Die Schüler des OHG-Nagold konnten bei der Aktion „Löwen retten Leben“ des DRK die Herzmassage üben. Foto: Kristin Börner

„Ich bin ja noch jung, mir passiert sowas nicht.“ – Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen. Vielen Betroffenen kann jedoch noch geholfen werden, es braucht nur Mut.

„Den einzigen Fehler den man machen kann, ist nichts zu machen“, meint Jovin Bürchner vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Reanimationskurs am Nagolder Otto Hahn Gymnasium. Dieser Satz beeindruckte mich bei meinem Pressebesuch. Also spitzte auch ich die Ohren, was ich im Notfall machen kann.

 

In Deutschland hätten die Menschen viel zu große Angst etwas falsch zu machen, sagte Bürchner. Darin sah ich mich wieder: Im Erste-Hilfe-Kurs des Führerscheins dachte ich, ich könne niemals im Ernstfall eine Herzmassage durchführen.

Völlig unbegründet: „Wenn mal eine Rippe bricht, wächst sie wieder zusammen. Wenn einer tot ist, ist er tot“, erklärte Bürchner.

Schockierende Zahlen

Zu Beginn teilte Bürchner die mehr als 130 Schüler in der Halle in zwei Hälften ein. „Ihr auf der rechten Seite seid alle schon tot, euch konnte nicht geholfen werden“, sagte er. „Bei euch auf der linken Seite überlebt nur jeder Fünfte.“

Jovin Bürchner (rechts) bei seinem Vortrag in der Nagolder OHG-Sporthalle Foto: Manuel Virág

Er zählte durch: „Eins, zwei, drei, vier, Glück gehabt! Eins, zwei, drei, vier, Glück gehabt!“ Bei den Schülern eine Menge schockierte Gesichter. Im Jahr 2022 dokumentierte die Leitstelle in Calw 256 Notfälle mit Herzstillständen.

Davon wurden rund 200 Reanimationen unter Anleitung am Telefon durchgeführt. In solchen Situationen sei die Überlebensrate bundesweit lediglich bei zehn Prozent, heißt es auf der DRK-Website.

Sowas kann jedem passieren

„Viele von euch denken sich bestimmt, ich bin jung, mir passiert sowas nicht“, warf Bürchner in die Runde. „Doch sowas kann jedem passieren.“ Er verwies auf den dänischen Fußballspieler Christian Eriksen, der 2021 mit gerade mal 29 Jahren einen Herzstillstand erlitt.

Das machte auch mich selbst stutzig. Könnte mir oder meinen Bekannten sowas auch mal passieren? Auf jeden Fall! Aber was kann ich im Notfall dagegen tun?

Frühe Hilfe hat einen enormen Einfluss

Laut dem DRK steige die Überlebenschance auf 50 Prozent, wenn die betroffene Person innerhalb der ersten vier Minuten wiederbelebt wird. So könnten jährlich etwa 40 zusätzliche Personen im Kreis Calw einen Herzstillstand überleben.

Bürchners Motto lautet: prüfen, rufen, drücken. Nachdem die betroffene Person auf Atmung, Bewusstsein und Puls überprüft wurde, muss sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Danach folgt der nächste Schritt: die Herzmassage.

Ganz schön anstrengend

Nach dem Vortrag Bürchners durften es die Schüler selbst versuchen. An Übungspuppen galt es, in Zweiergruppen über acht Minuten hinweg eine Herzmassage durchzuführen. Auch ich selbst versuchte mein Glück. Ganz schön anstrengend, merkte ich bereits nach einer Minute.

So einen Dummy wiederzubeleben kann ganz schön anstrengend sein. Foto: Manuel Virág

Aber das sei völlig normal, meint Bürchner. Selbst erfahrene Einsatzkräfte müssten sich bereits nach zwei bis drei Minuten abwechseln.

Manchmal geht es schneller als gedacht

Man wisse nie, wann eine Reanimation mal gebraucht werde, sagte Bürchner. Genau deshalb wolle „Löwen retten Leben“ den jungen Menschen die Angst davor nehmen. An einem Beispiel erklärt mir Bürchner, wie schnell es manchmal gehen kann.

Eine Woche, nachdem eine Lehrerin einen Wiederbelebungskurs mit ihren Schülern durchgeführt hatte, musste sie bei einem Fahrradunfall wiederbelebt werden. Sie wurde durch ihre eigenen Schüler gerettet.

Die Geschichte lässt mich darüber nachdenken, selbst auch mal wieder einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen. Schließlich ist es immer gut, vorbereitet zu sein.

Meine Angst vor der Herzmassage wurde mir auch etwas genommen. Viel schlimmer als ohne Reanimation können es selbst meine dünnen Arme nicht machen.