In Lahr soll einmal die perfekte Welle geritten werden können, wenn es nach Investor Mario Gerlach geht. Foto: Hollemann

Im Ortschaftsrat Hugsweier gab es einhellige Zustimmung für die Pläne, die Freizeiteinrichtung am Flugplatz zu errichten. Kritische Fragen stellten die Ratsmitglieder nach dem erwarteten Lärm – sie forderten, dass er durch einen „Gewerberiegel“ verringert werden soll.

Bei Ratsversammlungen und Info-Veranstaltungen in Langenwinkel, bei denen es um den geplanten Klinik-Neubau dort ging, sahen sich die Vertreter der Stadt teils einem Sturm der Entrüstung ausgesetzt. Ganz anders verlief dagegen jetzt die Sitzung des Ortschaftsrats von Hugsweier, in der die Pläne behandelt wurden, am Flugplatz einen Surfpark zu errichten.

 

Die dafür vorgesehene Fläche ist 120 Meter von den ersten Wohnhäusern von Lahrs nördlichsten Stadtteil entfernt. Betrachten die Ratsmitglieder den Surfpark deshalb als Störfaktor? Nein, gar nicht, in der Sitzung gab es interessierte, aber kaum richtig kritische Fragen. Die Vertreter der Stadt – Bürgermeister Guido Schöneboom, Wirtschaftsförderer Robin Derdau und IGZ-Chef Daniel Halter – erlebten als Gäste so einen entspannten Abend.

Sie sahen sich keinem Gegenwind ausgesetzt, noch nicht Mal einer steifen Brise, um im Bild zu bleiben, vielmehr gab es sogar Rückenwind für die Surfparkpläne. Denn nachdem das Dorfgremium darüber gesprochen hatte, wurde abgestimmt, wobei alle Ratsmitglieder für das von der Stadt geplante weitere Vorgehen votierten. Demnach soll im nächsten Schritt der Gemeinderat vertiefende Prüfungen des Standorts sowie den Entwurf eines städtebaulichen Vorvertrags mit Investor Mario Gerlach veranlassen.

Schöneboom verrät, dass aus ihm kein Surfer wird

Eine bindende Wirkung hat der Beschluss des Ortschaftsrats nicht – der kommt erst der Abstimmung im Gemeinderat am kommenden Montag zu. Gleichwohl hat es symbolische Bedeutung, dass man im Stadtteil den Surfparkplänen aufgeschlossen gegenübersteht – entsprechend war Schöneboom und Co. die Erleichterung anzumerken, als dieser Tagesordnungspunkt nach einer Stunde vorüber war.

Gerade Schöneboom hatte zu Beginn der Sitzung für die Surfparkpläne geworben. Der Bürgermeister warf die Frage auf, „was die Menschen brauchen“. Und lieferte die Antwort, dass viele sehr gern surfen und bereit seien, dafür einen weiten Anfahrtsweg in Kauf zu nehmen. Es sei eine olympische, boomende Sportart. Sprich die Nachfrage sei da. Auch wenn er selbst sich dort nie auf ein Surfbrett stellen werde, wie er verriet.

Geplant sei dabei nicht „ein Europa-Park 3.0“, wie Schöneboom es formulierte. Sondern eine kleinere, nachhaltige Freizeiteinrichtung, für die nun vertiefende Untersuchungen eingeleitet werden sollten, etwa im Hinblick auf Lärmschutz und Altlasten. Noch sei lange nichts spruchreif, „wir sind in einem sehr frühen Stadium“, betonte der Bürgermeister.

Stadt verspricht, Lärm-Sorgen ernst zu nehmen

Günter Noll war der Erste aus dem Rat, der eine kritische Anmerkung hatte. „Die größten Bedenken gelten dem Lärm“, merkte der Sozialdemokrat an. Ob und wie laut es in Hugsweier durch den Surfpark wird, vermochte natürlich keiner der Stadt-Vertreter zu sagen – das soll ja erst noch herausgefunden werden. Aber sie versicherten, diese Sorgen ernst zu nehmen. Noll brachte einen „Gewerberiegel“ am südlichen Ortsrand von Hugsweier ins Gespräch, also gewerblich genutzte Bauten, die wie ein Lärmschutz wirken würden. Schöneboom versprach, dieses Ansinnen in die Vorlage für den Gemeinderat aufzunehmen.

Christopher Rubin (CDU) kam auf die Container-Siedlung für Flüchtlinge am Flugplatz zu sprechen und fragte, ob es nicht möglich sei, sie an einen anderen Ort zu versetzen. Hintergrund ist, dass die Anlage eine Lücke in die vorgesehene, zwölf Hektar große Surfpark-Fläche reißt und auf den Plänen wie ein Fremdkörper wirkt. Schöneboom erwiderte, dass noch gar nicht sicher sei, ob die kompletten zwölf Hektar gebraucht werden. Eventuell komme man deshalb auch ohne den Bereich um die Container aus.

Größere Wasserfläche im Seepark als im Surfpark

Ohnehin sei Investor Mario Gerlach eher an dem weiter westlich, näher zur Landebahn gelegenen Gebiet interessiert, war von den Stadt-Vertretern zu hören. Da dort das Ambiente für ihn attraktiver sei. Zurzeit sei man dabei, gemeinsam mit Gerlach das „Lay-Out“ für den Surfpark zu entwickeln, erläuterte Halter. Der IGZ-Chef betonte, dass das Projekt intern standardmäßig bearbeitet werde – „für uns ist es ein Investitionsvorhaben wie jedes andere auch“.

Noll fragte Robin Derdau, wie groß man sich den künftigen Surfpark vorstellen muss – und zwar im Vergleich zum Gewässer im Seepark. Hintergrund ist, dass der städtische Wirtschaftsförderer Teil der Lahr-Delegation war, die im Oktober den Surfpark „The Wave“ bei Bristol in England besucht hatte. Derdau erwiderte, dass die Surflagune dort 150 Meter lang sei, dabei aber nicht als groß empfunden werde. „Wenn man die Augen schließt, hat man das Gefühl, an einem Strand zu sein“, schwärmte er. Ratsmitglied Peter Winkels (SPD) lieferte dann noch den Größenvergleich zum Seepark: Die Wasserfläche dort betrage 2,6 Hektar, beim Surfpark in Bristol seien es zwei Hektar.

Auf die Frage aus dem Rat, ob Zuschüsse für den Lahrer Surfpark zu erwarten sind, antwortete Schöneboom, dass man bereits die „Fühler ausgestreckt“ und die Wahlkreis-Landtagsabgeordneten hierzu kontaktiert habe. Er mache sich aber keine großen Hoffnungen, so der Bürgermeister.

Insgesamt gab es im Ortschaftsrat vor sieben Zuhörern Wohlwollen für die Surfparkpläne. „Wenn die Bürger mitgenommen werden, kann es etwas Gutes werden“, sagte Claudia Möllinger (Freie Wähler). Rubin betonte abschließend, dass man in Hugsweier zur konstruktiven Zusammenarbeit bereit sei: „Wir sind nicht das kleine gallische Dorf, das immer dagegen ist.“

Thema im Gemeinderat

Im Gemeinderat wird am Montag, 24. März, über das weitere Vorgehen in Sachen Surfpark diskutiert und abgestimmt. Die Versammlung beginnt um 17.30 Uhr im Großen Sitzungssaal im Rathaus 2.