Dort, wo aktuell das Collège Robert Schumann steht, soll die neue Donaueschinger Realschule gebaut werden. Doch bevor die Bagger anrücken, müssen erst noch die Kosten für den Neubau gesenkt werden. Quelle: Unbekannt

Ein Millionenprojekt soll günstiger werden: Fachleute beratschlagen, wie der Neubau der Realschule nicht so teuer wird wie befürchtet.

So manche Haushaltsberatung wurden schon von dem Großprojekt diktiert. Reichen 30 Millionen Euro? Ist die Zahl realistisch? Und macht es überhaupt Sinn, eine Deckelung einzuziehen, demzufolge der Neubau diese Kosten nicht übersteigen darf?

Projektbeiratmacht Einsparpotenzialeausfindig

Die Antwort auf alle drei Fragen ist jeweils ein deutliches Nein. Denn im Mai wurde der kostengünstige Entwurf, wie es damals bei der Entscheidung für die Pläne geheißen hatte, mit einer konkreten Zahl versehen: 45,8 Millionen Euro soll der Schulneubau die Stadt kosten. OB Erik Pauly sprach von einem "gewissen Schock". Denn die ursprüngliche Kostenschätzung hatte nur 30 Millionen Euro ausgewiesen.

Trotzdem stellte sich der Gemeinderat hinter das Projekt, wenn auch mit dem Willen, durch Einsparungen die Zahl doch etwas zu senken. Mittlerweile hat sich der Projektbeirat getroffen. Sein Ziel: sparen und noch einmal sparen. "Wir haben einige Einsparungspotenziale untersucht und konnten ganz ordentliche Einsparungen erzielen", sagt Dirk Anhorn, der mit seinem Büro Atrium Projektmanagement den Realschulneubau betreut.

"Ordentliche Einsparungen" lassen sich auch schon beziffern, nämlich auf 3,4 Millionen Euro. Dafür soll es zwar gestalterisch und technisch deutliche Änderungen geben, aber die Einschnitte sollen nicht so weit gehen, dass sie in das pädagogische Konzept eingreifen. Die Einsparungen kommen durch viele kleinere Punkte zusammen: So sollen beispielsweise die Lüftungsgeräte auf dem Dach hinter einem Sichtschutz positioniert werden, dafür können Teile des Untergeschosses gespart werden. Im restlichen Untergeschoss soll die Raumhöhe reduziert werden. Der Sonnenschutz soll an der Südseite beweglich, an der Nordseite feststehend sein. Die Sporthalle erhält Dachbinder aus Stahlbeton anstatt aus Holz.

Turnhalle fasst nun nur noch 600 statt 1000 Personen

Die Turnhalle der Schule war im ursprünglichen Konzept als Sport- und Veranstaltungshalle für 1000 Personen mit einer Tribüne über die ganze Hallenlänge vorgesehen. Hierzu wäre es allerdings nötig gewesen, den großer Technikbereich als zusätzlichen seitlichen Baukörper zu errichten. Der Projektbeirat hatte an dieser Stelle schon angesetzt. Die Halle wurde nun so gestaltet umgeplant, dass der Technikbereich ins Gebäude integriert und dafür die Tribüne verkleinert wird.

Herausgekommen ist eine Halle mit einem Fassungsvermögen von 600 Personen. Und die mit einer Mitteltribüne, einem Foyer, einem Bewirtungsraum sowie den sanitären Anlagen die Möglichkeit für Sportveranstaltungen mit Publikum und auch kulturelle Veranstaltungen bietet.

Die Alternative: eine reine Sporthalle, die zwar um 400 000 Euro billiger wäre, aber nicht zur Gesamtsituation in der Stadt passt. Denn Vereine haben kaum Hallen, in denen sie bewirten können. In der Kernstadt bietet einzig die Baarsporthalle die Möglichkeit. "Fakt ist, dass die Küchenzeile in der Baarsporthalle lediglich ein Waschbecken und eine kleine Ablagefläche beinhalten, welche unattraktiv in der Lager-Garage liegen", erklärt Erich Lafera, Sachgebietsleitung Vereinsförderung und Sport, in den Sitzungsunterlagen.

Hygienevorschriften und Abstände müsseneingehalten werden

Hygienevorschriften und Abstände könnten bei den beengten Verhältnissen nicht eingehalten und Speisen nicht adäquat vorbereitet werden. Zudem müssten Vereine Ausrüstung auswendig in die Baarsporthalle transportieren, was ebenfalls für Unmut sorge.

MBK-Cup des DJK Donaueschingen ab 2022 nach Bräunlingen verlegt

Ein Stehempfang oder sonstiges Beisammensein müsse im Gang, der als Fluchtweg dient, stattfinden. Dies finde keine Akzeptanz und sei auch sicherheitstechnisch bedenklich. Der DJK Donaueschingen habe bereits angekündigt, den MBK-Cup, ein Jugendfußball-Turnier mit Gästen wie SC Freiburg, VfB Stuttgart und FC St. Gallen, ab 2022 nach Bräunlingen zu verlagern. Hier seien eine moderne Halle und ein entsprechender Verpflegungsraum vorhanden. "Der Wegfall von Turnierveranstaltungen ist für Donaueschingen ein Verlust", sagt Erich Lafera.

Veranstaltungen sollen mit Bewirtung realisierbar sein

Letztlich soll beim Veranstaltungssegment aber nicht der Rotstift angesetzt werden. Die Einsparungen wären im Verhältnis zu den Auswirkungen zu gering.

Der Entwurf sei auch aus diesem Grund ausgewählt worden: Die Vereine sollen die Halle auch für Veranstaltungen mit Bewirtung nutzen können. Stattdessen will man nach weiteren Einsparungen suchen. Eine Idee ist, den Schulbau um einen Meter zu verkürzen.

Der Realschul-Neubau soll im südlichen Bereich des neu entstehenden Stadtviertels Am Buchberg entstehen, dort, wo aktuell das Collège Robert Schumann steht. Er wird damit Bestandteil eines neuen Quartiers, in das Donaueschingen viel Hoffnung setzt. 250 Wohneinheiten sollen entstehen und den Wohnungsmarkt entlasten. Mit dem Kino Cinebaar hat der Stadtteil auch bereits eine Kulturstätte. Erste Kostenschätzungen für den Realschulneubau waren von 30 Millionen Euro ausgegangen. Aktualisierte Berechnungen ergeben 45,8 Millionen Euro.