Alle, die zur Kundgebung am Christopher-Street-Day in Albstadt kommen, zeigen dort nicht nur Flagge für Toleranz, sondern auch für die Freiheit aller. Foto: IMAGO/Müller-Stauffenberg/IMAGO/MŸller-Stauffenberg

Die Teilnehmer am ersten Christopher Street Day im Zollernalbkreis demonstrieren für die Freiheit aller, meint die Kolumnistin. Deshalb verdient die erste Veranstaltung dieser Art im Zollernalbkreis nicht nur die Unterstützung der queeren Community, sondern all jener, die sich nicht in ihr Schlafzimmer reinreden lassen wollen.

Lasst sie doch brüllen, hetzen, braune Parolen schreien und den zum Scheitern verurteilten Versuch fortsetzen, längst überholte Ansichten in anderer Leute Gehirne zu quatschen. Wir gehen einfach nicht hin! Wir lassen sie einfach ins Leere laufen, die rückständigen Geister, die eine der buntesten Veranstaltungen stören wollen, die Albstadt jemals gesehen haben wird: den Christopher Street Day (CSD) – den ersten im Zollernalbkreis – am Freitag, 6. September, ab 18.30 Uhr mit Start auf dem Ebinger Bürgerturmplatz.

 

Es wird höchste Zeit, dass diese Demonstration für die Freiheit zur Selbstbestimmung über das eigene Privatleben die größte und vermutlich auch bunteste Stadt des Zollernalbkreises erreicht. Denn niemand in dieser längst multikulturellen Stadt würde sich vorschreiben lassen, wen er oder sie zu lieben hat. Kein Familienvater, keine heterosexuelle Frau und auch nicht die altledige Verfasserin dieser Zeilen, die am meisten ihren Beruf liebt und die Menschen, für deren Wohl sie arbeitet. Warum also sollten sich ausgerechnet jene bevormunden lassen, die eine Person ihres eigenen Geschlechts lieben? Wichtig ist doch letztlich nur eines: dass wir Menschen überhaupt lieben – und nicht hassen und hetzen.

Die Väter des Grundgesetzes hatten es schon begriffen

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, das garantiert uns das Grundgesetz, gleich im allerersten Artikel. Und zur Würde gehören drei Dinge: die eigene Privatsphäre, das eigene Privatleben und – definitiv – das eigene Schlafzimmer.

Wie sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten CSD im Zollernalbkreis also mit Angriffen aus der braunen Ecke umgehen? Nur ausnahmsweise sollten sie dem Beispiel der lesbischen Bundesvorsitzenden jener Rechtsausleger-Partei folgen, die solch menschenfeindlichem Gedankengut Vorschub leistet. Diese hat in einem Interview mit ZDF-Journalistin Shakuntala Banerjee verraten, wie sie mit queerfeindlichen Äußerungen aus ihrer eigenen Partei umgeht: „Das ist mir auch verhältnismäßig egal.“

Der bekannteste Neo-Nazi war selbst schwul

Versteckte, verheimlichte oder – wie in diesem Fall – totgeschwiegene Homosexualität hat es in rechten und extrem rechten Parteien immer gegeben – vom schwulen SA-Chef Ernst Röhm über den schwulen Neo-Nazi Michael Kühnen, der 1991 an Aids starb, bis in die Gegenwart.

Wie schön ist doch eine Welt, in der alle, die lieben, ihre Liebe offen leben und ungefährdet zeigen können. Nur dann wird Liebe ansteckend, und das wäre mal eine Art von Pandemie, wie wir sie dringend brauchten in dieser Welt.

Von verbalem Gift haben nicht nur die Amis die Schnauze voll

Die verbalen Giftspritzer sind die Leute leid, wie der Meßstetter Bürgermeister Frank Schroft und seine Familie kürzlich bei einem USA-Urlaub erfahren haben: Taxifahrer, Servicekräfte und amerikanische Inlandstouristen haben den Gästen aus Deutschland erzählt, dass so viele US-Bürger die Schnauze voll hätten von der ständigen Stänkerei eines abgewählten Ex-Präsidenten, von seinen Hass-Parolen, Beschimpfungen, Attacken weit unter der Gürtellinie gegen politisch Andersdenkende, sozial Schwache, Migranten, queere Menschen und Personen anderer Hautfarbe. Total unamerikanisch sei das, haben jene, die mit Kamala Harris nun eine Präsidentin des 21. Jahrhunderts wählen wollen, den Schrofts gesagt.

Lassen wir die ewig Gestrigen rechts liegen!

Total undeutsch sind Angriffe gegen friedliche Menschen, die ihr Recht auf Selbstbestimmung über das eigene Leben wahrnehmen, leider nicht – diese Flecken werden wir wohl nie mehr los. Aber die Folgen, die solche Angriffe in der Vergangenheit gezeitigt haben – die können wir loswerden. Indem wir die ewig Gestrigen rechts liegen lassen und mit denen auf die Straße gehen, die Artikel eins unseres Grundgesetzes feiern. Wir sehen uns beim CSD!