Landwirte, Winzer und Brenner im Regierungsbezirk Freiburg haben im Herbst ihren Meisterbrief erhalten. Darunter Jan Stulz aus Lahr.
Unsere Redaktion trifft Jan Stulz am Morgen kurz vor Weihnachten auf dem Schutterlindenberg. Das Wetter ist da fast frühlingshaft. Stulz, dessen Familie einen Hof in Dinglingen hat, wo seit Generationen Landwirtschaft betrieben wird, ist mit dem Rebschnitt beschäftigt. Der Betrieb baut heute auf 30 Hektar Wein an, allerdings nicht aus. Die Trauben, überwiegend Spätburgunder, Weiß- und Grauburgunder sowie Müller-Thurgau, werden im Herbst gelesen. Das Traubengut bekommt der Ortenauer Weinkeller in Offenburg, wo aus den Trauben Wein gekeltert wird. Darauf hat die Familie Stulz keinen Einfluss.
Da der Betrieb des frischgekürten Meisters Jan Stulz genaue Vorgaben bekommt – etwa die maximale Menge, die pro Ar gelesen werden darf, oder Wünsche zum Mostgewicht – sind das praktische und theoretische Wissen um den Weinanbau wichtig. Im Gespräch wird schnell deutlich, welche Begeisterung er gegenüber den Reben im Besonderen und Pflanzen im Allgemeinen hat. „Wir haben schon immer Reben gehabt.“ Das Interesse, wie aus den Stöcken erst Triebe, dann Blüten und zuletzt Trauben entstehen, sei früh in ihm geweckt worden.
Daher war nach der Ausbildung als Winzer auch schnell klar, dass er seinen Meister in diesem Berufszweig machen würde. Eine Alternative wäre der Meisterbrief als Landwirt gewesen, aber da hätten auch Tierhaltung und andere Dinge dazugehört. Die Familie hat die Viehwirtschaft allerdings vor 15 Jahren eingestellt, da war Stulz gerade acht Jahre alt. Und von Vorteil ist das Wissen um den Pflanzenanbau auch, da rund um den Hof in der Rheinebene Mais, Weizen und Soja gepflanzt und geerntet werden.
Jan Stulz interessiert sich vor allem für einheimische Weine
Wenn der Weinbauer Stulz die gelesenen Trauben nur vermarktet, stellt sich die Frage, wie es um die Kenntnisse beim ausgebauten Wein steht. Die Weine, die aus den eigenen Reben stammen, werden selbstverständlich auch probiert. Er sagt hier, dass er „offen für alle Sorten“ sei. Neben den eigenen Reben und dem Rebensaft aus dem Bereich des Breisgau – der Lahrer Schutterlindenberg gehört weinbautechnisch zum Breisgau – lobt er Winzer und deren Erzeugnisse aus dem Kraichgau, aus der Pfalz oder von der Mosel. Ausländische Weine interessieren ihn weniger. Es gebe so viele interessante Weine aus dem heimischen Anbau.
Dazu gehört ein anderes, großes Thema: der Absatz. Zur Meisterprüfung gehören auch Betriebsführung und Betriebswirtschaft. Daher stellt sich für ihn die Frage, wenn Kosten im Anbau und Erlöse im Verkauf sich mindestens ausgleichen sollten, warum dann nicht die heimischen Produkte bevorzugt werden sollten. Verständlich ist das, wenn man die Freude und die Begeisterung sieht, die der Weinbauer Jan Stulz inmitten der eigenen Reben an den Tag legt.
35 neue Meister
16 Brenner, 14 Landwirte und 15 Winzer haben im vergangenen Jahr die Meisterprüfung im Regierungsbezirk Freiburg bestanden. Ende November erhielten sie offiziell ihre Meisterbriefe.