Na, so was! Der Narrensamen stürmt das Rathaus in Glatten – und vor den Kindern steht ein Glückspilz. Foto: Uwe Ade

Der Glattener Schultes zeigt sich nach einem kurzfristigen Höhenflug im Vorjahr geläutert – und präsentiert sich nun als Glückspilz, weil er in Glatten bleiben „durfte“ – also dort, wo es noch volle Kassen gibt. Aber eben auch eine Art Deponie statt eines Seniorenheims, wie die Narren beim Rathaussturm klagten.

Der Narrensamen der Narrenzunft Glatten holte diesmal Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer beim Rathaussturm von seiner Arbeitsstätte – und war erstaunt: Vor den Kindern stand ein Glückspilz. Der Schultes wehrte sich zwar, doch der Narrensamen waltete seines Amtes, zerrte Pfeifer vor das Rathaus und riss den Schlüssel zum selben an sich.

 

Vorangegangen war dem Rathaussturm ein gut besuchter, von Narrensamenhüterin Lucie Raaf angeführter Kinderumzug durch den Ort. Und die Kinder kamen nicht zu kurz: In allen Geschäften, an denen Halt gemacht wurde, gab es Leckeres – Saitenwürste, Berliner, Gummibärchen oder Bonbons.

„Ihr Narren, es ist wieder so weit, für uns beginnt die fünfte Jahreszeit“, rief später der Zunftmeister vor dem Rathaus, der sich doppelt freute, da es Pfeifer doch nicht zum OB in Freudenstadt geschafft hatte: „Unser Bürgermeister Tore, stark und klar, blieb uns erhalten, das ist wunderbar.“

Zwei strahlende Glückspilze: Bürgermeister Tore-Derek Pfeifer und Ehefrau Claudia Lenz Foto: Uwe Ade

Doch Öhrlein klagte auch: „Sollte auf dem Platz dort drüben nicht schon seit Jahren ein betreutes Wohnen entstehen? Stattdessen kann man da seit Monaten nur Bauschutt, Kabel und Leerrohre sehen. Der Platz wurde wohl zur Deponie umfunktioniert, und während du in Kur abhaust, hier dann das Chaos regiert“, warf der Zunftmeisters dem Schultes vor.

Die Abenteuerlust lebt er jetzt in Glatten aus

Schon mal in Fahrt, wurde Öhrlein grundsätzlich: „Ja ja, in Glatten brauchen manche Dinge eine Ewigkeit, das hat uns ja schon der Hallenumbau gezeigt.“ Den Einwohnern erklärte er, „dass die Narren für den Saustall um unser Vereinsheim nicht die Verantwortung tragen“. Das seien andere, die im Ried lebten und sich wie Ferkel benähmen.

Auch Pfeifer erinnerte in seiner Rede an das Jahr zuvor, als er im Wahlkampf stand. „Vor einem Jahr als Kolumbus voller Mut, zog es mich fort mit Abenteuer im Blut – nach Freudenstadt wollt ich hin, doch nun weiß ich, welch Narr ich bin“, reimte Pfeifer und stellte fest: „Denn dort, oh weh, die Kassen leer, kein Taler mehr, kein Geldverkehr – einen Traumprinz hat man dort gewählt, der sich nun durch die Zahlen quält.“

Die Kinder haben ihn gerührt

Und Pfeifer gestand, was ihn letztes Jahr zutiefst rührte: „Als ihr Kinder meinen Namen rieft – ohne Tore sei doch alles doof. Das traf mein Herz, ich sag’s nicht bloß. Mit Plakaten bunt und laut, habt ihr die Abenteuerlust versaut – und heut weiß ich, dank euch allen: Ich wär ein Narr, würd ich woanders lallen.“

Strahlend gestand Pfeifer der Narrenschar: „Hier in Glatten, oh welch ein Glück, pulsierendes Leben kehrt zurück. Hier darf ich schaffen, gestalten, tun, muss nicht im Rathaus müßig ruhn. Ein Glückspilz bin ich – Narri, Narro! – denn in Glatten, da gibt es noch Leben, hier kann ich schaffen, hier kann ich streben.“

Für den Sommer lud Pfeifer gleich jetzt alle Kinder des Narrensamens zum Grillfest nach Neuneck ein und schloss: „So hebt die Gläser, singt und lacht, die Fasnet tobt heut durch die Nacht – ich bleib euch hold, das ist doch klar – Narri, Narro! – auf ein weiteres Jahr!“