Die Wölfe kommen immer mehr in den Ortenaukreis. Foto: Gabbert/dpa

Natur: Nachbarregionen im Schwarzwald deutlich stärker betroffen

Ortenau/Schwarzwald - Wölfe rücken immer mehr auch in den Ortenaukreis vor. Das zeigt eine Übersicht der Wolfs-Nachweise der vergangenen Jahre. Zehn Schafe wurden nachweislich von Wölfen gerissen. Nicht immer bekamen die Besitzer Ersatzzahlungen des Landes.

Der Wolf ist im Schwarzwald längst heimisch. Im Nordschwarzwald lebt das Exemplar mit der amtlichen Bezeichnung "GW852m", im Südschwarzwald ist "GW1129m" zu Hause. Beide Tiere sind männlich und wurden erstmals in Niedersachsen nachgewiesen.

In den vergangenen Jahren gab es im Landkreis fünf nachgewiesene Wolfsfälle. "GW852m" war dabei gleich mehrfach in der Ortenau unterwegs. Der erste Wolf, der im Landkreis auftauchte, wurde vor sechs Jahren, 2015, auf der A 5 bei Mahlberg überfahren. Er stammte aus der Schweiz vom sogenannten "Calanda-Rudel". Reste von ihm kamen in ein Museum. Es dauerte dann vier weitere Jahre, bis der nächste Wolf auftauchte, im Januar 2019 in Wolfach-Kirnbach, eben besagter "GW852m". Nur wenige Tage später wurde in Oppenau ein Wolf genetisch nachgewiesen, auch er riss Schafe, konnte aber nicht näher identifiziert werden, wie das Umweltministerium Stuttgart auf seiner Übersicht zu den landesweiten Wolfsbeobachtungen darstellt. Im Herbst 2019 schlug Wolf "GW852m" erneut in Oppenau zu.

Der jüngste sicher nachgewiesene Wolfsfall im Landkreis spielte dann Ende April dieses Jahres wieder im Kinzigtal, in Mühlenbach, wo vier Schafe zu Tode kamen. Und nur unweit von Mühlenbach, in Hausach, wurde Ende Mai der Kadaver eines jungen Rin-des gefunden, das möglicherweise auch durch einen Wolf ums Leben gekommen sein könnte. Doch in diesem Fall stehen die Untersuchungen noch aus, wir hatten berichtet. Geprüft wird das aktuell noch von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg (FVA). Mitarbeiter der FVA waren innerhalb kürzester Zeit in Hausach beim betreffenden Landwirt zur Stelle und sicherten Spuren.

Fünf sichere Fälle in sechs Jahren in der Ortenau. Das ist wenig, verglichen mit direkt angrenzenden Gebieten. Die Landesübersicht des Ministeriums zeigt, dass es allein im Bereich von Baiersbronn und Forbach etwas weiter nordöstlich jeweils 22 nachgewiesene Wolfssichtungen gab, zumeist nachgewiesen durch Film- und Fotoaufnahmen von Wildtierkameras, aber auch nach Nutztier-Rissen. Nicht immer war deshalb eine genaue Zuordnung möglich, um welchen Wolf es sich gehandelt hatte.

Eine Liste des Nabu zeigt, in welchen Fällen von Nutztier-Rissen das Land Fördergeld als Entschädigung bezahlte. In Wolfach gab es bei einem toten Schaf 200 Euro, in Oppenau 250 Euro für zwei Schafe. Doch im zweiten Oppenauer Fall ging der Halter leer aus: Er hatte offenbar keinen ausreichenden Schutz für die Schafe eingerichtet.

Das Umweltministerium Stuttgart und die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt fordern Bürger auf, Beobachtungen mit Wölfen zu melden, um mehr über die Wolfspopulation im Schwarzwald zu erfahren. Man sollte diese Beobachtung der Naturschutzbehörde im Offenburger Landratsamt, beim Regierungspräsidium oder direkt beim Wolfsmonitoring unter Telefon 0761 – 401 82 74 in Freiburg melden.

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