Rund 3,5 Hektar Wald im Gebiet Langenlöchle könnten für ein Recyclingwerk weichen. Eine Bürgerinitiative sieht das kritisch. Foto: Jana Heer

Das Unternehmen Morof plant, ein Recyclingwerk in Althengstett zu bauen. Naturschützer unterstützen das Projekt, verlangen aber, dass alternative Standorte geprüft werden.

50 neue Arbeitsplätze, mehr als zehn Millionen Euro an Investitionen: Das Unternehmen Morof plant derzeit ein Großprojekt in Althengstett.

 

Konkret geht es um ein Werk für Sekundärrohstoffe – also im Wesentlichen um ein Werk, in dem gewissermaßen Abfall wiederaufbereitet wird. Zu sekundären Rohstoffen zählen etwa recycelter Beton, Asphalt, Aushubmaterial und Material aus Bauabbrüchen.

Grundsätzliche Zustimmung von Naturschutzverbänden

Das Familienunternehmen Morof beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Recycling mineralischer Baustoffe.

Ein Vorhaben, das grundsätzlich die Zustimmung von Naturschutzverbänden findet. Doch es gibt auch Bedenken. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung von Nabu, BUND und dem Landesnaturschutzverband hervor.

Rund 3,5 Hektar Wald

So begrüßen es die Naturschützer zwar, dass Rohstoffe und Flächen geschont sowie Treibhausgase eingespart werden – sie fordern aber auch eine sorgfältige Prüfung der Naturverträglichkeit.

Denn das geplante Werk soll im „Unteren Wald“ entstehen. Und bei der angedachten Fläche handele es sich „um ein ökologisch wertvolles Waldgebiet von rund 3,5 Hektar mit wichtigen Lebensräumen für Tiere und einer bedeutenden Funktion für das lokale Klima“.

Um den Standort zu bewerten, seien genaue Untersuchungen zu geschützten Pflanzen- und Tierarten nötig. Wenn Waldflächen gerodet werden müssten, seien geeignete Ersatzmaßnahmen festzulegen und umzusetzen.

Darüber hinaus gebe es in dem Gebiet sieben Tümpel, die als wichtige Laichplätze für Frösche und andere Amphibien gelten. Entscheidend sei jedoch das gesamte Umfeld aus Wald und Wanderkorridoren der Tiere.

„Das vorgesehene einjährige Monitoring soll Tierbewegungen und Lebensräume im Jahresverlauf erfassen und so die Auswirkungen verschiedener Standorte besser beurteilen helfen. Es sollte unabhängig erfolgen und konkrete Lösungsvorschläge enthalten“, heißt es in der Mitteilung.

Was für die Naturschützer feststeht: Verbleibende Tümpel ohne zusammenhängenden Lebensraum seien keine Lösung.

Bürgerinitiative hat sich gegründet

Generell fordern Nabu, BUND und Landesnaturschutzverband, dass aus Naturschutzsicht geprüft werden solle, ob das Werk nicht auch auf bereits genutzten oder versiegelten Flächen entstehen kann. Als Möglichkeit führen die Naturschützer das Industriegebiet Lindenrain nahe Holzbronn an.

Sie schlagen vor, eine Bewertungsmatrix einzusetzen, um Kriterien wie Flächenverbrauch, Verlust von Lebensräumen und Vorkommen geschützter Arten transparent und nachvollziehbar zu vergleichen.

Inzwischen hat sich nun auch eine Bürgerinitiative Langenlöchle gegründet, die auf diese Ziele hinwirken will. Denn das Langenlöchle sei kein beliebiges Stück Land, sondern „ein einzigartiger Lebensraum, Teil eines empfindlichen Feuchtbiotopverbundes und damit ein unverzichtbares Rückzugsgebiet für Artenvielfalt in Zeiten des Klimawandels“, heißt es in einer Erklärung auf der Internetseite des BUND im Gäu.

„Ein klares ‚Muss für die Region‘“

Mögliche Alternativen müssten „offen, ehrlich und ohne Vorfestlegung geprüft werden. Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht über den langfristigen Erhalt unserer Natur gestellt werden“ – auch wenn ein Recyclingwerk in Althengstett „ein klares ‚Muss für die Region‘“ sei. Doch nicht um jeden Preis.

Die Bürgerinitiative wandte sich in einem Schreiben vor Kurzem auch an Althengstetts Bürgermeister Rüdiger Klahm sowie den Gemeinderat.

Darin argumentieren die Verfasser nicht zuletzt, dass das Gebiet Teil eines gewachsenen Biotopverbunds darstelle. Bundes- und Landesnaturschutzgesetze schrieben hier eindeutig vor, „dass Kernflächen und Verbindungselemente des Biotopverbunds zu sichern und bei allen Planungen verbindlich zu berücksichtigen sind“.

Rechtliche Fragen

Die Gemeinde habe zudem seit Jahren den Auftrag, den landesweiten Biotopverbund in der eigenen Planung konkret umzusetzen. Die Rodung von rund 3,5 Hektar im Langenlöchle werfe daher auch rechtliche Fragen auf.

Und: Selbst erfahrene Gutachter stuften das Gebiet nach Angaben der Bürgerinitiative als besonders wertvolles Biotop ein.

„Was wollen wir?“

Die Bürgerinitiative bittet Rathauschef und Gemeinderat daher, das Vorhaben am Standort Langenlöchle auszusetzen, die geforderte Prüfung alternativer Standorte im Gemeindegebiet zu veranlassen sowie Öffentlichkeit und Naturschutzverbände frühzeitig zu beteiligen.

Dass am aktuell vorgesehenen Standort ein großes Stück Wald weichen müsste, ist natürlich auch Thomas Morof, Geschäftsführer des Unternehmens, bewusst. Doch es sei schwierig, passende Flächen für das Projekt zu finden, hatte er vor einigen Wochen gegenüber unserer Redaktion erklärt.

Im Vorfeld sollen alle Beteiligten mitgenommen und Bedenken angehört werden. Dennoch müsse man sich die Frage stellen: „Was wollen wir?“ Dabei dürfe auch der Nutzen nicht außer acht bleiben.

Und es bleibe die Frage, wie viel Fläche die Gesellschaft bereit sei, für die Kreislaufwirtschaft zu geben.