Der proppenvolle Saal in der Schlossberghalle in Unterkirnach stand Kopf: Der Jubiläumsball der Kürnach-Hexen geriet zu einem rauschenden Geburtstagsfest.
Traditionell gab der Musikverein beim Einmarsch den Ton an, gefolgt von den Kürnachhexen samt Hexenmeister. Das Publikum fiel sofort in den Rhythmus ein und klatschte mit.
Die beiden ansagenden Hexen formulierten zu Beginn dennoch etwas zurückhaltend: „Wir wollen die Gäste überzeugen.“ Dies tat der Hexennachwuchs bei seinem Tanz in den Hexenhäsern auf der ganzen Linie.
In grünes Licht getaucht wirbelten die Jüngsten gekonnt bei ausgewählter Musik über die Bühne. Gerne gab der Hexesome eine Zugabe, die jüngste Tänzerin ist gerade mal drei Jahre alt.
Geschichte des Vereins
Ein Abriss der Geschichte des Vereins durfte beim Jubiläumsball nicht fehlen. Beim Stammtisch im Schlossbergstüble wurde der Verein im Jahr 1995 gegründet. Markenzeichen der Unterkirnacher Hexen ist ihr aufwendig gestaltetes und in Naturfarben gehaltenes Häs – „nichts von der Stange“, entworfen von Conny Roth. Schon 1996 nahmen die „Lagerfeld-Hexen“ erstmals im neuen Häs an der Fastnacht teil. Heute kaum mehr vorstellbar, doch 2014 zählten die Kürnach-Hexen nur noch 14 aktive Mitglieder.
Schwere Zeit vergessen
Diese schwere Zeit war beim jüngsten Hexenball schnell vergessen, zählen die Kürnach-Hexen doch heute rund 50 aktive Mitglieder. Zahlreiche Jubilare galt es beim Ball zu ehren für zehn-, 20- und 30-jährige Zugehörigkeit. Gründungsmitglied Toni Peter wurde eine besondere Ehre zuteil: Er bekam eine Hexenmütze mit goldenem Bommel überreicht.
Anschließend ging es Schlag auf Schlag weiter im Programm. Die Lumpenskapelle hatte keine Mühe, mit den selbst gedichteten Stücken für beste Laune zu sorgen. Das Publikum fiel gerne vielstimmig beim Kürnach-Hexen-Walzer ein: „Auf dem Besen quer fliegen sie hin und auch her“. Die vier Klangweiber Simone & Co. und Franz Biegert waren für viele Lacher gut, egal ob die Mädels als glückliche Witwen oder beim typischen Wirtshausbesuch brillierten.
Garant für gute Laune
Ein Garant für gute Laune ist ebenfalls das Männerballett. In typisch holländischer Tracht inklusive Holzschuhen war die Zugabe zu „Tulpen aus Amsterdam“ obligatorisch.
Franz Biegert erinnerte in seinem Solo an die verrückten 90er und nahm zur Gaudi des Publikums das spontan aufgenommene Playback zur Hilfe. Der Profi auf der Bühne meisterte auch technische Probleme wie laute Rückkopplungen souverän.
Nach der Pause standen die Beiträge im Zeichen der Landtagskandidatur von Bürgermeister Andreas Braun. Die Lumpenskapelle dichtete: „Mr. Braun will abhaun – Ortsverschuldung, ein bisschen Größenwahn“. Der Schultes ließ es sich nicht nehmen, selbst ans Rednerpult zu treten und sorgte so für einen unangekündigten Programmpunkt. Braun dichtete eine Lobrede für die Jubilare: „Ganz Unterkirnach – ja, ganz d’Kirne – stoht hinter Euch, isch stolz auf Euch – un freut sich g’leich“.
Die so gefeierten begeisterten bei ihrem Hexentanz im Nebel, bevor die Klangweiber Simone & Co. ihren zweiten Beitrag zum besten gaben. Der manchmal schwarze Humor kam bestens an. Zum Smokie-Hit „Substitute“ reimte das weibliche Quartett mit Franz Bieger „Mir duet de Schnaps nit guet“. Köstlich! Die tanzende Feuerwehr wurde als „nicht von dieser Welt“ vorgestellt. Die Jungs in ihrer Arbeitskluft ließen den Saal toben. Die Bühne gehörte zum Schluss den Fanfarenfetzern. Die Guggenmusiker fetzten los, was das Zeug hielt, irgendwann stand der ganze Saal auf und tanzte mit.