Rotwild, nicht zum Abschuss frei: das Rathausteam aus Schopfloch mit den Frauen des Bürgermeisters und des Ortsvorstehers Foto: Uwe Ade

Nicht nur an der Hornisgrinde wird gejagt, auch in Schopfloch – doch hier wird kein Blut vergossen, betont der Bürgermeister beim Rathaussturm. Unter den Rehlein ist seine Frau.

Mit dem Rathaussturm und der Schlüsselübergabe läuteten die Auentalhexen Oberiflingen am „Schmotzigen Donnerstag“ auch in Schopfloch die Hochzeit der närrischen Tage ein.

 

Auentalhexen und Quellwächter stürmten das Schul- und Rathaus in Oberiflingen und schleppten Bürgermeister Thomas Staubitzer und Ortsvorsteher Markus Haas, beide als Jäger verkleidet, zur Schlüsselübergabe vor das Gebäude. Zunftmeisterin Jasmin Kappler entriss dem Schultes den Rathausschlüssel und richtete mit Simon Haller närrische Worte an die Besucher.

Staubitzer, in Jägerkostüm und mit Spielzeuggewehr ausgestattet, wandte sich in Reimform politischen Angelegenheiten zu. „Denn viele Themen stehn grad an, des Ganze im Finanzproblemwahn, aber i bin mir sicher, ihr krieget des hin, wenn net, ihr wisst ja, wo mir sin. I sag immer, mir sind eine Gemeinde, da gibt’s koin Streit und koine Feinde, gemeinsam semmer stark und schee, ihr Hexa sowieso, oh je.“

Krisen und Lichtblicke

Nach dem Blick Richtung Stuttgart – „Alles wird teurer und schwieriger am laufenden Band, helfe tut dir au da niemand, au net des Land“ – zeigte sich Staubitzer mit Blick gen Freudenstadt etwas zuversichtlicher: „Mei Hoffnung isch dr neue Landrat im Kreise, er isch zwar no jung, aber wirkt doch sehr weise, zumindest kann mr mit ihm schwätze, und er hat au Wurzle von hier, isch oifach normal und trinkt mit oim au mal a Bier.“

Rathaussturm mit Schlüsselübergabe: Auentalhexen und Quellwächter mit den Jägern Bürgermeister Thomas Staubitzer (links) und Ortsvorsteher Markus Haas Foto: Uwe Ade

Lichtblicke gab es auch vor Ort: „Allein wenn i seh, was dr Hüttensommer hier hat bracht, viele Spende, dass es nur so kracht, dafür bau mr a Bodentrampolin da drüba, da kann da Ortsvorsteher Haas ’s Hopla und ’s Hopsa weiter üba. Ein Wunsch der Kinder wird damit wahr, zusamma wer mer’s schaffa, des isch doch wunderbar.“

Zum fast fertigen Radweg am Ortsausgang – „Zig Jahre hat’s dauert“ – gestand der Schultes: „Und i sag es ehrlich und ungeloga, wenn dieses Theater ich dann vorbei, mach i drei Kreuz im Günter seiner Sakristei.“

Warten auf Unternehmer

Vom Tälesbach in Unteriflingen schlug Staubitzer den Bogen zum Feuerwehrhaus in Schopfloch: „Da isch an Bach im Täle drin, den hemmer sauteuer renaturiert, macht vielleicht a bissle Sinn, denn dafür hemmer au baut a Gewerbegebiet, des irgendwann mal ganz arg viele Unternehmer anzieht.“ Und weiter: „Aber bis die alle kommet, bau mer selber lieber weiter, des Schopflocher Feuerwehrhaus, ohne Übungsturm leider, egal, hoch hinaus geht’s aber trotzdem mit de Koschte, da könsch gar kotz… “

Zum Ende seiner Rede kam auch die Jägerkluft von ihm und dem Ortsvorsteher zur Sprache. „Könnt ihr erkenne, als was mir da stehn und sind, bei dem Thema kommscht der vor wie des letzte Rind. Genau, wir sind Jäger mit beschten Absichten, andere verzehlet aber andere Geschichten. Drom isch besser, mir lasset heut des Thema Jagd, sonscht sind manche no ganz verzagt.“ reimte Staubitzer.

Kein unnötiges Blutvergießen

„Denn die Jäger hen schau au Recht, schauts euch mal um, da stehn se, meine Bambis, ganz lieb und harmlos rum – will man solche Geschöpfe so einfach erschießa? Natürlich net, da tun mer koi Blut vergießa.“ Die gemeinten Bambis waren seine Frau Sandra, seine Tochter, die Frau des Ortsvorstehers, Sabine Haas, und das Rathausteam – allesamt als Rehlein verkleidet.

Zum Umtrunk lud der Bürgermeister wegen des Regens statt auf den Ochsenplatz diesmal ins Foyer der Iflinger Halle ein und übergab den Rathausschlüssel: „Dr Markus und i, wir machet jetzt Pause, Gschäft henn jetzt ihr, und wir zwei die Sause.“