Der Halt von Regional-Express-Zügen ist ein gewohntes Bild im Lahrer Bahnhof. Ein ICE stoppt hier dagegen nun nicht mehr. Foto: Wendling

Von der Bahn gibt es nun eine ausführliche Stellungnahme zum Wegfall von ICE-Halten in der Ortenau. Sie enthält keine Signale für ein mögliches Entgegenkommen.

Der Lahrer Gemeinderat verabschiedete in seiner letzten Sitzung des Jahres eine Resolution, um gegen die überraschende Streichung des ICE-Halts am hiesigen Bahnhof zu protestieren – und um den ICE-Halt letztlich zurückzubringen.

 

Das dürfte indes ein hoffnungsloses Unterfangen sein, liest man das Schreiben, das Clarissa Freundorfer, Bahn-Konzernbevollmächtigte für das Land Baden-Württemberg, Johannes Fechner geschickt hat. Der SPD-Bundestagsabgeordnete hatte die Bahn um Auskunft zum Wegfall wichtiger Zughalte in Lahr und Offenburg gebeten. Die Antwort hierauf hat er unserer Redaktion zur Verfügung gestellt.

Freundorfer betont in ihrem Schreiben, dass der Halt des ICE 266/267 Basel - Karlsruhe – Stuttgart – München in Lahr „leider nicht mehr möglich“ sei. Denn im Rahmen bundesweiter Angebotsoptimierungen müssten die ICE-Linien auf der bereits dicht belegten Strecke im Oberrheintal teilweise neue Zeitlagen und andere Zwischenhalte bekommen. Das sei zur Stabilisierung des Fahrplans, sprich um Verspätungen zu vermeiden, notwendig.

2026 greife dabei aufgrund der verspäteten Inbetriebnahme des Rastatter Tunnels noch ein übergangsweises Haltekonzept: In Offenburg hält demnach dann zweistündlich statt der ICE-Linie nach NRW neu die ICE-Linie via Hannover nach Hamburg.

Zusammen mit der ebenfalls zweistündlichen ICE-Linie nach Berlin würden sich für Offenburg dadurch statt des bisherigen ICE-Stundentakts vorübergehend ICE-Abfahrten im etwas ungünstigeren Abstand von 30 beziehungsweise 90 Minuten. „Sobald die infrastrukturellen Voraussetzungen gegeben sind, wollen wir wieder einen Stundentakt umsetzen“, verspricht Freundorfer.

In den ICE nach München sind in Lahr im Schnitt 20 Passagiere eingestiegen

Ein Halt in Lahr mit ICE 266/267 hätte unter diesen neuen Bedingungen zu einem Trassenkonflikt auf dem Streckenabschnitt zwischen Basel und Freiburg geführt. „Um das zu verhindern, müssen die beiden bisher in Lahr haltenden ICE-Züge in Fahrtrichtung Nord künftig zwischen Baden-Baden und Freiburg/Basel um rund zehn Minuten beschleunigt werden“, heißt es von der Bahn.

Nur durch den Wegfall des Lahr-Halts könnten stark nachgefragte Nah- und Fernverkehrszüge in der Region auch weiterhin angeboten werden, die ansonsten hätten entfallen müssen.

In den ICE Richtung München seien in Lahr im Schnitt morgens nur rund 20 Reisende eingestiegen. Sie könnten nun ja ab Offenburg mitfahren, so Freundorfer. Auf die Resolution des Gemeinderats zum Erhalt des ICE-Stopps in Lahr kommt sie in ihrem Schreiben an Fechner nicht explizit zu sprechen, der Antwort kann man aber entnehmen, dass die Bahn an dieser Entscheidung nicht zu rütteln gedenkt.

„Im Zuge von bundesweiten Fahrplanänderungen ist es gewohnte Praxis, dass es sowohl gute als auch schlechte Nachrichten gibt“, äußert sich die Konzernbevollmächtigte für das Ländle. Man habe nun mal „zur Stabilisierung der betrieblichen Lage einige Änderungen umsetzen müssen“. Insgesamt bleibe die Region „aber auch im kommenden Fahrplan mit rund 40 Fernverkehrshalten in Offenburg sehr gut angebunden, ebenso über viele schnelle Umsteigeverbindungen via Karlsruhe“.

Diese Probleme gibt es in Offenburg

Nicht nur Lahr, sondern auch Offenburg hat mit dem Fahrplanwechsel einen ICE-Halt verloren, nämlich den morgendlichen ICE 1178 von Basel nach Stuttgart (Offenburg ab 6.54, Montag bis Freitag). Bei vielen, auch von Pendlern genutzten Fernverkehrszügen sei die Nachfrage spürbar zurückgegangen, äußert sich Freundorfer hierzu in ihrem Antwortschreiben an Fechner. Nicht nur die große Konkurrenz durch das günstige Deutschlandticket, sondern auch der zunehmende Trend zum Homeoffice sowie die vermehrten Online-Meetings spielten dabei eine Rolle.

Schwach nachgefragten Einzelverbindungen müsse man prüfen – „gerade dann, wenn diese außerhalb der regulären Taktlagen verkehren und damit die Komplexität im Betrieb erhöhen“, so Freundorfer. Auf den ICE 1178 treffe das in besonderem Maße zu: Dieser verkehre auf einem zeitaufwendigen Umweg via Mannheim in die Landeshauptstadt.

Im Schnitt hätten ihn daher lediglich vier Fahrgäste von Offenburg bis Stuttgart genutzt; die meisten Passagiere stiegen in Mannheim aus, wo fast alle ICE-Züge aus Offenburg halten. Diese Verbindung habe aus Sicht der Bahn daher keinen wirklichen Mehrwert geboten – abzulesen an der schwachen Nachfrage.