Nach dem Millionendiebstahl aus Schließfächern einer Sparkasse in Gelsenkirchen kündigen manche Banken in der Region an, ihre eigene Sicherheit zu überprüfen.
Mit einer Beute von möglicherweise mehr als 100 Millionen Euro konnten bislang unbekannte Täter aus dem Tresorraum der Sparkasse in Gelsenkirchen entkommen. Mit einem Diamant-Kernbohrer sollen sie sich an den Weihnachtstagen durch die Stahlbetonwand gebohrt und anschließend mehr als 3000 Schließfächer aufgebrochen haben. Bemerkt hat die Täter bei ihrer wohl rund zweitägigen Arbeit niemand. Der Millionen-Coup der Einbrecher gibt auch Banken in den Kreisen Freudenstadt und Tübingen zu denken. Sie nehmen Stellung zu den jüngsten Schließfachaufbrüchen in Gelsenkirchen und Halle (Westfalen) und bewerten ihre eigene Sicherheit.
Volksbank Raiffeisenbank Ammergäu
Rüdiger Sailer, der bei der Volksbank in Ergenzingen unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, teilt unserer Redaktion mit: „Die jüngsten Berichte über Einbrüche in Gelsenkirchen und Halle verfolgen wir aufmerksam. Die Vorgehensweise der Einbrecher, vor allem in Gelsenkirchen, war sehr professionell und wurde speziell auf die dortigen räumlichen und technischen Gegebenheiten abgestimmt.“ Daher könne dieser auch nicht eins zu eins auf andere Banken beziehungsweise Bankfilialen übertragen werden.
In Bezug auf die eigene Sicherheit sagt Sailer: „Wir sind der Meinung, dass sich unsere Kunden keine Sorgen um ihre Bankschließfächer machen müssen, nehmen aber die aktuellen Einbrüche zum Anlass, unsere Sicherheitsvorkehrungen noch einmal zu überprüfen.“
„Kein 100-prozentiger Schutz“
Der Banksprecher weist darauf hin, dass es einen 100-prozentigen Schutz leider nie gebe, daher empfehle die Bank ihren Kunden, die Wertgegenstände finanziell gegen Einbruch/Diebstahl, aber auch Beschädigung zum Beispiel durch Feuer oder Überschwemmung abzusichern. Dies sei oft bis zu einer gewissen Summe über die Hausratversicherung möglich, aber man biete auch Lösungen über spezielle Bankschließfachversicherungen an. Eine Dokumentation beziehungsweise ein Nachweis der Wertgegenstände sei für den Leistungsfall allerdings essenziell. Dies könne mit Hilfe von Inventarlisten, Kaufbelegen und Fotos erfolgen.
Sailer meint, dass trotz der aktuellen Berichterstattung das Bankschließfach eine der sichersten Optionen zur Verwahrung von Wertgegenständen bleibe. „Die private Lagerung zu Hause bietet in der Regel deutlich niedrigere Sicherheitsstandards und ein höheres Diebstahlrisiko“, sagt er.
Volksbank in der Region
Alina Renz, Pressesprecherin der Volksbank in der Region, teilt unserer Redaktion mit: „Bankschließfächer sind eine bewährte und verlässliche Möglichkeit, Wertgegenstände, wichtige Dokumente sowie persönliche oder ideelle Werte geschützt aufzubewahren.“ Auch bei der Volksbank in der Region seien sie Teil eines ganzheitlichen Sicherheitskonzepts. Aus nachvollziehbaren Gründen könne die Bank keine Auskunft über konkrete Sicherheitseinrichtungen oder -maßnahmen erteilen, da dies dazu beitrage, die Sicherheit der Kunden sowie der Einrichtungen auch künftig zu gewährleisten. Renz verweist auf die Beratung zu einem geeigneten Versicherungsschutz als zentralen Bestandteil beim Abschluss eines Bankschließfachs.
Volksbank Nordschwarzwald
Torsten Karle, Bereichsleiter Vorstandsstab / Personal bei der Volksbank Nordschwarzwald, sagt unserer Redaktion: „Der Einbruch in Gelsenkirchen ist ein außergewöhnlicher krimineller Vorfall, der derzeit von den Ermittlungsbehörden umfassend aufgearbeitet wird. Zu Details und Ursachen können wir uns nicht äußern. Nach unserer Kenntnis handelt es sich um einen Einzelfall, der nicht ohne Weiteres auf andere Kreditinstitute übertragbar ist. Für die betroffenen Kunden der Sparkasse, denen möglicherweise auch Gegenstände entwendet wurden, die einen sehr hohen persönlichen, ideellen Wert haben, ist der Raub sicherlich ein tragischer Vorfall.“
Karle meint, dass Bankschließfächer grundsätzlich ein hohes Sicherheitsniveau bieten würden. Eine generelle Verunsicherung halte man bei der Volksbank Nordschwarzwald daher nicht für angebracht. Die Bankschließfächer würden den den branchenüblichen Sicherheitsstandards entsprechen. „Diese Standards werden regelmäßig überprüft und fortlaufend an neue Erkenntnisse angepasst“, teilt Karle mit. Auch unabhängig von aktuellen Vorfällen überprüfe die Bank ihre Sicherheitskonzepte regelmäßig und entwickle diese bei Bedarf weiter. Zur konkreten Sicherung der eigenen Schließfächer sagt Karle: „Unsere Schließfächer befinden sich in gesicherten Räumlichkeiten und sind durch bauliche, technische und organisatorische Maßnahmen geschützt. Zu den einzelnen Maßnahmen machen wir aus Sicherheitsgründen keine detaillierten Angaben.“
Empfehlung an Kunden
Kunden mit einem Schließfachfach empfiehlt er, den Inhalt ihres Schließfachs sorgfältig zu dokumentieren. Karle sagt: „Der Inhalt eines Bankschließfachs ist der Bank nicht bekannt. Im Schadenfall ist es daher erforderlich, dass Kundinnen und Kunden den Inhalt möglichst nachvollziehbar nachweisen können, etwa durch Inventarliste, Kaufbelege, Fotos oder Wertgutachten.“ Zudem solle der eigene Versicherungsschutz regelmäßig überprüft werden. Je nach Vertragsgestaltung könne eine Hausratversicherung Schließfachinhalte mit abdecken, häufig jedoch nur bis zu bestimmten Höchstgrenzen. Bei höheren Werten könne eine zusätzliche Absicherung sinnvoll sein.