Nicht in jeder Kirche können alle Paare heiraten Foto: Christoph Schmidt/dpa

Segnung ja, Trauung offiziell nein: Pfarrerin Annegret Künstel spricht über Regeln, Bibelauslegung und den Umgang mit queeren Paaren in der Kirchengemeinde Rottweil-Flözlingen.

Wie steht die evangelische Kirche in Rottweil zur Trauung von gleichgeschlechtlich liebenden Paaren? Wir haben mit Pfarrerin Annegret Künstel von der Kirchengemeinde Rottweil-Flözlingen gesprochen.

 

Künstel ist seit neun Jahren Pfarrerin in der Gemeinde. Sie betont, dass es sich bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare um ein sehr komplexes Thema handle. Die Kirchengemeinde gehört zur evangelischen Landeskirche in Württemberg, die als eine der konservativsten Landeskirchen gilt.

Bereits in der zurückliegenden Legislaturperiode des Landessynode (das gesetzgebende Gremium der württembergischen Landeskirche) bis 2019 war die Segnung gleichgeschlechtlich liebender Paare ein stark diskutiertes Thema. Nach langem Ringen einigte sich das Gremium damals auf einen Kompromiss, der jedoch viele Seiten unzufrieden zurückließ: Gleichgeschlechtlich liebende Paare dürfen zwar in einem Gottesdienst gesegnet werden, offiziell wird dies jedoch nicht als Trauung bezeichnet.

Wie wird die Bibel gelesen?

Zusätzlich müssen sich Gemeinden durch ein aufwendiges Verfahren dafür qualifizieren. Auch im Herbst 2025 scheiterte in der Landessynode ein Antrag, der darauf abzielte, diese Kompromisslösung aufzuheben – diesmal nur knapp an wenigen Stimmen.

Pfarrerin Künstel erklärt, dass die unterschiedlichen Positionen stark davon abhängen, wie man biblische Texte interpretiert. Gleichzeitig zeigt sie sich erleichtert darüber, dass die Diskussionen in der Kirchengemeinde Rottweil-Flözlingen ruhig und respektvoll verlaufen seien. Es habe ein gutes Diskussionsklima gegeben.

Seit Herbst 2023 zählt die Kirchengemeinde Rottweil (damals war sie noch nicht mit Flözlingen fusioniert) offiziell als Regenbogengemeinde, erzählt Künstel stolz. Im Ablauf unterscheide sich die Segnung homosexueller Paare von einer heterosexuellen kirchlichen Trauung nur in wenigen Formulierungen. Der restliche Ablauf bleibe gleich.

Jeder soll sich wohlfühlen

Zudem betont Künstel, dass kein Pfarrer und keine Pfarrerin gezwungen sei, eine solche Segnung durchzuführen, wenn dies dem eigenen Gewissen widerspreche. Wichtig sei, dass sich alle Beteiligten dabei wohlfühlten – sowohl das Paar als auch die Pfarrperson. Falls jemand dies ablehne, gebe es Kollegen, die diese Aufgabe übernehmen könnten.

Welches Paar wird das erste sein?

Doch wie sieht es konkret in der Kirchengemeinde Rottweil-Flözlingen aus: Wurden dort bereits gleichgeschlechtlich liebende Paare gesegnet?

Diese Frage muss Pfarrerin Annegret Künstel verneinen. „Ich würde mich aber freuen, auch solche Eheschließungen zu begleiten und den Menschen den Segen zu geben, die ihn möchten.“