Vom Vulkanologen zum Raumfahrer: Astronaut Alexander Gerst wird an diesem Sonntag 50 Jahre alt.
Kann man im Weltraum Fußball spielen? Ja! Alexander Gerst hat das 2014 mit zwei Astronautenkollegen auf der Internationalen Raumstation (ISS) demonstriert. Kreuz und quer flogen sie in der Station hin und her. Mal schnappte Gerst als Torwart den Ball weg, mal brillierte Reid Wiseman mit einem Fallrückzieher. Den Weg des deutschen Teams zum Weltmeistertitel in Brasilien verfolgte Gerst während seines ersten Raumflugs, der etwas mehr als fünf Monate dauerte, von der ISS aus.
So gut wie die ganze Welt hatte der Geophysiker, der am Sonntag seinen 50. Geburtstag feiert, schon vor diesem Raumflug gesehen. Geboren in Künzelsau machte er Abitur im nahe gelegenen Öhringen, studierte in Karlsruhe und Wellington in Neuseeland und promovierte in Hamburg. Sein Spezialgebiet Vulkanologie führte den Forscher auf alle Kontinente dieser Erde. Dass er den Planeten eines Tages komplett würde überblicken können, stand im November 2010 fest – Gerst schloss die Ausbildung bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa zum Astronauten erfolgreich ab.
In einem Sojus-Raumschiff flog er erstmals zur ISS
Schließlich startete er am 28. Mai 2014 in einem Sojus-Raumschiff erstmals zur ISS. Auch sein zweiter Raumflug führte Alexander Gerst zur ISS, wieder flog er in einer Sojus. Die „Horizons“ genannte Mission begann Anfang Juni 2018 und dauerte sechseinhalb Monate.
Ein ungewöhnliches Problem hatte der Esa-Astronaut vor dem Start gelöst. Gerst war davon ausgegangen, dass Sigmund Jähn wie schon 2014 in Baikonur sein werde. Doch Jähn hatte diesmal keine Einladung erhalten, wie er in einem Interview erzählte. Das sagte er auch Gerst bei einem Telefonat wenige Wochen vor dem Flug. Zwei Tage später sei die Einladung gekommen: „Das hatte Alex durchgesetzt, das macht nicht jeder“, sagte Jähn. Der erste deutsche Raumfahrer, der 1978 für eine Woche auf der sowjetischen Raumstation Saljut-6 arbeitete, hatte über viele Jahre Esa-Astronauten begleitet, während sie für Flüge in den russischen Raumschiffen ausgebildet wurden.
Aus einer Woche wurden drei Monate
Am 3. Oktober 2018 übernahm Alexander Gerst auf der ISS das Kommando. Geplant war, dass er für gut eine Woche mit Serena Auñón-Chancellor und Sergej Prokopjew den Betrieb der Station und das Forschungsprogramm sichert. Doch der neue Kommandant stand bald vor einer Herausforderung – aus einer Woche wurden rund zwei Monate mit einer nur dreiköpfigen Besatzung. Der Start der nächsten Mannschaft war gescheitert, wobei die Notfallsysteme der Sojus-Rakete funktionierten, die beiden Raumfahrer blieben unverletzt.
Das hinderte „Astro-Alex“, wie er in sozialen Netzwerken heißt, jedoch nicht, weiter unterhaltsam über seine Arbeit im All zu berichten. Begleitet wurde er dabei etwa von der Maus und dem Elefanten, mit denen er in der „Sendung mit der Maus“ vom Alltag in der ISS erzählte. Sehr nachdenklich und besorgt äußerte er sich dagegen kurz vor dem Abschluss seines zweiten Raumflugs über die Lage auf dem Planeten Erde mit seiner „Nachricht an meine Enkelkinder“.
Die Landung auf dem Mond hat er schon mal geübt
Aktuell ist Alexander Gerst unter anderem für die Ausbildung der nächsten Gruppe von Esa-Astronauten in Köln mitverantwortlich. Im Zuge des Artemis-Programms der Nasa für eine Landung auf dem Mond soll ein Europäer an Bord sein. Dafür ist Gerst ein Kandidat ebenso wie Matthias Maurer. Die beiden deutschen Esa-Astronauten waren deshalb im vergangenen Oktober in einem Bundeswehrstandort im Allgäu zu Gast. Mit Hubschraubern übten sie in schwierigen Alpentälern Landungen und Starts – ein Training für eine Landung auf dem Mond.