Brandmeldealarm, dichter Rauch aus dem historischen Albstädter Rathaus im Herzen von Ebingen. Was ist das los? Zahlreiche Schaulustige haben am Samstag beobachtet, wie die Feuerwehr bei einer Prüfung zwei Personen gerettet und Kirchturmdenken abgeschafft hat.
Jeder löscht seinen eigenen Brand? Die Zeiten sind vorbei in Albstadt. 21 Feuerwehrleute aus sechs Albstädter Stadtteilen sind am Samstagnachmittag ins Herz der Ebinger Innenstadt ausgerückt, weil der Brandmelder im Rathaus angeschlagen hat.
In Kooperation mit den Feuerwehren Balingen, Grosselfingen und Rangendingen bildet die Feuerwehr Albstadt künftig aus, und diesmal sind es 21 Teilnehmer, darunter zwei Frauen, die ihre Ausbildung zum Truppführer bestanden haben.
Basis dafür ist der Erfolg der Übung am historischen Rathaus, wo ein Brand im kleinen Sitzungssaal gemeldet wurde. Eine Putzkolonne werde vermisst, so die Botschaft des Hausmeisters. Zwei Personen seien irgendwo, nur nicht auffindbar.
Tatsächlich raucht es gehörig – aus dem Rathaus, wie es scheint. Bei näherer Betrachtung ist ein Pyrotechniker am Werk, lässt es qualmen aus einem Topf im Windfang vor dem Haupteingang, und hat vorsichtshalber eine Plane gespannt, damit kein Rauch ins Gebäude dringt. Wenngleich es sich um eine gänzlich ungefährliche Räuchermischung handelt, wie ein Insider verrät.
Auf der Marktstraße bleiben Passanten stehen und wundern sich. Was geht da vor? Martinshorn hat keiner gehört, und zahlreiche Feuerwehrleute in Uniform stehen tatenlos dabei, darunter mehrere Abteilungskommandanten und Stadtbrandmeister Michael Adam. Warum tun sie nichts?
Ganz einfach: Es ist Aufgabe der künftigen Truppführer, ins Gebäude einzudringen, mit Atemschutz zum kleinen Sitzungssaal vorzustoßen, dessen Tür warm ist, wie Patrick Bohn erklärt – Hinweis auf einen Brand im Raum. Der künftige Ausbildungsleiter der Feuerwehr Albstadt und der kommissarische, Fabian Matzke, leiten die Prüfung der 21 Aktiven aus Ebingen, Onstmettingen, Margrethausen, Lautlingen, Laufen und Pfeffingen.
Diese löschen „trocken“ wie Bohn berichtet. Schließlich stünde ein Wasserschaden im Sitzungssaal mit seinen vertäfelten Wänden, dem schönen Boden und den schmucken Fahnen in keinem Verhältnis – auch wenn die Übung natürlich wichtig ist und wertvoll. Vor allem unter dem Aspekt der Zusammenarbeit, wie Stadtbrandmeister Michael Adam betont. Mit der Ausbildungskooperation, der sich nach Balingen, Grosselfingen und Rangendingen, wie er hofft, noch weitere Feuerwehren im Zollernalbkreis anschließen werden, sei die Zeit des Kirchturmdenkens schließlich und endlich vorbei. Höchste Zeit, findet nicht nur Adam.
Auch Bürgermeister Steve Mall, der mit seinem Sohn und zufriedenem Blick die Prüfung verfolgt, ist voll des Lobes über den gut koordinierten Einsatz. Er und Adam loben die Akteure für ihr besonnenes, beherztes und dabei ruhiges Vorgehen – besonders wichtig, damit keine Panik aufkommt in der belebten Fußgängerzone.
Außer bei den beiden von der „Putzkolonne“, die hilflos im Rathaus liegen und geborgen werden müssen. Feuerwehrleute mimen sie – zum Leidwesen ihrer Kameraden nicht gerade die kleinsten unter den Albstädter Aktiven.
Einer muss nur gestützt werden beim Verlassen des Rathauses, der zweite getragen, und damit haben die Aktiven gut zu tun. Als er am Kopf der Rathaustreppe seine Trage verlässt, scheint er selbst erleichtert und nimmt lachend Glückwünsche zu seiner „Rettung“ entgegen. Ende gut, alles gut. Und Albstadt hat 21 neue Truppführer.