Gähnende Leere herrscht am Fahnenmast vor der katholischen Kirche in Niedereschach. Die dort hängende Regenbogenfahne wurde gestohlen und wurde wohl von Zeugen später in der Eschach gesichtet. Foto: Bantle

Traurig ist man bei der zur Seelsorgeeinheit "An der Eschach" gehörenden katholischen Kirchengemeinde Niedereschach darüber, dass die als Zeichen der Toleranz und Akzeptanz vor der katholischen Kirche aufgehängte Regenbogenfahne gezielt entfernt, zerstört und später einige hundert Meter weiter beim Pflegeheim in der Eschach treibend gesichtet wurde.

Niedereschach - Die Fahne stand in Bezug zur Initiative "#OutInChurch" und gilt als "Symbol für Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt an Lebensformen und der Liebe Gottes zu allen Menschen". Die Enttäuschung über diesen Diebstahl im Gemeindeteam Niedereschach ist groß. Man lasse sich jedoch dadurch nicht entmutigen und wende sich weiterhin gegen jegliche Form von Diskriminierung.

 

Fahne weht erneut vor der Kirche

Schon im September des vergangenen Jahres wurde vor der Kirche St. Katharina und Mauritius in Niedereschach auf Initiative des Gemeindeteams zum ersten Mal eine Regenbogenfahne gehisst. Diese Fahne wehte nun erneut vor der Kirche aus Anlass der Initiative "#OutInChurch", mit der sich über 100 Menschen, die Mitarbeiter der Kirche sind, als "LGBTQ+" zu erkennen gegeben haben. Diese Menschen sind unter anderem schwul, lesbisch, non-binär, queer, trans* oder inter, was bedeutet, dass sie nach dem geltenden kirchlichen Arbeitsrecht mit rechtlichen Konsequenzen für ihr Arbeitsverhältnis rechnen müssen.

Inzwischen haben viele Bistumsleitungen in Deutschland glücklicherweise klargestellt, dass den Initiatoren der Aktion keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen drohen, so auch die Erzdiözese Freiburg. Das bedeute jedoch nicht, dass sich grundlegend an den sogenannten Loyalitätsobliegenheiten im kirchlichen Arbeitsrecht etwas ändert.

Von vielfältigen Personen getragen

Der Mut dieser Menschen zeigt nach Meinung des Niedereschacher Gemeindeteams aber, dass die Kirche von vielfältigen Personen getragen wird, die ihren Glauben und ihr Engagement in den Dienst der frohen Botschaft stellen wollen, obwohl ihr Lebensentwurf und ihre sexuelle Orientierung in Widerspruch oder zumindest in Spannung mit der offiziellen Lehre der Kirche stehen. Damit sich hier etwas ändert und die faktische Realität von Lebensentwürfen mehr Berücksichtigung findet, dafür setzen sich diese Menschen ein. Dieses Anliegen unterstützt auch die Seelsorgeeinheit "An der Eschach" und als Zeichen hierfür stehe die Regenbogenfahne. "Als Kirchengemeinde vor Ort wenden wir uns gegen jegliche Form von Diskriminierung und heißen alle Menschen willkommen, unabhängig von sexueller Orientierung und Lebensentwurf", heißt es dazu aus den Reihen des Niedereschacher Gemeindeteams.

Gegen Diskriminierung und Vorurteile

Aus diesem Grund sei hilfreich, wenn gerade in den "momentanen Stürmen" der Missbrauchsfälle auch die Kirche vor Ort zu Wort komme, die mit den Vorwürfen nichts zu habe sondern selbst Zeichen setzen wolle gegen Diskriminierung und Vorurteile. Beim Gemeindeteam würde man sich freuen, wenn den Menschen deutlich wird, dass es "die Kirche" pauschal nicht gibt, sondern dass das Gemeindeleben vor Ort für den Glauben und das Miteinander ausschlaggebend ist. Das sei auch Kirche ohne Priester, Bischöfe und Papst. "Wir alle sind Kirche, in unserem Miteinander", so die klare Ansage aus dem Gemeindeteam.

Absichtserklärung

Schon im September 2021 anlässlich des Kirchenpatroziniums hat das Gemeindeteam eine Absichtserklärung zur "Aktion Regenbogenfahne" veröffentlicht und erläutert, weshalb neben der gut bekannten gelb-weißen Fahne des Vatikans, welche die Verbindung zu Weltkirche als römisch-katholische Gemeinde anzeigt, die Regenbogenfahne aufgehängt wurde. Die Farben des Regenbogens seien auch ein Zeichen der Verbundenheit mit Gott.

"Nachdem die Arche Noah nach der Sintflut wieder gelandet war setzte Gott den Regenbogen als Zeichen. Sie alle kennen diese Geschichte", heißt es dazu in der Erläuterung des Gemeindeteams. Das Zeichen "Gott hängte seinen Bogen in die Wolken" werde oft als Friedenszeichen gedeutet. Daher sei diese Fahne auch schon früh als Friedenssymbol benutzt worden. Die Fahne stehe in vielen Kulturen weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden und gelte auch als Zeichen für Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen und der Hoffnung und Sehnsucht. Dies sei der Grund für das Gemeindeteam gewesen, diese Fahne neben der offiziellen Kirchenfahne aufzuhängen. Die Gemeinde St. Mauritius und Katharina stehe für Toleranz und Akzeptanz von allen Menschen, die die Nähe zu Gott und zur Gemeinde der Gläubigen suchen und wolle niemanden ausgrenzen, egal welche Lebensform sie oder er für sich ausgewählt habe.