Die Zukunft des Hechinger Integrationszentrums „Refugio“ ist ungewiss. Foto: Hardy Kromer

Was wird aus dem Hechinger „Leuchtturmprojekt“, das Integrations- und Begegnungszentrum, wenn Ende 2026 der Mietvertrag des Zollernalbkreises mit der Besitzerfamilie ausläuft?

Die Zahlen der im Landkreis ankommenden Geflüchteten sind seit Monaten stark rückläufig. Gegenwärtig, so lässt das Landratsamt wissen, sind nur 20 der 40 im Refugio zur Verfügung stehenden Plätze belegt.

 

Die Kosten werden vom Kreistag kritisch beäugt: Der Landkreis beteiligt sich nach eigenen Angaben mit monatlich 12 000 Euro an den Personalkosten. Die Mietkosten für das ehemalige Hotel-Café, die dem Vernehmen nach 25 000 Euro pro Monat betragen, zahlt das Land.

Und dann ist da noch die Verwicklung des Grundstückes Obertorplatz 11 in das Insolvenzverfahren über die EJL Stadtentwicklung GmbH. Das Immobilienunternehmen hatte das ehemalige „Klaiber“ kaufen wollen, war dann aber 1,7 Millionen Euro plus Zinsen schuldig geblieben – ein Grund dafür, warum das Insolvenzverfahren über die Nachbargrundstücke überhaupt in Gang kam.

Mögliche Investoren wollen Mieteinnahmen

Für den Insolvenzverwalter Axel Kulas, der nach wie vor Investoren für die gesamte Häuserzeile sucht, ist die Refugio-Zukunft „ein wesentlicher finanzieller Aspekt der Investorenentscheidung“. Wie Kulas nach der jüngsten Gläubigerversammlung mitteilt, seien die „hier erzielten Mieteinnahmen für jeden Investor ein wesentlicher finanzieller Aspekt bei der Entwicklung des Projekts Obertorplatz“.

Kulas schwant aber Ungutes: „Dem Vernehmen nach ist der Landkreis bei Auslaufen des Mietvertrages 2026 wohl nicht mehr bereit, die Räume zu mieten und das Projekt Refugio weiter alleine zu unterstützen.“

Umso mehr setzt Kulas auf die Stadt Hechingen – und macht Druck: Die Stadt und Bürgermeister Philipp Hahn „müssen nun möglichst kurzfristig die Entscheidung treffen, ob unter deren Federführung“ das Refugio und dessen Integrationsansatz fortgeführt werden.

Stadt und Kreis lassen sich nicht drängen

Der Eindruck des Insolvenzverwalters ist: „Die Investoren warten dringend auf die ausstehenden Entscheidungen, ob sie mit oder ohne die hier fließenden Mieten die zukünftige Entwicklung planen können.“

Stadtverwaltung und Landratsamt zeigen wenig Neigung, sich zu einer raschen Entscheidung drängen zu lassen: Aus Rathauskreisen ist zu vernehmen, dass über das Thema Refugio bei der Klausurtagung des Gemeinderats Ende November gesprochen werden soll.

Abwägung von Nutzen und Kosten

Einerseits ist das Refugio ein gut etabliertes Begegnungszentrum und aus dem Stadtleben kaum noch wegzudenken. Andererseits drohen jährliche Kosten in sechsstelliger Höhe, falls die Stadt einsteigen sollte. Dazu kommt, dass für die im Refugio untergebrachten Geflüchteten der Landkreis zuständig ist, weil es sich um eine vorläufige Unterbringung handelt.

Im Landratsamt hält man sich auf Nachfrage bedeckt. Das Projekt Refugio sei auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt. Über eine Verlängerung über 2026 hinaus müsse „zu gegebener Zeit der Kreistag entscheiden“, voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026.