Vergeblich zogen die Deputys des Sheriffs die wilde Cowboy Nummer ab, der Schlüssel wurde den Narren übergeben. Foto: Kern

Auch in Hornberg übernahmen die Narren am Schmutzigen Donnerstag die Macht. Am Ende gab „Sheriff“ Marc Winzer die Herrschaft an die Narren ab – aber nicht ohne Gegenwehr.

Den ersten Stern in Hornbergs „Walk of Fame“ trägt Sheriff Bürgermeister Marc Winzer. Durch den Geniestreich regieren nun eine Woche lang die Narren in der Stadt. Zuvor blieben sich Gesetzeshüter und Zunftmeister nichts schuldig beim Schlagabtausch im Kampf um die Macht. In der Sparversion von gerade mal vier Hansele, Hörner, Hofschlurfe und zwei Narrenräten formierte sich die Zunft zum Narrenmarsch vor dem Rathaus. „Ich glaub ich spinne, mit dem Aufgebot willst du den Schlüssel vom Rathaus haben? Das kannst du vergessen“, spottete Sheriff Winzer im Cowboyhut vom Fenster herab. Der Schultis könne ja froh sein, dass die Narren überhaupt gekommen sind, konterte Zunftmeister Antonio D’Ambrosio: „Es gibt ja nix zu verwalten!“

 

Undank ob der Bewahrung vor noch mehr Schulden sei das, bezichtigte Winzer die Narren der mangelnden Einsicht in die Notwendigkeit von Sparzwängen. Das Streichen von Stadt- und Mittelalterfest bilde sich laut D’Ambrosio ab im kleinen Aufgebot der Zunft. „Gib jetzt den Schlüssel raus, damit wir wenigstens die nächsten Tage ordentlich feiern können“, forderte der Zunftmeister, unterstützt vom lautstarken Jubel der großen Menge Narrenvolks, das sich auf dem Bärenplatz eingefunden hatte. Davon ungerührt forderte Winzer angemessenen Respekt vor der Obrigkeit und das am besten in bar auf den Tisch des Hauses. Inspiriert von italienischem Dolce Vita wanderten die Goldbarren aus Jack Sparrows Truhe per Wäscheleine hoch zum Fenster des Schultis.

Schnell gewahr, dass da Gummibärchen antrudelten, verprasste dieser den „Schatz“ umgehend und warf sie zur Freude der Kinder mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Auch der Kanister Wasser zum „reinwaschen“, den die Hansele angesichts des anhaltenden Chloranteils im städtischen Wasser vom Kapitän des Traumschiffs auf den Bärenplatz schleppen ließen, fand keine Gnade.

Ebenfalls keinen Erfolg hatte der Panzerknacker-Narrenrat, der einen Koffer voll Blüten unter die Leute brachte. Schnell vom Bürgermeister als Fälschung erkannt, blieb es dabei: „Ich geb den Schlüssel nicht her!“

Nicht widerstehen aber konnte Winzer dem roten Teppich, der ihm schließlich entrollt wurde. „Was bringt das ganze Geld, wenn ihr mir einen Stern vom Hornberger Walk of Fame zur Verfügung stellt“, sah der Bürgermeister sich endlich ins richtige Licht gestellt. Allerdings schlich der „Sheriff“ von Hornberg eher auf den roten Teppich, denn er wusste um die Unberechenbarkeit seiner Hilfssheriffs – die dann auch abgefeimt in die Steigbügel stiegen und mit einer wilden Cowboy-Nummer auf Steckenpferden die Schlüsselübergabe verhindern wollten.

Schließlich obsiegten Ruhm, Ehre sowie lockend tönendes „koooom, koooom“ der Zuschauerschar und der Zunftmeister konnte triumphierend den Rathausschlüssel in Empfang nehmen. Die Fahnen der Hornberger Zünfte wurden gehisst, der Narrenbaum gestellt und das von der örtlichen Brauerei gesponsorte Freibier genossen.

Der Schmutzige Donnerstag

Der „Schmotzige Dunschtig” in Hornberg ist ein Narrenmarathon. Frühmorgens weckt bereits Katzenmusik im Hemdglonker die Stadt. Schülerbefreiung und Treffen mit den Kita-Kindern auf dem Bärenplatz finden am Vormittag statt. Dem Rathaussturm folgt das Hansele suchen und abends bildet der Hemdglonkerumzug durch die Stadt den Auftakt zum gleichnamigen Ball in der Stadthalle.