Ortsverbände verschiedener Rettungsdienste trainierten im Europa-Park das Aufspüren von vermissten Menschen. Unsere Redaktion hat die Vierbeiner bei der Suche begleitet.
Einmal im Jahr, wenn der Europa-Park seine Tore für die regulären Besucher geschlossen hat, tönt das Gebell von Hunden durch die menschenleeren Attraktionen des Freizeitparks. Doch es sind keine gewöhnlichen Hunde, die mit ihren Besitzern an diesem nebligen Morgen Gassi gehen, sondern Rettungshunde des Roten Kreuzes und anderer Kreisverbände. Mehr als 250 von ihnen übten im geschlossenen Europa-Park mit ihren Führern das Aufspüren von vermissten Personen in den stillgelegten Themenbereichen des Parks.
Jutta Ziebold vom Deutschen Roten Kreuz ist mit ihrem Schützling, einem Staffordshire-Terrier-Rüden namens Spike, dabei. Generell gibt es zwei Arten von Rettungshunden, erzählt sie auf dem Weg zur russischen Attraktion „Schneeflöckchen“, in der sich eine für das Training verschollene Person befindet. Die erste Art Hund sind die sogenannten Mantrailer.
Die Hunde gehen bei der Suche immer der Nase nach
Sie spüren Menschen anhand von Geruchsproben auf, das könne von Handschuhen über Schals bis zu einer Decke von zu Hause eigentlich alles sein, was genügend Geruchspartikel enthält, so Ziebold. Einsatzgebiet solcher Hunde seien vor allem Städte. Suchgebiete können von verschiedenen Bedingungen wie Wetter, Wind oder Regen beeinflusst werden, das erschwert die Suche. Die Ausbildung eines solchen Hundes dauere etwa drei Jahre, bis er zur Prüfung antreten kann. Die zweite Art sind die Flächen- und Trümmerhunde. Sie suchen nach Menschen vor allem in eingestürzten Lagerhallen und Gebäuden. Entdeckt ein Flächen- und Trümmerhund eine verunfallte Person in einem eingestürzten Gebäude, zeigt er dies seinem Hundeführer durch Bellen an, sodass die Rettungskräfte die Person bergen können.
Zur Belohnung gibt’s Leberwurst
Keine fünf Minuten dauert es, bis Hund Spike die zu rettende Person findet, die sich in der stillgelegten russischen Attraktion versteckt. Routiniert bahnt sich der Staffordshire-Rüde seinen Weg in die dunkle Attraktion. Dabei guckt und schnuppert er in allen Ecken, „scannt“ das gesamte Areal und fängt plötzlich laut an zu bellen. „Anzeigen nennt sich das“, erläutert Ziebold. Die vermisste Person wurde erfolgreich gefunden. Zur Belohnung gibt es vom fingierten Opfer Leberwurst.
Doch längst nicht alle Einsätze laufen in der Realität so entspannt ab wie im Training. Meist seien es nervenaufreibende Einsätze, für die Mensch und Hund jederzeit bereit sein müssten – denn wenn die Polizei die Rettungsstaffeln zu einem Einsatz hinzuzieht, zählen oft Minuten. Diese Einsätze sind vielfältig, sagt Ziebold. Das kann von einer verwirrten oder suizidgefährdeten Person bis hin zur verlorengegangenen Großmutter, die dringend auf Insulin angewiesen ist, alles sein. Da ist das zeitnahe Aufspüren extrem wichtig, so die Expertin.
Die Vierbeiner leben bei den DRK-Einsatzkräften
Die Arbeit der Retter und ihrer tierischen Helfer ist ehrenamtlich. Das Team des DRK-Kreisverbandes Emmendingen beispielsweise leistete im vergangenen Jahr etwa 7000 ehrenamtliche Stunden und wurde zu rund 100 Einsätzen gerufen. Die Hunde sind aber nicht etwa reine Arbeitstiere, sie sind privat bei ihren Hundeführern untergebracht, die für alle anfallenden Kosten wie Futter, den Tierarzt und sogar die Fahrtkosten zu Einsätzen selber aufkommen müssen. Auch die psychologische Unterstützung nach einem Einsatz sei ehrenamtlich strukturiert und sehr wichtig, denn man wisse nie, was vor Ort auf einen zukommt, wenn das Telefon klingelt und die Polizei einen zu einem Einsatz hinzuzieht, so Ziebold. Für die Gelegenheit, den Europa-Park als Trainingsgelände nutzen zu können, sind die Lebensretter dankbar, denn es mangelt an Trainingsgeländen. Das DRK arbeite beispielsweise mit Förstern zusammen, um den Wald für das Training der Flächenhunde nutzen zu können. Auch Industrieparks und Kieswerke eignen sich gut dafür.
Nicht nur Teams aus der Region probten am Samstag den Ernstfall, auch Staffeln aus ganz Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und der Schweiz nutzten die Gelegenheit, um inmitten der Attraktionen zu trainieren.