Sie haben es wieder geschafft: Weder das schlechte Wetter noch die ungewohnte Adresse konnten die St. Georgener Narren daran hindern, den Rathausschlüssel zu erobern.
Geheimnisse bewahren vor den Narren – das schafft keiner, auch nicht der St. Georgener Bürgermeister Michael Rieger. Denn beim Rathaussturm am Schmotzigen Donnerstag hatten die Bergstadt-Zünfte dem kurz darauf völlig machtlosen Stadtoberhaupt so einiges anzulasten.
Spätestens mit den Kanonenschüssen, welche die närrische Bürgerwehr Peterzell am Donnerstagabend pünktlich um 17 Uhr vor dem St. Georgener (Ausweich-)Rathaus abfeuerte, dürfte dem Bürgermeister klar gewesen sein, welche Stunde nun geschlagen hatte. Da konnte weder der Umstand, dass der Rathaussturm wegen der großen Sanierung diesmal nicht im eigentlichen Rathaus, sondern im Ausweichquartier in der Gewerbehallestraße stattfinden musste, noch das Verschanzen im Gebäude etwas ausrichten – schon ein paar Minuten später musste Rieger samt Gefolge und riesigem Schlüssel vor dem Rathaus auflaufen.
Ein Etappenziel hatten die Narren damit schon mal erreicht: Der Schultes stand vor ihnen. Klar, dass Alexandra Pies, Zunftmeisterin der Narrenzunft St. Georgen, die Gelegenheit nutzte. „Spare, spare, des machen Sie wahrlich gern’. Des Handy mit ’em Taschenrechner, des isch nie fern“, hielt sie Rieger vor – und setzte hinzu: „Doch mir Narre, mir bleibet viele und laut. Unsere Fasnet bringt Steuern, au wenn man’s net glaubt.“ Und überhaupt, fand Pies, sei das bunte Narrentreiben ohnehin die beste Werbung für St. Georgen.
Im gereimten Worten blickte sie zudem auf den großen Umzug der St. Georgener Narrengemeinschaft zurück, der bereits Anfang Februar stattfand: „Wir zieh’n die Menschen bei jedem Wetter auf die Straße. 4000 Gäste – das gab’s noch nie in diesem Maße“, freute sie sich.
„Kontrolletti“ beim großen Umzug
Aber nicht nur von Süßigkeiten, Musik und guter Laune berichtete Pies. Sondern auch davon: „Dann kam ganz neu dazu, ein Kontrolletti“. Doch die „Dame mit Blick für Ordnung“ musste wieder abziehen, ohne etwas beanstanden zu können, freute sich Pies: „Erfolglos habt ihr versucht, bei uns etwas zu finden. Allerdings können wir Spaß und Sorgfaltspflicht ganz gut miteinander verbinden.“
Und so blieb die Narrenlaune beim großen Umzug ungetrübt – so wie auch beim Rathaussturm am Schmotzigen nicht einmal das miserable Wetter die Narren davon abhalten konnte, die Kontrolle über St. Georgen zu übernehmen. Einen Ratschlag hatte Pies auch noch für den Schultes im Gepäck: „Arbeiten Sie besser weiter mit uns Narren Hand in Hand.“
Bürgermeister Rieger rückt Schlüssel heraus
Diesen überzeugenden Argumenten konnte sich auch der Bürgermeister nicht mehr entziehen – auch wenn er sich dann doch noch gegen den einen oder anderen Vorwurf der Narren verteidigte. Ohne allzu langes Zögern gab Rieger den riesigen Rathausschlüssel dann doch ab, wünschte seinerseits schöne Fasnetstage.
Mit dem Schlüssel in der Hand konnte Zunftmeisterin Pies jubeln – zusammen mit dem versammelten Narrenvolk. „Und so bleibt sie, die närrische Treiberei. Tut uns leid, aber des isch noch lange nicht vorbei“, hatte Pies zuvor gereimt. Zumindest bis Aschermittwoch stimmt das: So lange haben die Narren in der Bergstadt das Ruder in der Hand.