Iris Hüge übergab die gesammelten Unterschriften an Christian Gmeiner, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft. Foto: Katzmaier

Eine Entscheidung über den Recyclinghof Nagold ist noch nicht gefallen. Die Tendenz geht Richtung endgültige Schließung. Dagegen werden 2936 Unterschriften in die Waagschale geworfen.

Praktisch im Alleingang hat Iris Hüge in den vergangenen Wochen versucht, möglichst viele Nagolder und weitere Menschen im Einzugsgebiet des Nagolder Recyclinghofs dazu zu bewegen, mit einer Unterschrift ein Zeichen gegen die drohende endgültige Schließung der Einrichtung der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) auf dem Eisberg zu setzen.

 

2936 Unterschriften sind dabei zusammengekommen. 1220 physisch auf Papierlisten, 1716 die über eine von Hüge gestartete Online-Petition liefen. Diese Bekundung von Nutzern, aber auch Sympathisanten hat Hüge jetzt mit den Worten „Ich habe es geschafft“ an Christian Gmeiner, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft, übergeben. Gmeiner und Helge Jesse (ebenfalls AWG) nahmen sich ausgiebig Zeit für Hüge, die mit zwei anderen Nutzern der Einrichtung gekommen war, um die Thematik durchzusprechen und Fragen zu beantworten.

Gmeiner verbreitet nicht viel Hoffnung

Viel Hoffnung vermittelte Gmeiner hingegen nicht. Zwar stellte er klar, dass man sich noch in der Phase der Datensammlung befinde und eine Entscheidung noch nicht getroffen sei. Bei einer Schließung müsse der Kreistag einen Beschluss fassen. Jedoch habe man von Verwaltungsseite schon eine Tendenz, die bei einer Schließung liege.

Die Unterschriften fließen laut Gmeiner in die Datenerhebung ein – nachdem sie zunächst auch auf mögliche doppelte Unterzeichner geprüft worden sind. Man werde die Gremien darüber informieren.

Rückblick: Anfang August teilte die Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) des Landkreises Calw mit, dass der Recyclinghof auf dem Eisberg ab 6. August geschlossen bleibe. Erklärt wurde dies mit einem akuten Personalmangel.

Engpass keine Personalfrage

Wenig später wurde klar, der Personalmangel kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern liegt daran, dass sich die AWG nach von ihr dargelegten finanziellen Unregelmäßigkeiten von allen Mitarbeitern getrennt hat.

Hüge drückte noch mal ihr Unverständnis darüber aus, dass eine Stadt wie Nagold keinen Recyclinghof habe solle. Es wiege auch schwerer, wenn einem etwas Gewohntes weggenommen werde. Entgegen jüngeren Darstellungen seien die Kunden bei den Ausweichangeboten wie in Walddorf nicht entspannt. Es bildeten sich lange Schlangen und Wartezeiten, die Kunden dazu drängen würden, ihr Notdurft im Wald zu verrichten.

Die Wegstrecken kommen hinzu. Während Hüge auf rund 22 Kilometer kommt, errechnet Peter Löffler aus Wildberg für sich bis zu 48 Kilometer – die er mit keiner anderen Erledigung verbinden könne. Dass dies als Einschränkung des Komforts bezeichnet werde, stieß Löffler besonders auf.

Millionenschulden und Einsparungen

Was die Fürsprecher für den Erhalt des Hofes auch stört, sind Millionenschulden aus Entscheidungen für Krankenhäuser und Hesse-Bahn bei gleichzeitigem Einsparen vergleichsweise kleiner Summen (200 000 bis 300 000 Euro), die direkt bei den Bürgern eingespart würden.

Auch wenn Gmeiner das nachvollziehen kann, liege seine Zuständigkeit bei der Abfallwirtschaft und der Verantwortung für alle Gebührenzahler. Und die nächsten Gebührenerhöhungen seien schon absehbar. „Wie oft gehen Bürger auf den Wertstoffhof?“, fragte Gmeiner mit dem Verweis, dass die meisten alltäglichen Entsorgungsleistungen direkt beim Bürger stattfänden. Jeder einzelnen Lebensrealität könne man nicht gerecht werden.

Engpässe seien auch keine Frage des Personals. Die Engstelle seien die eigentlichen Entladungsvorgänge

Viele Nutzer aus Kreis Böblingen

Immer wieder Thema: Die Hälfte der Anlieferer komme aus dem Kreis Böblingen. Einfache Lösungen seien da aufgrund unterschiedlicher Satzungen der Landkreise nicht möglich.

Auf jeden Fall verneinte Gmeiner Vermutungen, das Gelände, das der AWG gehört, könnte verkauft werden. Man werde dort weiter Abfallwirtschaft betreiben. Und vielleicht sogar eine Grüngutannahme. Ein kleiner Hoffnungsschimmer – aber kein Versprechen.