Die neue Realschule wird nicht aktiv gekühlt. Hitzewellen sollen sollen dennoch kein Problem sein, denn die Stadt plant mehrere andere Maßnahmen.
Der Beginn eines Schuljahres steht klassischerweise für den Aufbruch in etwas Neues – ob bei der Einschulung, dem Schritt von der Grundschule in eine weiterführende Schule oder einfach nur beim Sprung in die nächste Klassenstufe. In Donaueschingen bedeutet die Wiederaufnahme des Schulbetriebs am 15. September allerdings auch das Gegenteil. Dann beginnen nämlich die letzten Monate, in denen die Realschule noch in ihrem aktuellen Gebäude untergebracht ist.
800 Schüler werden hier unterrichtet
Wenn alles nach Plan läuft, dann soll die Realschule mit ihren etwa 800 Schülerinnen und Schülern zum zweiten Halbjahr im Februar 2026 in ihre neuen Gebäude am Buchberg umziehen. Seit April 2023 laufen die Arbeiten an der neuen Heimat der Realschule. Mit etwa 55,9 Millionen Euro ist es das teuerste Einzelbauprojekt der Stadtgeschichte.
Ob der Termin auch so eingehalten werden kann, kann die Stadtverwaltung noch nicht zu 100 Prozent sagen. „Die Inbetriebnahme eines so großen und technisch komplexen Gebäudes erfolgt nicht mal eben so, sondern ist ein Prozess“, sagt Stadtsprecherin Jennifer Schwörer zum Zeitplan. Ob alle entsprechenden Termine eingehalten werden könnten, werde sich in den kommenden Wochen zeigen. Aber die Stadt zeigt sich zufrieden mit dem Baufortschritt. Alles laufe nach Plan: „In den Innenräumen sind die Ausbauarbeiten in den oberen Stockwerken, insbesondere im ersten und zweiten Obergeschoss, so gut wie abgeschlossen“, so Schwörer. „Derzeit werden die Gerüste abgebaut, damit die Arbeiten für die Freianlagen beginnen können.“
Hitzeresistenz ist wichtiges Thema
Ein wichtiger Aspekt in der Planung der neuen Realschule war die Hitzeresistenz der Gebäude. „Bereits in der Planungsphase wurden Simulationsmodelle zum Prüfen des sommerlichen Wärmeschutzes berechnet und ausgewertet“, sagt die Stadtsprecherin. Im Juli hatte der Philologenverband Baden-Württemberg Kritik an den klimatischen Bedingungen während Hitzewellen an Schulen im Land geäußert.
Klimawandel erfordert Gegenmaßnahmen
„Es ist nicht hinnehmbar, dass Unterricht und Prüfungen in überhitzten Räumen stattfinden, in denen laut Arbeitsschutzrichtlinien faktisch nicht mehr gearbeitet werden darf“, sagte die Landesvorsitzende Martina Scherer damals in einer Pressemitteilung. „Es braucht endlich konkrete Maßnahmen statt leerer Appelle.“ Als Grund für ausbleibende Maßnahmen sieht Scherer, dass sich Land und Schulträger die Verantwortung für die Umsetzung gegenseitig zuschieben würden und keine Seite sich verpflichtet sehe, zu handeln.
Der Lehrerverband forderte schnelle Investitionen an allen Schulen unter anderem in Sonnenschutz, moderne Lüftung und Kühltechniken. An der neuen Realschule sind einige dieser Dinge bereits eingeplant, sagt Stadtsprecherin Jennifer Schwörer. „Wichtigstes Element ist immer ein effizienter Sonnenschutz.“ Am Neubau wird dieser aus Stoffschirmen im Erdgeschoss und an der Dreifeld-Sporthalle bestehen. An den Obergeschossen werden zudem Sonnenschutz-Lamellen an der Fassade angebracht, die an den Sonnenstand angepasst werden können. Die Massivbauweise des Gebäudes soll zudem ein Aufheizen im Sommer zumindest verzögern. Außerdem soll das knapp 56 Millionen Euro teure Bauprojekt eine Lüftungsanlage in allen Gebäuden bekommen – allerdings keine Klimaanlage. Eine Lüftungsanlage könne „über Nacht kühlere Luft ansaugen und somit zur Nachtauskühlung des Gebäudes beitragen“, so die Stadtsprecherin. Klimaanlagen zu verbauen sei bei solchen Bauprojekten häufig erstmal nicht vorgesehen. „Aktive Kühlungen sind meist nur der zweitbeste Weg, da die aktive Kühlung über Klimatisierungen viel Energie verbraucht. Die im Rahmen des kommunalen Energiemanagements geltenden Energieleitrichtlinien sehen dementsprechend vor, aktive Klimatisierungen möglichst zu vermeiden.“
Kühlfunktion ist nicht vorgesehen
Theoretisch könne die Lüftung auch um eine Kühlfunktion ergänzt werden, dies sei aber nicht vorgesehen. Simulationsmodelle hätten gezeigt, dass eine Kühlung durch die Lüftung und bei rechtzeitiger Nutzung des Sonnenschutzes nicht nötig sei, sagt Schwörer weiter. Schutz vor der Sonne soll es zusätzlich auch außerhalb der Gebäude geben. „Die Innenhöfe werden begrünt und bieten in den verschatteten Bereichen die Möglichkeit, dem Gebäude kühlere Luft zuzuführen. Bei den Freianlagen sind zahlreiche Bäume vorgesehen“, so Schwörer. Auch die Stützwand der Turnhalle zur Villinger Straße soll begrünt werden.
Weitere Flächen könne man jedoch nicht freimachen. „Eine Entsiegelung ist bei einem Schulhof leider kaum möglich, dieser benötigt befestigte Flächen“, heißt es. Dafür soll das Klima rund um den Neubau positiv beeinflusst werden, wenn sich mit dem umliegenden Park dann eine weitere Baustelle am Buchberg so langsam lichtet.
Immer mehr Hitzetage
Definition
Das Umweltbundesamt definiert als Hitzetage solche Tage, an denen die Höchsttemperatur die 30-Grad-Marke überschreitet. Im Zuge des Klimawandels hat die Anzahl an Hitzetagen deutlich zugenommen. Laut Daten des Deutschen Wetterdienstes lag die Anzahl solcher Tage deutschlandweit im Gebietsmittel seit 2018 nur im Jahr 2021 im einstelligen Bereich (4,5 Tage). Zwischen 1951 und 1993 gab es lediglich ein Jahr, in dem dem der Wert zweistellig war. Seit 2018 wurden drei der vier Jahre mit den meisten Hitzetagen seit 1951 gemessen.