Reichsbürger-Razzia: In seiner Firma in Horb wurde Ralf S. damals verhaftet. Foto: Jürgen Lück

War Horb eine Hochburg der Umstürzler? Die Wochenzeitung „Zeit“ berichtet nun nach monatelangen Recherchen über weitere Details zum ausgehobenen Reichsbürger-Netzwerk. Die Bedeutung von Ralf S. aus Horb wird dabei auch beleuchtet.

Reichsbürger-Razzia. Laut Zeit-Recherchen ist die Bundesanwaltschaft überzeugt: Beim Horber Handwerker Ralf S. bildete sich eine der ersten „Heimatschutzkompanien“ für den Umsturz.

 

Wie gefährlich waren die Umtriebe von „Querdenker“ und Reichsbürger Ralf S.? Hat er, der als Querdenker in der Stadt Autokorsos initiierte, wirklich „Soldaten“ für den Umsturz rekrutiert? Die Wochenzeitung „Zeit“ wirft jetzt einen neuen Blick auf die Vorgänge.

Was sich in Horb abgespielt haben soll

Unter dem Titel „Countdown zum Umsturz“ veröffentlicht die Zeit das, was ein Investigativ-Team monatelang recherchiert hatte. Zitat: „In Horb am Neckar treffen sich die Verschwörer mehrfach auf dem Hof eines Dachdeckers. Die Bundesanwaltschaft ist heute überzeugt: In Horb bildet sich damals eine der ersten ‘Heimatschutzkompanien‘. Die Aufgabe dieser Kompanien: Politiker und Entscheidungsträger festnehmen und sogar töten. 286 solcher Einheiten will die Gruppe demnach in ganz Deutschland aufbauen.“

Insider wissen: Mit dem Hof ist das Gartengrundstück des Handwerkermeisters gemeint, welches er illegal ausgebaut hatte. Zu den angekündigten Kontrollen der Bau-Behörden wegen Schwarzbauten kam es nicht mehr.

„Militärische Basiseinheit“ in Horb?

Was war der Grund für die spektakuläre Razzia, bei der auch Ralf S. in seinem Betrieb auf dem Hohenberg verhaftet wurde? Die Ermittlungen hätten ergeben, so die Zeit: „Es existieren drei militärische Basiseinheiten. Bei dem Dachdecker in Horb. Nahe dem Schloss von Prinz Reuß in Thüringen. Und im sächsischen Erzgebirge.“

Doch wie gefährlich war der Trupp von Ralf S.? Die Zeit schreibt: „Die Sicherheitsbehörden haben zwar Hinweise, dass der „neuen deutschen Armee“ fast 160 000 Euro für Material zur Verfügung standen. Allerdings tauchen keine Waffen in so großer Stückzahl auf, als dass man damit zahlreiche Kampftrupps hätte ausstatten können. Könnte es also sein, dass heute immer noch irgendwo Pistolen und Gewehre lagern? Oder konnte die Gruppe einfach nicht so viel beschaffen, wie sie wollte? Oder war einiges schlicht Angeberei?“ Das ist nicht ausgeschlossen.

Die Vorgänge bei den Montagsspaziergängen in Horb

Fakt ist: Ralf S. hatte gemeinsam mit einem Ergenzinger (auch unter den Verhafteten) auf den Montagsspaziergängen in Horb Werbung für die Reichsbürger gemacht.

In Horb veranstaltete der Dachdecker mehrere Treffen, um Unterstützer zu gewinnen. Laut Bundesstaatsanwaltschaft soll Rüdiger von P. (Ex-Soldat des KSK in Calw und wohnhaft in Neustetten – laut Ermittlern Befehlshaber des „Militärischen Stabs“) bei drei solcher Treffen im letzten Sommer in der Raumschaft gewesen sein.

„Im Herbst passiert was ganz Schlimmes“

Ein Teilnehmer der Montagsspaziergänge: „Ich war auf einem Treffen im Sommer 2022 dabei. Ralf erzählte: ‘Im Herbst passiert was ganz Schlimmes, sie werden die Bevölkerung knechten. Wir müssen einen Hilfstrupp aufstellen, um der Bevölkerung zu helfen. Decken sammeln, Verpflegung organisieren.‘“ War das nur ein Trick des Dachdeckers, um Umstürzler zu gewinnen? Der Teilnehmer: „Mir war das Szenario, was Ralf geschildert hat, zu unwahrscheinlich. Ich bin dann nicht mehr hingegangen.“