Trainingslager statt Schreibtisch: Beim Rathaussturm in Haslach wollte Haslachs Bürgermeister Armin Hansmann seine Mitarbeiter auf die harte Art fit machen.
Eigentlich hätte Hansmann sich denken können, dass es nicht einfach – wenn nicht sogar unmöglich – werden würde, seine Mitarbeiter zum Sport zu bewegen. Doch als motivierter neuer Rathauschef wollte er die Verwaltung endlich „entbürokratisieren“. „Die Silbe ,ent‘ bedeutet heraus, also raus aus dem Büro“, erklärte er. So trug er Kulturamtsleiter Martin Schwendemann und Hauptamtsleiter Adrian Ritter auf, die Kollegen mittels eines Boot-Camps zur Sportlichkeit zu animieren.
Die Dekoration war ans Dschungelcamp angelehnt
Das war das Thema des traditionellen Schauspiels, das Verwaltung und Narren Jahr für Jahr anlässlich der Schlüsselübergabe aufführen. Passend dazu hatte der Bauhof das Rathausfoyer mit Lianen, Urwaldpflanzen und Liegestühlen im Stil der RTL-Show „Dschungelcamp“ geschmückt. Über der Dekoration prangten in großen Buchstaben die Worte „Boot-Camp“, während Schwendemann und Ritter zweifelten, ob ihre Kollegen in den verschiedenen Abteilungen die E-Mail, in der sie Hansmanns Idee beschrieben hatten, richtig verstanden hatten.
Wie berechtigt ihre Zweifel waren, zeigte sich schnell: Die Mitarbeiter der Bücherei machten es sich in Liegesesseln mit Büchern und Cocktails gemütlich. Statt „Boot-Camp“ hatten sie offenbar „Book-Camp“ verstanden – sehr zum Ärger des Bürgermeisters. „Mit Büchern wird doch keiner fitter“, zürnte er und hoffte, dass die anderen Rathausabteilungen es besser machen würden.
Doch weit gefehlt: Die Stadtgärtnerei stieg unter den Klängen des „Biene-Maja“ -Lieds die Treppe des Foyers hinunter und präsentierte sich als grünes und blühendes „Beet-Camp“. Hansmann tobte. Ritters Argument, es seien doch nur zwei Buchstaben falsch, ließ er nicht gelten. Dass sich das Bauamt kurz darauf als tanzendes „Boogie-Camp“ zeigte, machte die Sache nicht besser.
Die Stadtwerke hatten die Buchstaben zwar nicht verdreht, lasen „Boot-Camp“ jedoch deutsch statt englisch. Also schlossen sie einige Wehrklappen und stauten die Kinzig auf, damit sie das Städtle mit ihren Kajaks befahren konnten. „Das war eine ganz schöne Arbeit“, beschwerte sich Werkeleiter Steffen Jannek, der in einem Boot die Treppe hinunterglitt. „Haslach steht jetzt ein bisschen unter Wasser, aber immerhin kann man die Kirchturmspitze noch sehen“, sagte er und merkte an, dass in diesem Zusammenhang wohl auch die Strompreise ein wenig steigen würden.
Wieder war der Bürgermeister fassungslos und brüllte: „Habt ihr eigentlich einen Kurzschluss in euren Gehirnwindungen?“ Ritter und Schwendemann versuchten zu beschwichtigen und wiesen darauf hin, dass Anglizismen in Rathäusern eben nicht jeder verstehe. Schwendemann zeigte sich dennoch optimistisch, dass wenigstens seine eigene Abteilung alles richtig machen würde. Doch auch das erwies sich als Trugschluss: Als rockendes „Beat-Camp“ mischte das Kulturamt das Foyer auf.
Gurkenmaske aus dem „Beauty-Camp“
Die Damen aus dem Bürgermeistervorzimmer brachten als „Beauty-Camp“ ihren Chef schließlich vollends zur Verzweiflung. Sie malten ihn hemmungslos mit Lippenstift an und verpassten ihm eine Gurkenmaske. Auch Ritter und Schwendemann blieben nicht verschont.
Ein Teil des Bauamts war derweil vollkommen verwirrt und stritt darüber, ob man nun nach französischem „Savoir-vivre“ ein „Boule-Camp“ oder doch ein „Pool-Camp“ aufziehen sollte. Doch bedeutete Letzteres, ein Schwimmbad zu errichten oder Billard zu spielen? Schnell brach Streit aus, an dem sich auch die anderen „Camps“ beteiligten. Jeder war überzeugt, die Anweisung richtig verstanden zu haben. Schwendemann weinte derweil leise vor sich hin.
Bürgermeister Armin Hansmann beendete das Gezetere schließlich. „Dann nehme ich das eben selbst in die Hand“, meinte er und rief Narrenzunftmeister Manuel Seitz zu sich. „Sportlich und muskulös wird man nur mit Narrengeistern“, befand er. Mit der Übergabe des Rathausschlüssels trug er Seitz auf, sich um die Sportlichkeit der Haslacher zu kümmern.
„In den nächsten sieben Tagen wirst du alle fitter kriegen, als wir es jemals konnten“, war sich Hansmann sicher.
Vergangene Stücke
Im vergangenen Jahr war das Thema des Schauspiel „Unterwasserwelt“ und 2024 gab es eine Steinzeitolympiade. Nach der Pandemie wurde 2023 eine Märchenwelt dargestellt. Zuvor hatte es 2021 ein Weltraumabenteuer gegeben.