Die„Freaky Frogs“, hier der Vorsitzende Alexander Hacker beim Wurf, wollen den Darts-Sport in Lahr vorantreiben. Foto: Köhler

Die Darts-WM lockt derzeit viele Menschen vor den Fernseher – und selbst an die Scheibe. Diesen Hype spürt der Lahrer Verein „Freaky Frogs“ stets zum Jahresende. Unsere Redaktion hat ein Training besucht.

Angeregtes Geplauder, ein paar Anfeuerungsrufe und immer wieder das rhythmische „Klock, Klock, Klock“ der Pfeile – hier bin ich offenbar richtig. Alexander Hacker, Vorsitzender der „Freaky Frogs“, begrüßt mich im Vereinsheim der Lahrer Schützengesellschaft mit Handschlag, bietet mir sofort das „Du“ an und führt mich in den Nebenraum. Dort sind seine Vereinskollegen schon fleißig am Werfen. Ein Tisch, ein paar Stühle und zwei Dartscheiben: Viel mehr brauchen die „Freaky Frogs“ nicht für ihr Training. Zu trinken gibt’s Cola oder alkoholfreies Bier, es herrscht Rauchverbot. Schnell wird deutlich: Hier wird Darts als Sport betrieben – nicht als Stammtischbeschäftigung.

 

Verein setzt auf Steel-Darts: Bereits seit 2014 gibt es die „Freaky Frogs“, wie Hacker erzählt. Sieben Mitglieder haben damals den Verein gegründet. „Wir hatten das Ziel, Darts als Sport voranzutreiben. Steel-Darts war im Raum Lahr nicht so verbreitet“, ergänzt Ralf Hubrich, ebenfalls im Vorstand aktiv. Steel-Darts, die Version, die die Profis im TV und auch die „Freaky Frogs“ ausschließlich spielen, wird in Abgrenzung zum E-Darts auf Scheiben aus Sisal-Fasern gespielt, in die sich die Metallspitzen der Pfeile reinbohren.

Bedeutet auch: Die getroffenen Felder werden nicht automatisch von einem Computer erfasst, die Spieler müssen selbst rechnen, wenn sie 501 Punkte auf Null bringen wollen. „Das schreckt viele erst einmal ab“, bedauert Hubrich. Doch er versichert, dass man sich schnell zurecht finde. „Und irgendeiner rechnet immer mit“, ergänzt er lachend.

Seit Sommer eine neue Heimat: Angefangen haben die Darts-Fans einst im „Rössle“, einer Kneipe in der Lahrer Innenstadt. Nach einem Pächterwechsel, als das Pfeilewerfen nicht mehr erwünscht war, mussten sie sich eine neue Heimat suchen. Das war zunächst der Schützenverein Sulz, doch dort habe es nicht so ganz gepasst, erklärt Hacker. Seit Sommer sind sie bei der Schützengesellschaft an der Dammenmühle. „Wir wurden hier super herzlich aufgenommen“, freut sich der Vorsitzende. „Schützengesellschaft und Darts – das passt auch irgendwie“, findet Hubrich.

Immer mehr Anfragen: Inzwischen hat der Verein rund 20 Mitglieder, die regelmäßig trainieren. Stets zum Jahresende, wenn die WM in aller Munde ist, merken die „Freaky Frogs“ , wie das Interesse steigt. „Die Anfragen nehmen von Jahr zu Jahr zu“, berichtet Hacker. Auch privat werde er etwa von Kollegen häufiger auf seine Leidenschaft angesprochen. Hubrich und Hacker, die sich beim Training meist mehr dem Organisieren als dem Spielen widmen, wie sie lachend erzählen, wollen den Verein weiterentwickeln. Das Ziel ist zunächst die Gemeinnützigkeit, auch Kooperationen mit der Stadt, etwa zur Jugendförderung, streben sie an.

Eigene Liga gegründet: Dass die beiden ein Organisationstalent haben, stellen sie bereits seit einigen Jahren unter Beweis. In ihrer eigenen Liga messen sich die „Freaky Frogs“ mit anderen Vereinen. 15 Teams „von Freiburg bis Dundenheim“, so Hacker, nehmen teil. Auch die Liga entwickeln sie immer weiter und passen sie nach und nach den Profiregeln an. Das Niveau sei bereits jetzt durchaus ordentlich.

Die Höchstpunktzahl von 180 mit drei Darts sei keine Seltenheit. Die „Averages“, das heißt die durchschnittliche Punktzahl, die ein Spieler mit drei Darts wirft, können an einem guten Tag schon einmal Richtung 85 klettern. Das würde reichen, um selbst auf der WM-Bühne im Londoner Alexandra Palace nicht komplett unterzugehen.

Selbstversuch an der Dartscheibe: Nach so vielen Infos geht es für unsere Redaktion schließlich selbst ans sogenannte „Oche“. Hacker und Hubrich leihen mir Pfeile und ich darf mich ausprobieren. Das Rechnen, merke ich schnell, ist kein Problem. Ich muss nur die geworfenen Punkte zusammenzählen und in den Computer eintragen, schon erscheint auf einem Bildschirm neben der Scheibe, wie viele Punkte mir noch fehlen. Es klappt auch direkt ganz gut. Der vierte Pfeil landet in der „Triple 20“. „Du wirfst nicht das erste Mal auf eine Scheibe“, sagt ein Mitglied des Vereins anerkennend. Das stimmt, doch ich komme schnell an meine Grenzen.

Redakteur Jonas Köhler hat den Lahrer Darts-Verein besucht – und durfte selbst einige Pfeile werfen. Foto: Hacker

Als es darum geht, das „Leg“ mit einem Wurf in ein Doppel-Feld zu beenden, wird es frustrierend. Der Pfeil geht immer knapp vorbei. Da hilft es auch nicht, dass nebenan am Bord Jubel aufbrandet, als eine 180 fällt. Ich hole mir Tipps ein. Was kann ich besser machen? Hubrich erklärt mir, den Dart an seinem Schwerpunkt festzuhalten, die Hand beim Wurf durchzuschwingen und den Fuß quer zur Abwurflinie zu stellen, um den Abstand zur Scheibe zu reduzieren.

Ich nehme es mir zu Herzen und kann Erfolgserlebnisse sammeln: Hintereinander werfe ich erst eine 140, dann eine 135 – und treffe auch noch die Doppel 20, um tatsächlich ein „Leg“ zu gewinnen. „Damit könntest du in der Liga mitspielen“, lobt mich ein Trainingsteilnehmer. Naja, dazu fehlt noch die Konstanz.

Das Fazit: Ein Abend bei den „Freaky Frogs“ macht sehr viel Spaß. Man merkt, dass jeder Spieler, egal welches Niveau, willkommen ist, solange er Darts als Sport ernst nimmt. Die Reduzierung auf einen „Kneipensport“ ist für die „Freaky Frogs“ unangebracht. Der Verein tut viel dafür, dem zu entkommen – und hat gute Chancen, das Ziel beim anhaltenden Hype auch zu erreichen.