Am Mittwoch starten in Baden-Württemberg die Sommerferien. (Symbolfoto) Foto: (dpa)

Diese Woche starten die letzten Bundesländer in die Sommerferien. Klar, dass viele Familien sich schon auf ihren geplanten Urlaub freuen. Doch was ist, wenn das geplante Ziel nun als Hochinzidenz- oder Risikogebiet gilt? Welche Rechte haben Betroffene?

Aufgrund der Corona-Pandemie gelten für Urlauber besondere Regeln. Seit 1. Juli gilt eine Reisewarnung für touristische Reisen in Länder, die von der Bundesregierung als Hochinzidenzgebiet oder als Virusvariantengebiet eingestuft sind. Für Länder, die "nur" als Risikogebiet eingestuft sind, wird von nicht notwendigen, touristischen Reisen abgeraten. Als Hochinzidenzgebiet eingestuft ist seit 27. Juli auch die Lieblingsinsel der Deutschen: Mallorca.

Stornierung: Welche Regeln und Fristen gelten für Pauschalreisen?

Wenn das Reiseziel als Hochinzidenz- oder Risikogebiet eingestuft wird, überlegt mancher, seine Pauschalreise zu stornieren. Dies ist in der Regel bis zum Abflug oder zum gebuchten Check-in im Hotel möglich, kann jedoch mit Kosten verbunden sein.

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Das Pauschalreisegesetz (PRG) sieht ein kostenfreies Rücktrittsrecht des Reisenden vor, wenn am Bestimmungsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen (§ 10 Abs 2 PRG). Dem Reisenden sind in einem solchen Fall alle bezahlten Beträge zurückzuerstatten. Eine darüber hinaus gehende Entschädigung steht dem Reisenden aber nicht zu.

Reiserücktritt: Unter welchen Voraussetzungen zahlt die Versicherung?

Eine Reiserücktrittsversicherung greift, wenn die gebuchte Reise aus einem versicherten Grund nicht angetreten werden kann. Was ein versicherter Grund ist, kann der Police entnommen werden. Der ADAC warnt jedoch vor einer "Pandemieklausel" in vielen Versicherungen. "Viele Reiserücktrittsversicherungen enthalten Klauseln, die Krankheiten, die von der WHO als Pandemie eingestuft werden, vom Versicherungsschutz ausschließen." Am 11. März 2020 wurde Covid-19 als Pandemie eingestuft. Bei einer Erkrankung am Coronavirus nach diesem Datum sei bei Versicherungen, die eine solche Klausel enthalten, daher kein versicherter Rücktrittsgrund mehr gegeben.

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Weiter erklärt der ADAC, dass auch im Fall eines positiven Corona-Tests eine Krankheit vorliegen könne, die eine Reiseunfähigkeit auslöst – "unabhängig davon, ob es eine gesundheitliche Beeinträchtigung gibt." Dann zahle unter Umständen eine Reiserücktrittsversicherung, sofern sie den Pandemie-Fall nicht explizit ausschließt.

Unter Quarantäne: Gibt es Sonderregelungen für Infizierte?

Haben Urlauber keine Reiserücktrittversicherung abgeschlossen und erkranken etwa an Covid-19, sieht es in der Regel schlecht aus mit einer Erstattung der Reisekosten. 

Eine Besonderheit gilt jedoch in Bezug auf das Arbeitsrecht, wenn ein Arbeitnehmer während des Urlaubs erkrankt. Dann werden nach Paragraf 9 des Bundesurlaubsgesetzes die "durch ärztliches Zeugnis nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit" auf den Jahresurlaub nicht angerechnet.

Wenn die Reise ausfällt: Kann ich meine Urlaubstage verschieben?

Viele Urlauber werden auf den Gedanken kommen, die freien Tage einfach ein wenig zu verschieben. Doch geht das so einfach?

Hat der Arbeitnehmer seine Urlaubstage beantragt und wurden diese auch vom Arbeitgeber genehmigt, ist der Arbeitnehmer grundsätzlich an die Festlegung seines Urlaubs gebunden. Allenfalls in Notfällen kann dem Arbeitnehmer das Recht zustehen, eine Veränderung des bereits genehmigten Urlaubs zu fordern, wobei auch dann der Arbeitgeber damit einverstanden sein muss. Wie oben beschrieben gilt jedoch auch hier die Sonderregelung, dass Urlaubstage aufgrund eines Krankehitsfalles mit ärztlichem Attest rückerstattet werden müssen.

Anbieter sagt Pauschalreise ab: Gibt es Geld zurück?

Werden Pauschalreisen vom Veranstalter abgesagt, erhält der Urlauber den Preis zurück. Schadenersatzansprüche gegen den Reiseveranstalter wegen entgangener Urlaubsfreuden kämen laut ADAC jedoch nicht in Betracht, wenn unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen, die der Veranstalter nicht zu vertreten hat. Bei Kreuzfahrten gelten die Regeln für Pauschalreisen. Ansprechpartner ist auch hier der Veranstalter als Vertragspartner.

Info: Was sind Risiko- oder Hochinzidenzgebiete?

Als Corona-Risikogebiet gilt ein Land, in dem es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab oder in dem ein erhöhtes Infektionsrisiko vorliegt. Ein Hochinzidenzgebiet ist ein Land, in dem es in den letzten sieben Tagen mehr als 200 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab oder in dem ein erhöhtes Infektionsrisiko vorliegt. Welche Länder/Regionen in Europa zu den Risikogebieten zählen, zeigt die folgende Grafik. Sie wird regelmäßig aktualisiert.