Vor dem Donaueschinger Rathaus stehen: Erik Pauly im Schandbrett, Zeremonienmeister Markus Dörle, Severin (Thomas Höfler), Bürgermeister Severin Graf, Narrenrat Ernst Hauger, „Narrenbolizist“ Jürgen Wintermantel und Narrenrat Ralf Gliese. Links Ex-Zunftmeister Michel Lehmann und Ignaz (Markus Kuttruff). Foto: Roger Müller

Die Hästrager feiern trotz des Regens ausgelassen Fasnet. Traditionell wird das Rathaus gestürmt. Die Obrigkeit stellt sich im Schandbrett den Klägern.

Zugegeben – der diesjährige Schmutzige Dunnschtig ist ziemlich ins Wasser gefallen. Doch das Wetter kann man sich bekanntlich nicht aussuchen und die Fasnet ist schließlich nur einmal im Jahr – also gilt: Regenschirm aufspannen (hier sind Hansel und Gretle im Vorteil), Zähne zusammenbeißen und ab ins närrische Geschehen.

 

Eine lange To-do-Liste

Um Punkt 6 Uhr ziehen närrische Musikanten durch die Innenstadt und holen die Donaueschinger unter anderem mit dem Narrenmarsch „Hans blieb do“ aus dem Bett. Wenn dieser Marsch ertönt, die Hansel und Gretle dazu hoppen und ihre Schellen im Rhythmus erklingen lassen, dann ist klar: Die Fasnet geht jetzt richtig los! Der närrische Zeitplan ist eng, die To-do-Liste ist lang: Das Narrenblatt muss verkauft, die Schüler müssen befreit werden, bei Fasnetstüble-Besuchen müssen Strählsprüche auswendig vorgetragen werden, der Hexenbesen vor dem Blauen Rathaus muss von den Schellenberghexen aufgestellt werden und zu guter Letzt: Die Rathausspitze muss entmachtet werden. Und das alles vor 12 Uhr. „Narrenfreiheit für alle“, steht auf dem Banner geschrieben, welches die Narrenräte dem Publikum um 11.45 Uhr präsentieren. Über eine Leiter erklimmen Ignaz und Severin das Rathaus-Fenster und stecken den Oberbürgermeister Erik Pauly und Bürgermeister Severin Graf ins Schandbrett. Die beiden zeigen sich dann wenige Minuten später dem schaulustigen Publikum vor dem Rathaus, welches heute weniger zahlreich erscheint, als die Jahre zuvor. Aber kein Wunder: Es regnet am Vormittag Bindfäden. Die Anklagepunkte gegen Pauly und Graf sind dieses Jahr zwar kürzer als das Jahr zuvor, aber wiegen mindestens genauso schwer: Severin Graf – neuer Hunde-Papa und stolzes Herrchen eines Königspudels, welcher auf den Namen Carlos hört – wird von Severin (Thomas Höfler ) bezichtigt, seinen Hund nicht im Griff zu haben.

Eschingen als Klein-Venedig

Ganz Aasen, inklusive Golfplatz, mache das Duo beim Gassigehen unsicher. „Also entweder du schickst den Hund in die Hundeschule – oder wir schicken dich in die Hundeschule!“, droht Severin an.

Oberbürgermeister Erik Pauly wird beschuldigt, die Statik seiner Rathäuser nicht im Griff zu haben. „Neben der einsturzgefährdeten Tiefgarage am Max-Rieple-Platz ist nun auch die Tiefgarage des Rathaus‘ II vom Einsturz bedroht und muss mit Pfeilern abgestützt werden!“ Wo das denn enden solle – Donaueschingen sei nun ein Klein-Venedig, abgestützt auf Pfähle. „Irgendwann bricht die Garage ein und die Verwaltung muss zuhause bleiben – aber das würden wir gar nicht merken, es läuft ja eh nichts im Rathaus“, so das närrische Resümee von Ignaz (Markus Kuttruff).

Das lässt Pauly nicht auf sich sitzen, es tönt angriffslustig aus dem Schandbrett: „Vielleicht bricht die Tiefgarage ja dann ein, solange die Narren an der Macht sind.“ Womit man nun beim Thema und Hauptanliegen der Narren ist: Etwas widerwillig übergibt die Verwaltung den Rathausschlüssel an den Frohsinn-Narrenrat und Zeremonienmeister Markus Dörle. Und nun heißt es: Die Narren haben in Eschingen die Macht und die Rathauschefs haben vorerst nichts mehr zu melden. Narro!