Die Tailfinger Progymnasiasten haben ihr altes neues Schulhaus bezogen und die Lammerberg-Realschüler die Räumlichkeiten im früheren Gollé-Haug-Gebäude. Sie werden dort drei Jahre lang bleiben – ihrer alten Schule steht der Abbruch bevor.
Die „Leichenfledderer“ und „Strandgutsammler“ sind unterwegs – im verwaisten Gebäude der Lammerberg-Realschule mustern die städtischen Mitarbeiter derzeit das verbliebene Mobiliar und prüfen, was in anderen Schulen oder städtischen Liegenschaften noch Verwendung finden könnte. Die LED-Beleuchtung etwa hat noch viel Zukunft, solange andernorts Glühbirnen funzeln, und auch das Mobiliar – Tische, Stühle, Schränke – kann noch gute Dienste leisten.
Danach wird es ernst. Der Abbruch des Schulhauses ist genehmigt; derzeit laufen die Bauteiluntersuchungen, auf deren Grundlage im Oktober ausgeschrieben wird. Im November wird entrümpelt, die Baustelle wird eingerichtet und anschließend eine Baustraße angelegt; danach naht der Winter – und der Bagger. Der Abbruch soll abgeschlossen sein, wenn es wieder warm wird.
Der Neubau beginnt im Frühjahr. Die neue Lammerberg-Realschule hat ein Unter- und zwei Vollgeschosse; sie wird 78,5 Meter lang, 22 breit und 13,8 Meter hoch – rechnet man die Einhausung der Wärmepumpe hinzu, sind es 15,65 Meter. Anders als der Vorgängerbau ist sie flachgedeckt; oben werden – natürlich – Photovoltaikmodule aufgeständert.
60 Fahrradstellplätze – die Zukunft gehört dem E-Bike
Weitere Energie liefern Wärmepumpe und Geothermie; die Parkplatzzahl entspricht dem bisherigen Standard. Eine Schule ist nicht verpflichtet, Stellplätze für ihr ganzes Kollegium bereithalten; 19 müssen genügen. Hinzu kommen 14 Rollerstellplätze – auch das ist Bestand – und 60 Fahrradstellplätze. Die Zukunft gehört dem E-Bike.
Wenn die Lammerberg-Realschüler in plus minus drei Jahren ihre neue Schule beziehen, werden sie eine etwas andere Lernumgebung vorfinden als die, die sie kannten. Die Schule hat sechs Klassenstufen und drei Züge, also 18 Klassen. Jede Klassenstufe wird in einem dreiteiligen „Klassencluster“ untergebracht; auf jedem der beiden Vollgeschosse sind drei dieser Cluster aneinandergereiht wie die Lichter einer Verkehrsampel.
Jeder Cluster enthält drei Klassenzimmer, die im Schnitt 67 Quadratmeter messen – das mag eher kleindimensioniert erscheinen, aber dafür gibt noch einen „Differenzierungraum“ und einen „Input-Raum“ – beide für Gruppenarbeit oder Lehrer-Schüler-Gespräche, eine Lehrmittelraum und eine „offene Lernzone“. Der gute alte Frontalunterricht hat ja dem Vernehmen nach ausgedient; diesem Umstand trägt die Planung Rechnung. Und dem Wunsch nach einer intensiveren Integration innerhalb einer Klassenstufe ebenfalls: Der „Cluster“ ist als eine Art „Lern-WG“ konzipiert. Dazu gehören auch Toiletten, die theoretisch ausschließlich der jeweiligen Klassenstufe zur Verfügung stehen. Das mindert übrigens die Vandalismusgefahr – der potenzielle Täterkreis ist künftig vergleichsweise überschaubar.
Die Technikräume werden gemeinsam genutzt
Im Untergeschoss befinden sich das Büro des Hausmeisters und die Wärmepumpe und die Technikräume, die, ebenso wie die Mensa auf der PGT-Seite, von beiden Schulen genutzt werden sollen – Gemeinsamkeit schafft nicht zuletzt der Verbindungsbau mit 40 mal 15 Metern Grundfläche.
Und jetzt die Gretchenfrage: Was kostet das alles? Von den mehr als 70 Millionen Euro, die zuletzt für das gesamte neue Schulzentrum Lammerberg veranschlagt worden waren, sind nach dem Verzicht auf die Turnhalle noch 63 Millionen Euro übrig; davon entfällt jeweils die Hälfte auf eine Schule. Die Schulbauförderung des Landes in Höhe von insgesamt 3,1 Millionen wird noch einmal leicht aufgestockt, weil die Realschule ja nicht saniert, sondern neu errichtet wird – übrigens nicht aus Luxus, sondern aus purer Notwendigkeit: Das 1957 erbaute Gebäude mit seinen neun Zentimeter dicken Decken hätte im Erdbebenfalle alt ausgesehen.
Also weg damit! Aber vorher wird noch gefeiert: Im Oktober oder November soll noch einmal eine große Abbruchparty im alten Haus über die Bühne gehen. Die Schüler fordern es – und die Ehemaligen erst recht!