Martin Keidel führt das Fotostudio Keidel in Hechingen in der fünften Generation. Foto: Benjamin Roth

Wer seit dem 1. Mai Ausweisdokumente beantragen möchte, benötigt ein Passbild in digitaler Form. Dieses kann künftig auch im Bürgerbüro gemacht werden. Fotografen wie Martin Keidel aus Hechingen befürchten erhebliche Umsatzeinbuße.

Ein Drittel der Kunden von Martin Keidel kommt derzeit in sein Fotostudio am Kirchplatz, um sich für Passbilder ablichten zu lassen. Dass dies ab dem kommenden August immer noch so sein wird, stellt Keidel im Gespräch mit unserer Redaktion stark infrage. Denn: Dann sollen Bürger, die im Hechinger Bürgerbüro Ausweisdokumente beantragen möchten, dort auch ein Passbild machen können. Dieser neue Service geht auf die am 1. Mai in Kraft getretene gesetzliche Regel zurück, dass Passbilder bei der Beantragung von Ausweisdokumenten digital vorliegen müssen.

 

Passbilder sind ein wichtiger Grundumsatz für Fotografen“, spricht Martin Keidel auch für sein eigenes Fotostudio. „Bei einem Drittel der Kunden fehlt etwas.“ Für das Überleben von Fotostudios sei die neue gesetzliche Regelung daher „nicht förderlich“, wie der langjährige Fotograf weiter betont.

Warum er so sicher ist, dass eine Vielzahl an Bürgern das Angebot vom Bürgerbüro annimmt? Einerseits führt Keidel den Faktor Bequemlichkeit an. Wer einen neuen Personalausweis beantragen möchte, müsse schließlich ohnehin ins Bürgerbüro. Den bisher zusätzlich nötigen Weg zum Fotograf oder Drogeriemarkt kann man sich künftig hingegen sparen. Sparen ist auch andererseits ein gutes Stichwort. Denn: Ein E-Passfoto kostet im Bürgerbüro nur sechs Euro. Im Fotostudio Keidel kostet das Passbildpaket – neben dem QR-Code für die digitale Version gibt es wie gewohnt sechs gedruckte Exemplare dazu – 19,90 Euro. Martin Keidel geht daher nicht davon aus, dass „uns auf lange Sicht ein großer Brocken an Passbild-Kunden übrig bleibt“.

Zeitaufwand für Fotografen steigt deutlich

Wenn, so vermutet Keidel, würden vor allem die Kunden weiterhin kommen, die vergleichsweise anspruchsvoll zu fotografieren sind. Sprich: Brillenträger mit hoher Stärke, Babys oder Menschen mit Beeinträchtigung. Bei diesen Personen erhöhe sich aber auch für den Fotografen der Zeitaufwand.

Dieser wird mit der neuen gesetzlichen Vorgabe sowieso schon gesteigert. Das E-Passfoto muss nämlich in eine verschlüsselte Cloud hochgeladen werden. Hierzu hat sich der Fotograf bei jedem Upload, dieser kostet übrigens pro Foto 70 Cent, mit seinem Personalausweis samt E-ID zu verifizieren und sein Passwort eintippen. Jeden Morgen ist zudem eine Zwei-Faktor-Authentifizierung über das Smartphone nötig. Keidel sagt dazu: „Ich verstehe nicht, warum es so kompliziert gemacht wird. Eine Legitimation per Fingerabdruck wäre auch eine Möglichkeit gewesen.“

Für die Gesetzes-Novelle mussten sich Fotografen bundesweit zudem eine komplett neue Software anschaffen und sich im Programm registrieren. Den Preis für sein Passbilder-Angebot will Martin Keidel trotz allem vorerst nicht erhöhen – auch aus Wettbewerbs- und Attraktivitätsgründen. Er betont: „Natürlich ist das Angebot im Bürgerbüro mit unserem qualitativ nicht zu vergleichen. Wir machen eine Fotoserie. Der Kunde kann sich das Beste aussuchen und bekommt zusätzlich gedruckte Fotos.“ Er zweifelt aber, ob dieser Faktor letztlich die Bequemlichkeit schlage.

Fotostudio Keidel gibt es seit dem Jahr 1855

Weiter komme dazu, dass Kunden, die für Passbilder ins Fotostudio gekommen sind, sich teils auch über weitere Leistungen des Fotografen informiert haben. 70 Prozent der Aufträge von Martin Keidel entfallen auf die Menschen-, 30 Prozent auf die Produktfotografie. Seit rund fünf Jahren nehme zudem die Irisfotografie eine bedeutende Rolle ein.

Das Fotostudio Keidel gibt es in Hechingen indes seit dem Jahr 1855. Martin Keidel führt den Familienbetrieb in der fünften Generation und hat das Geschäft 2000 übernommen. Er hofft, dass auch in Zukunft zahlreiche Kunden für Passbilder zu ihm kommen.