Foto: Kauffmann

Von Burladingen über Hechingen nach Horb, von Hechingen nach Haigerloch, von Rangendingen über Hechingen nach Tübingen – und all das mit dem Zug? Jürgen Fischer, Mitglied des Hechinger Gemeinderats, setzt sich genau dafür ein.

Hechingen - Bei einer Ausschuss-Sitzung im Mai hatte Jürgen Fischer Flyer mit dem Titel "Bürger:innen Forum pro Reaktivierung der Eyach-Starzel-Bahn" verteilt und spricht schon vom "Bahnknoten Hechingen". Namentlich erwähnt sind darin: Dieter Rominger-Seyrich (Horb), Monika Fuhl (Horb), Jürgen Fischer (Hechingen), Willi Bürkle (Haigerloch), Anne Judersleben (Haigerloch), Magdalena Dieringer (Rangendingen).

 

Wir fassen den aktuellen Stand zur Reaktivierung der Eyachtalbahn mit Fragen und Antworten zusammen:

Auf der Strecke fahren Güterzüge und der Freizeitzug. Muss sie "reaktiviert" werden?

Wie das Verkehrsministerium Baden-Württemberg erklärt, sei die Strecke bereits "aktiviert". Und weiter: "Die Strecke der Eyachtalbahn ist bereits eine in Betrieb befindliche genehmigte und planfestgestellte öffentliche Eisenbahninfrastruktur." Streng genommen muss diese nicht "reaktiviert" werden, weil sie schon "aktiv" ist. In den allgemeinen Sprachgebrauch hat es der Begriff "Reaktivierung" dennoch geschafft.

Was muss getan werden, damit Personenzüge häufiger fahren dürfen?

Um eine Reaktivierung erfolgreich umzusetzen, ist ein attraktives Angebot erforderlich, das dem baden-württembergischen Landesstandard entspricht, teilt das Verkehrsministerium auf Nachfrage mit. Dies bedeute "mindestens einen Stundentakt, barrierefreien Zugang zu den Haltepunkten und Zügen sowie attraktive Reisezeiten bei einem Höchstmaß an Sicherheit für alle Fahrgäste und anderen Verkehrsteilnehmern". Dies sei auf der aktuellen Eisenbahninfrastruktur nicht möglich, da diese in erster Linie für den Güterverkehr im Ein-Zug-Betrieb ausgelegt ist.

Warum spricht sich Jürgen Fischer für die "Reaktivierung" aus?

Die Strecke ist "in gutem Zustand": Für ihn liegt es deshalb nahe, dort auch wieder Personen häufiger zu befördern. Stattdessen fahre nur noch der Freizeit-Touristenzug und Güterzüge. Wenn die Schienen die schweren Lasten aushalten, würden sie Personenzüge doch erst recht tragen können – so macht er auf das Kuriosum aufmerksam, dass auf der Strecke nur Güter, aber nicht so oft Personen transportiert werden. Die Strecke durchs Killertal nach Gammertingen wird schon heute "stark angenommen". Damit rechnet er auch für die Eyachtalbahn.

Was sagt Fischer zum Argument, dass doch ohnehin viele mit dem Auto fahren?

Bundespolitische Maßnahmen, zum Beispiel das 9-Euro-Ticket, begünstigten die Nachfrage. Warum also nicht die Strecken im Nahverkehr nutzen, zumal die Schienen schon liegen? Außerdem: Energiepreise und Preise für Kraftstoffe werden für viele zum Kostenfaktor und schon deshalb rechnet er mit höherer Nachfrage in Zukunft. Nachdem das Verbrenner-Aus beschlossen ist, stellt sich zu allem die Frage, wie erschwinglich das Autofahren in Zukunft sein wird.

Was würde die Eyachtalbahn Hechingen bringen?

Zuerst verbessere sich die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Hechingen würde zu einem "wichtigen Bahnknoten" werden, sagt Fischer. Nochmal aufgewertet würde die Eyachtalbahn, wenn sie in die Regionalstadtbahn aufgenommen wird. Ideal aus seiner Sicht wäre auch, die Strecke zwischen Eyach und Horb zu bauen, um so die Lücke zu schließen. Und natürlich: Die Anlagen entlang der Strecke müssten ertüchtigt und ausgebaut werden.

Wird der Lückenschluss Eyach-Horb forciert?

Im Rahmen der laufenden Machbarkeitsstudie von Regionalverband Neckar-Alb, den anliegenden Kommunen und dem Land wird unter anderem untersucht, inwieweit eine direkte Verbindung der Eyachtalbahn an die Bahnstrecke in Richtung Horb im Rahmen der Reaktivierung baulich möglich ist, teilt das Verkehrsministerium mit. Die Ergebnisse der Untersuchung stünden aus. Die Finanzierung der Studie erfolgt zum großen Teil aus Landesmitteln. Das Land unterstütze die Reaktivierung daher finanziell und inhaltlich. Die Maßnahmen, die an der Strecke realisiert werden müssen, sind jedoch umfangreich (siehe Info).

Wie steht das Verkehrsministerium zur Reaktivierung?

Die Eyachtalbahn ist eine der 42 Strecken Baden-Württembergs, die bei einer landesweiten Potenzialuntersuchung 2020 als "reaktivierungswürdig" eingestuft wurde. Die Finanzierung der Studie erfolgt zum großen Teil aus Landesmitteln.

Hat die Reaktivierung Gegner?

Die Gegner haben sich insbesondere in Rangendingen formiert. Sie monieren unter anderem, dass häufiger fahrende Züge die ländliche Idylle stören und Lärm machten. Jürgen Fischer versöhnlich: "Man muss sich überlegen, wie man die Gegner ins Boot holt." Allerdings merkt er auch an: "Die Idylle wird noch mehr gestört, wenn die Energiepreise explodieren." Jeder werde sich in Zukunft überlegen, wann er sich den Individualverkehr noch leisten kann." Zudem: Moderne Züge seien leiser und umweltfreundlicher unterwegs.

Diese Baumaßnahmen wären konkret erforderlich

Um auf der Strecke einen regelmäßigen Personenverkehr anbieten zu können, muss die Strecke infrastrukturell ertüchtigt werden. Dies umfasst eine Erhöhung der zulässigen Geschwindigkeit, die Verbesserung der Leit- und Sicherungstechnik, eine Erneuerung und technische Sicherung der bestehenden Bahnübergänge sowie die Sanierung und den Neubau von Haltepunkten und Bahnsteigen. Für den barrierefreien Zugang müssen neue Bahnsteige und Zugänge geschaffen werden, die es Nutzern von Rollatoren, Kinderwagen oder Rollstühlen ermöglicht, ohne fremde Hilfe den Zug zu besteigen. Ferner müssen Umsteigeanlagen zum Busverkehr geschaffen werden, welcher eine Zubringerleistung erfüllt und bei eintretendem Erfolg der Reaktivierung noch weiter ausgebaut werden müsste.