, nur wenig später als Ministerpräsident Winfried Kretschmann, den Tappeser sehr schätzt wegen seiner „Verlässlichkeit, Bodenständigkeit, klaren Haltung und einen besonderen Sinn für das Machbare“. So formulierte es Tappeser vor einer Woche bei der Verabschiedung Kretschmanns aus der Villa Reitzenstein.