Die Stadt verabschiedet sich von den geplanten Containern und setzt stattdessen auf Provisorien im bestehenden Schulgebäude.
Seit vielen Jahren schwelt das Raumproblem der Grund- und Werkrealschule Sulgen (GWRS). Im November 2022 rang man sich schließlich zu einer Entscheidung durch: Einstimmig befürwortete der Verwaltungsausschuss (VA) als Zwischenlösung das Aufstellen von Containermodulen und beauftragte die Verwaltung, die erforderlichen Schritte in die Wege zu leiten und zu planen.
Am Mittwochabend, fast dreieinhalb Jahre später, rückte das Thema wieder zurück auf „Los“. Der VA beauftragte die Verwaltung einstimmig, eine ganz neue Variante „zügig umzusetzen“: Statt der Containermodule (Variante 1) soll es „Umstrukturierungen im Bestandsgebäude“ (Variante 2) geben. Die Stadtverwaltung war dafür gemeinsam mit der Schulleitung im weitläufigen GWRS-Gebäude auf die Suche gegangen. Zur Ausbeute gehörten schließlich unter anderem ein nicht genutzter Physikraum, die Empore der Turn- und Festhalle, Räume im Keller und der Pavillon im Schulhof.
Kellerräume mit Fenster
Während die aus pädagogischer Sicht zu favorisierende Variante 1 laut Beschlussvorlage zwischen rund 4440 Euro und 6950 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche kosten würde, liegt die von der Verwaltung favorisierte Variante 2 (Umnutzung) bei unschlagbaren 476 Euro pro Quadratmeter.
Aber auch die günstige Lösung ist keine schnelle: „Der notwendige Umnutzungsantrag kann die Umsetzung teilweise bis ins nächste Jahr verzögern“, heißt es in der Vorlage.
Zum Beginn der Aussprache beeilte sich Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr zu ergänzen, dass die fraglichen Kellerräume Fenster und Tageslicht hätten und dass man insgesamt „gesetzeskonform“ unterwegs sei. Thomas Brantner (CDU) bedauerte, dass man weiterhin um eine Doppelnutzung nicht herumkomme, aber „wir müssen in den sauren Apfel beißen“. Ganz wichtig sei jedoch, dass man so schnell wie möglich in die Umsetzung komme – im Sinne der immer wieder enttäuschten Schüler und Eltern.
„Ein Klassenzimmer ist ein Klassenzimmer“
Ralf Rückert (Freie/Neue Liste und Vorsitzender des Stadtverbands für Sport) hätte lieber die erste Variante. Die Doppelnutzung der Mediathek und der Klassenzimmer für Unterricht und Betreuung sei problematisch: „Ein Klassenzimmer ist ein Klassenzimmer.“ Aber er sehe auch die Sachzwänge der Haushaltssituation. Bei der Umgestaltung des Physikraums mit einem fest installierten Lehrertisch könne er jedoch „nicht mitgehen“, der sollte besser mobil sein.
Doppelnutzung
Alles, was ohne Baugenehmigung gemacht werden könne, werde die Stadt ganz schnell umsetzen, versprach Eisenlohr. Den Vorschlag mit dem Lehrertisch werde man prüfen. Hochbau-Abteilungsleiter Etienne Seif ergänzte, er werde erforderliche Bauanträge so bald wie möglich in der Baurechtsabteilung stellen. Der Umbau des Physikraums gehe rasch, weil keine Nutzungsänderung geplant sei.
Tanja Witkowski (SPD/Buntspecht und geschäftsführende Schulleiterin) kritisierte: „Schon vor vier Jahren haben wir mehr Räume versprochen – und haben sie immer noch nicht.“ Die Doppelnutzung fand sie problematisch, auch der Aufsichtsaufwand sei größer durch die im Gebäude verteilten Räume.
Stellungnahme versandet
Nur kurz kamen Kindergartenkoordinatorin Vanessa Scheibner und GWRS-Konrektorin Pamela Trautwein in der Aussprache zu Wort. Die umfangreiche Stellungnahme der GWRS fand ihren Niederschlag lediglich in einer Präsentationsfolie: Die Schule sprach sich für die Containerlösung aus und hatte Bedenken zur Variante 2, unter anderem wegen der Doppelnutzung und der „Kellerräume“.
Aktuell besuchen circa 300 Grundschüler die Schule im Schuljahr 2025/26. Rund 70 nutzen den Ganztag und circa 150 die Verlässliche Grundschule. 220 der 300 Grundschüler verbringen somit ihre Mittagszeit in der Schule – zusätzlich zu den Werkrealschülern, die Nachmittagsunterricht haben.