Madleen Neuburger sowie ihre Eltern Peter und Brigitte haben die Klasse 8b der Realschule Meßstetten besucht. Unser Foto zeigt die Klasse gemeinsam mit Lehrer Jörg Neubert sowie den Elternbeiratsvertretern Jochen Wienke und Bianca Hermann. Foto: Katja Weiger-Schick

Madleen Neuburgers Spezialrad ist vor Kurzem geliefert worden – auch dank der Unterstützung von Meßstetter Realschülern.

Als Dankeschön hat Madleen der 8b einen Besuch abgestattet – eine besondere Begegnung junger Menschen, die sich viel zu sagen hatten. Bei dem sehnlichst erwarteten Rad, erzählte die junge Frau den aufmerksam lauschenden Schülern, handele es sich um einen türkisfarbenen Zweisitzer, damit sie nicht alleine unterwegs sei. Dieser laufe mit elektrischer Unterstützung und – für größtmögliche Stabilität – auf drei Rädern (wir berichteten).

 

Die Schüler empfingen die besonderen Gäste – Madleen hatte ihre Eltern Brigitte und Peter mitgebracht – mit offenen Armen und ehrlichem Interesse. Schnell kam man ins Gespräch. Familie Neuburger erzählte in eindringlichen Worten, dass Madleen bis vor einiger Zeit ein vergleichsweise ruhiges Leben geführt habe: mit Ausbildung, Freunden, Hobbys, etwas Sport. „Genau wie die meisten von Euch“, erklärte Brigitte Neuburger.

Bis ihre Tochter von einem Tag auf den anderen schwer krank geworden sei und die Odyssee durch die verschiedensten Kliniken und Arztpraxen begonnen habe: „Eine schlimme Zeit.“

Ohnmachten prägen Alltag

Was den Alltag der tapferen Meßstetter Familie am meisten prägt, sind die Ohnmachten, Madleens atonische Anfälle. Diese begleitet ein urplötzlicher Verlust des Muskeltonus. Die 25-Jährige stürzt im schlimmsten Fall, ihr Kopf sinkt ab, sie ist nicht mehr ansprechbar. Madleen schilderte den Jugendlichen eindringlich, dass diese Anfälle sehr kurz andauern können – oder eben für Stunden anhalten. Häufig verletzte sich im schlimmsten Fall schwer. Deswegen wäre ein herkömmliches Fahrrad auf zwei Rädern für sie nie infrage gekommen.

Familie Neuburger hat sich deshalb im Frühherbst 2025 zu der Spendenaktion entschlossen. Madleen, so wünschte sie sich, sollte wieder die Möglichkeit haben, in Begleitung Touren mit dem Rad zu unternehmen. Für ein Stückchen Normalität in einem Leben, das die Krankheit jäh aus den Angeln gehoben hatte. Und eben diese Spendenaktion stieß in der Region auf überwältigende Resonanz – beispielsweise in der Realschule.

Keine Karten mehr an Weihnachten

Deren Kollegium verzichtete auf Weihnachtskarten und bedachte stattdessen Madleen. Die 8b überlegte sofort, was man als Klasse beitragen könne. Die Schüler organisierten Früchtepunsch- und Waffelverkäufe oder einen Einpack-Service vor Weihnachten. Madleen Neuburger bedankte sich sichtlich gerührt. „Dank Eurer Hilfe habe ich jetzt ein Stückchen Freiheit wieder“, sagte sie. „Wie schön ist es, dass wir in unserer Stadt so gute Menschen wie Euch haben. Ihr habt das Herz am richtigen Fleck.“ Es war zweifellos eine besondere Unterrichtsstunde: Man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

Guter Rat vom Lehrer

Die Schüler nahmen sich den klugen Rat ihres Klassenlehrers Jörg Neubert zu Herzen. Sie versprachen, die eigene Gesundheit und die ihrer Lieben nicht mehr als selbstverständlich hinzunehmen, sondern wertzuschätzen – künftig noch mehr als sonst. Schulleiter Steffen Strohhäcker und seine Stellvertreterin Anja Gauggel lobten die Klasse für ihr Engagement.

Die beiden Elternvertreter, Jochen Wienke und Bianca Hermann, fanden ebenfalls anerkennende Worte. Jörg Neubert indes betonte, die jungen Leute hätten aus eigenem Antrieb Initiative entwickelt: „Das macht mich als Klassenlehrer unglaublich stolz.“