Während ihrer Wanderung zum Ratshausener See, um dort zu Laichen, haben die Kröten mit der K7170 eine gefährliche Barriere zu bewältigen. Mitglieder des Fischereivereins Schömberg-Balingen bringen die Amphibien sicher zu ihrem Laichplatz.
Wenn in den nächsten Tagen die Temperaturen wieder steigen und es dazu noch regnet, dann setzen sie sich in Bewegung: Kröten und Frösche kehren zum Laichen an den Ort zurück, an dem sie geboren sind. Einige müssen aber eine mitunter lebensgefährliche Hürde nehmen, um an den Ratshausener See zu kommen, nämlich die K 7170 zwischen Ratshausen und Hausen am Tann.
Damit die Tierchen auf ihrer Wanderung nicht überfahren werden, hat das Landratsamt Krötenzäune auf rund 400 Meter entlang der Kreisstraße aufgebaut. Sieben Eimer sind in den Boden eingelassen, in welche die Tiere auf ihrer Wanderung plumpsen.
Mitglieder des Fischereivereins Schömberg-Balingen sorgen dann dafür, dass die Tiere unbeschadet über die Straße zum See kommen.
Im Rekordjahr waren es 3000
Zwei bis dreimal am Tag spielen Ehrenamtliche „Krötentaxi“ und bringen die Eimer mit den Tieren über die Straße und setzen sie in den See ein. Momentan kümmert sich Hans Gerd Weinmann, der als Gewässerwart des Vorsees und der Oberen Schlichem momentan auch für den Ratshausener See zuständig ist, alleine um die Kröten. Noch sei es nämlich zu kalt, dass sich die Amphibien in Bewegung setzen. Doch während der wärmeren Tage vor zwei Wochen habe er bereits die Vorhut, rund 20 Kröten aus den Eimern über die Straße gebracht. In ein bis zwei Wochen, wenn die Temperaturen wieder ansteigen, dann bekommt Weinmann Unterstützung von Vereinskollegen.
Seit mehr als zehn Jahren spielen die Fischer jedes Frühjahr „Eimertaxi“. Weinmann führt Buch über die Anzahl der Tiere, die täglich in den Eimern landen. Im Schnitt bringen sie Jahr für Jahr um die 1000 Tiere in Sicherheit. Im Rekordjahr seien es 3000 gewesen, im schwächsten Jahr immerhin 700.
Ratshausener See bietet gute Bedingungen
Dabei ist zu bedenken, dass die Kröten und Frösche aus allen Richtungen zum Laichen in den Ratshausener See wandern. Ebenso passieren einige die K 7170 über Rohre, die unter der Straße durchführen, andere kommen über die Schlichem in den See. Demnach dürften sich im Frühjahr neben Fischen wie Zander, Schleien, Barsche, Karpfen, Moderlieschen und Rotfedern ein paar tausend Amphibien im Ratshausener See befinden.
Weil das Gewässer ruhig gelegen ist und das Ufer bewachsen ist, haben die Amphibien gute Bedingungen in dem See abzulaichen. Im Anschluss verlassen sie das Wasser wieder und wandern in Richtung Wald und Wiesen, wo sie eingegraben in der feuchten Erde oder versteckt unter Totholz, Steinen und Gebüsch die heißen Sommertage überstehen, erklärt Weinmann.
Früher war die Straße voller Kröten
„Bevor es die Krötenzäune gegeben hat, war zu dieser Jahreszeit die ganze Straße voller Kröten“, erinnert sich Weinmann. Viele von ihnen sind den Autos zum Opfer gefallen. Dennoch gilt auf dem Streckenabschnitt um den Ratshausener See vorübergehend Tempo 70. Das Geschwindigkeitsschild wird von einem Warnschild ergänzt, in dem eine Kröte abgebildet ist.
Ob die reduzierte Geschwindigkeit im Endeffekt viele Tiere retten würde, bezweifelt Weinmann. Doch dank der Zäune seien sowieso kaum Kröten auf der Straße, die wenigsten können die 40 Zentimeter hohen Barrieren überwinden.
Weinmann schätzt, dass die Krötenwanderung ungefähr bis Mitte April dauern wird, dann werden die Zäune abmontiert und die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben.